Flüchtlingsmanagement im Raum Heilbronn: Einige Plätze bleiben als Puffer
Die Zahl der Flüchtlinge sinken weiter: auch in der Region. Der Landkreis Heilbronn und die Stadt Heilbronn bauen Unterkünfte ab und versetzen andere Objekte in den Stand-by-Modus. Insgesamt soll das Liegenschaftsmanagement viel agiler und effizienter werden.

Stadt- und Landkreis Heilbronn reagieren auf die derzeit sinkende Zahl der Geflüchteten. Doch die Entwicklung genauer vorherzusagen, gleicht dem Blick in die Glaskugel. „Wieviel Leerstand wir genau vorhalten müssen, ist schwer zu sagen“, hatte Achim Bocher, Leiter des Amts für Senioren, Familie und Jugend jüngst im Gespräch mit stimme.de gesagt.
Prognosen sind nur schwer möglich
„Prognosen können weder Land noch Bund geben“, so Bocher. Das sei ein großes Problem. Der Flüchtlingsbereich ist derzeit einer der Haupt-Kostentreiber im Sozialen in Heilbronn, denn „die Zahlen gehen zwar zurück, aber so schnell, wie die Flüchtlingspauschalen vom Land gekürzt werden, können wir nicht agieren.“ Etwa bei Mietverträgen. Generell verfolge die Stadt Heilbronn die Strategie der dezentralen Unterbringung.In den vergangenen Jahren wurden die Gebäude intensiv bewirtschaftet, so dass aktuell an mehreren Standorten Renovierungsarbeiten laufen und somit die bestehenden freien Kapazitäten zeitlich befristet nicht zur Verfügung stehen. Einen Puffer von 100 Plätzen hält die Stadt für Notfälle vor. Aber: „Bei den darüber liegenden freien Plätzen wird aktuell sondiert, welche Plätze perspektivisch wegfallen können“, sagt Sprecherin Claudia Küpper.
Stand-by-Modus ist eine Möglichkeit
Wie vom Land Baden-Württemberg vorgegeben, betreibt das Landratsamt Heilbronn ein agiles Liegenschaftsmanagement. Dementsprechend werden Gelegenheiten zum Rückbau der Kapazitäten durch auslaufende Mietverträge genutzt. Geeignete Unterkünfte werden jedoch nach Möglichkeit in den Stand-by-Modus versetzt, damit ein Puffer an Unterbringungsplätzen erhalten bleibt.
So ist die Lage in Brackenheim
Mirjam Brennecke ist Leiterin der Stabsstelle Integration bei der 17 000-Einwohner-Stadt Brackenheim, drei Integrationsmanager in Vollzeit arbeiten dort. Stellenweise gab es 2015 rund 400 Geflüchtete in der vorläufigen Unterbringung, den zwei großen vom Landratsamt angemieteten Unterkünften. Jetzt sind es noch 100. „Man merkt, dass die Grenzen dicht sind“, sagt Mirjam Brennecke. Einige kämen schon noch, etwa aus der Ukraine. Ihr Team betreut derzeit 430 Klienten, aus dem Iran, Irak, Afghanistan und Syrien. Die Beratung, die ihr Team leistet, sei keine kommunale Pflichtaufgabe. Aber: „Unser Gemeinderat hat erkannt, dass es besser ist, sich um die Menschen zu kümmern, als dass sie eine Subkultur bilden.“
Auch der Hohenlohekreis schließt Sammelunterkünfte
Auch der Hohenlohekreis unterhält immer weniger Sammelunterkünfte für Flüchtlinge. Bald wird ihre Zahl weiter schwinden. Das Landratsamt plant, die zwei großen Objekte in Bretzfeld-Schwabbach dauerhaft zu schließen. Die umfunktionierte Gewerbehalle in der Moosbachstraße steht laut Amtsleiter Tim Krauter schon seit Herbst 2025 leer und sollte noch bis Frühjahr 2026 vorgehalten werden, um für möglicherweise steigende Zuweisungszahlen im Winter gewappnet zu sein. Stattdessen sind sie gesunken.
Aus für zwei große Objekte in Schwabbach
73 Plätze standen dort zur Verfügung. 108 Plätze fasst die Containeranlage in der Maybachstraße. Sämtliche Verträge seien gekündigt worden, die komplette Infrastruktur werde abgebaut, erklärt Krauter. „Wir sind gerade dabei, die Bewohner in andere Unterkünfte umzuverteilen oder sie Schritt für Schritt in die Anschlussunterbringung der Kommunen zu verlegen.“ Im Herbst 2025 wurde laut Krauter die Containeranlage im Öhringer Gewerbegebiet „Im Sichert“ mit 48 Plätzen zurück gebaut und vorzeitig geschlossen. Die Unterkunft in Belsenberg mit 18 Plätzen ist ebenfalls weg.
Von 15 auf sieben gemeinschaftsunterkünfte
Im November 2023 betrieb der Hohenlohekreis noch 15 Sammelunterkünfte mit 763 Plätzen, von denen 659 belegt waren. Dies entsprach einer Auslastung von 86 Prozent. Im Juni 2025 waren es noch zehn Sammelunterkünfte mit 724 Plätzen, von denen 354 besetzt waren. Ende Februar 2026 gab es nur noch sieben Gemeinschaftsunterkünfte mit 532 Plätzen, von denen 238 bewohnt waren. Die Auslastung hat sich damit mehr als halbiert und liegt aktuell bei 41 Prozent.
Liegenschaften agil nutzen
Was ist das „agile Liegenschaftsmanagement“? Das Justizministerium gab ein „Hinweisschreiben“ am 15. August 2025 heraus. Erste Signale in diese Richtung hatte es schon am 7. Mai 2024 gesendet. Das Land will, dass die Kreise und Städte flexibler auf veränderte Zugangszahlen reagieren, vorhandene Liegenschaften effizienter nutzen und das Unterbringungsmanagement noch wirtschaftlicher wird. Vor allem soll der ständige Auf- und Abbau von Notquartieren und Containeranlagen sowie die hektische und nur partiell erfolgreiche Anmietung privater Flächen aufhören. Die Kommunen sollen sich auf wenige Gebäude konzentrieren, die größere Kapazitäten haben und bei sinkenden Flüchtlingszahlen auch anderweitig genutzt werden können.
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