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Lärmaktionsplan

Obersulm setzt auf Tempo 30 – was das für Autofahrer und Anwohner bedeutet

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Anwohner in Obersulm leiden unter Verkehrslärm. Mit der Fortschreibung des Lärmaktionsplans soll unter anderem der Flickenteppich bei Geschwindigkeitsbegrenzungen in Ortsdurchfahrten beseitigt werden.

Bis zur Ortstafel Richtung Löwenstein fordert die Gemeinde auf der B39, Tempo 30 zu verlängern. Das 70er-Schild soll ausgetauscht werden: Bis zur Kreuzung Neuhausstraße/Breitäcker sollen nur noch 50 Kilometer pro Stunde erlaubt sein.
Bis zur Ortstafel Richtung Löwenstein fordert die Gemeinde auf der B39, Tempo 30 zu verlängern. Das 70er-Schild soll ausgetauscht werden: Bis zur Kreuzung Neuhausstraße/Breitäcker sollen nur noch 50 Kilometer pro Stunde erlaubt sein.  Foto: Berger, Mario

Es ist vollbracht. Der zweiten Fortschreibung des Lärmaktionsplans von Obersulm hat der Gemeinderat geschlossen zugestimmt. Die zehn Maßnahmen, die vor allem eine Reduzierung der Geschwindigkeit beinhalten, können umgesetzt werden. "Das ist ein Schild, nächstes Jahr steht es", antwortete Diplom-Ingenieur Uwe Zimmermann vom gleichnamigen Büro auf die Frage von Ulrich Hohl (FWV) nach dem Zeitraum. Ordnungsamtsleiterin Larissa Woschko schränkte jedoch gleich ein: "Vielleicht." Denn das Landratsamt als Straßenverkehrsbehörde muss jeden einzelnen Punkt des Katalogs genehmigen.

Der Lärmaktionsplan beschränkt sich auf die Ortsteile Willsbach, Affaltrach und Sülzbach. Dort leiden die Anwohner besonders unter dem Verkehrslärm von Autobahn 6, B39 und L1035. Sie leben zum Teil in gesundheitsgefährdenden Bereichen. Der Flickenteppich soll beseitigt werden. Ein Beispiel dafür sind die Ortsdurchfahrten in Willsbach. Hier wechselt Tempo 30, teilweise nur nachts, mit 50 und schließlich 70. 

Kein lärmmindernder Fahrbahnbelang innerorts zugelassen

Zu den vier Forderungen nach lärmminderndem Fahrbahnbelag für die Affaltracher Straße, die Weinsberger und Löwensteiner Straße sowie von der Ortstafel Richtung Ellhofen bis zur Höhe der Realschule führte Zimmermann aus, dass derzeit in ganz Deutschland kein entsprechender Asphalt innerorts zugelassen sei. Das Material, das eingebaut worden sei, habe nicht die erwünschte Wirkung gebracht. Es werde intensiv geforscht, weshalb der Planer zuversichtlich war, dass es eine Lösung geben werde. Deswegen war es Monika Steg für die SPD-Fraktion wichtig, zumindest Schlaglöcher zeitnah zu stopfen. 

Weniger Tempo bedeutet weniger Lärm. Dafür sollen folgende Maßnahmen sorgen: Zwischen den Ortstafeln von Affaltrach und Willsbach sollen statt 70 künftig nur noch 50 Stundenkilometer zulässig sein. Die nächtliche Begrenzung auf Tempo 30 in der Markt-, Brücken- und Affaltracher Straße soll ganztägig gelten. Auf der B39 soll Tempo 30 bis zur Ortstafel Richtung Löwenstein ausgeweitet werden, zwischen Ortstafel und der Kreuzung Neuhausstraße/Breitäcker künftig nur noch 50 Kilometer pro Stunde erlaubt sein. 

Statt Tempo 70 nur noch 50 Stundenkilometer

Im Abschnitt von der Ortstafel Richtung Ellhofen bis auf Höhe der Realschule wird die Gemeinde beim Landratsamt eine Höchstgeschwindigkeit von Tempo 50 beantragen. 

In Affaltrach soll der Verkehr ebenfalls langsamer rollen und die Anwohner sollen durch Tempo 30 entlastet werden auf dem Abschnitt Willsbacher Straße und der Straße Am Ordensschloss.

Zimmermann erntete bei seinem letzten Auftritt im Gremium vor seinem Ruhestand viel Lob für seine Arbeit, angesichts der "irrsinnigen Bürokratie und Gesetzgebung, die man uns vorgibt", wie es Monika Steg formulierte. Neben den Maßnahmen zur Lärmminderung war ihr auch wichtig, den Autoverkehr zu reduzieren, indem man Rad- und Fußwege sowie den Öffentlichen Personennahverkehr ausbaue. Grünen-Fraktionschef Armin Waldbüßer hoffte, dass die Straßenverkehrsbehörde bei der Umsetzung mitspiele. 

Kritik an Vorgaben

"Alles mitnehmen, was wir können", lautete die Devise von FWV-Sprecher Ulrich Hohl. "Es ist eine Lachplatte, was uns vorgegeben wird", fasste er zusammen.

Bürgermeister Björn Steinbach wies darauf hin, dass 2025 Geld für die freiwillige Kartierung von Straßen mit geringerem Verkehrsaufkommen eingestellt werde, um auch die anderen Ortsteile einzubeziehen. Darüber herrscht Konsens. Es muss nur noch ein Nachfolgebüro für die Aufgabe gefunden werden.

Hoffnung für gefährliche Verkehrswege

Alexander Heinrich (FWV) macht sich als Sülzbachs Ortsvorsteher Hoffnung, durch die Novelle der Straßenverkehrsverordnung gefährliche Verkehrswege im Teilort durch Tempo 30 entschärft zu bekommen. Die Verwaltungsvorschriften fehlten noch für eine Umsetzung, warf Ordnungsamtsleiterin Larissa Woschko ein. Die Gemeinde werde jedoch die notwendigen Daten bereits erheben: Wie viele Schüler laufen zur Schule, wie viele kommen mit dem Rad, wie viele werden gebracht?

Felix Feinauer (FBO) stellte den Antrag, die Raiffeisenstraße in den Lärmaktionsplan mit aufzunehmen. Sein Kollege Günther Geist habe Unterschriften für Tempo 30 bis hinauf zur Bahnbrücke gesammelt. "Das ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich", machte Ordnungsamtsleiterin Larissa Woschko deutlich. Die Raiffeisenstraße gehöre nicht zum Geltungsbereich des Lärmaktionsplan. Bei der freiwilligen Kartierung jedoch schon.

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