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Fleiner Kirchturm wird für 325.000 Euro saniert

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Nach einem Sturm im April 2024 war Gefahr im Verzug: Spitze der Fleiner St. Veit-Kirche wurde abgenommen. Zwei dabei entdeckte Zeitkapseln wurden erst jetzt geöffnet.

Fast zwei Monate hat es gedauert, bis das Gerüst stand. Die Plakate spenden den Fleinern in diesen schwierigen Zeiten Hoffnung, weiß Pfarrer Rolf Sons.
Fast zwei Monate hat es gedauert, bis das Gerüst stand. Die Plakate spenden den Fleinern in diesen schwierigen Zeiten Hoffnung, weiß Pfarrer Rolf Sons.  Foto: Lina Bihr

Gleich zweimal hat ein Sturm der Spitze der evangelischen St. Veit-Kirche in Flein zugesetzt: im Februar 1893 und im April 2024. Beim ersten Mal wurden Knopf, Pfeil und Kreuz herabgerissen. Beim jüngsten Ereignis konnte das verhindert werden. „Bei mir haben die Leute angerufen, die Kirchturmspitze ist bedenklich schräg“, erzählt Pfarrer Rolf Sons. Schleunigst sei alles abgesperrt worden. Schon zwei Tage später wurde der Abschluss des 33 Meter hohen Kirchturms mittels Hubsteiger abgesägt und mit Folie abgedeckt. Bei näherem Hinsehen wurden weitere Schäden entdeckt.325 000 Euro kostet die Sanierung.

Finanziert wird sie zum großen Teil aus Eigenmitteln der Kirchengemeinde – bisher sind Spenden und Opfer in Höhe von 65 610 Euro aus dem „Fleiner Beitrag“ eingegangen, für den Rest müssen die Rücklagen herhalten. „Je mehr Spenden wir erhalten, um so weniger müssen wir daraus entnehmen, was sehr gut wäre“, sagt die Kirchengemeinderätin und langjährige Kirchenpflegerin Nicole König.

Fleiner St. Veit-Kirche hat „ortsbildprägende Wirkung“

90 000 Euro gibt es von der Landeskirche und dem evangelischen Kirchenbezirk Heilbronn-Brackenheim. 35 000 Euro steuert die bürgerliche Gemeinde für die Restaurierung der vier Uhren und die neue LED-Beleuchtung bei. „Die Kirche hat ortsbildprägende Wirkung als ältestes historisches Bauwerk“, betont Hartmut Winkler, langjähriger Haupt- und Bauamtsleiter im Rathaus und Mitglied im Bauausschuss der Kirchengemeinde, die Bedeutung für ganz Flein.

Dass am Turm etwas gemacht werden muss, war der Kirchengemeinde bewusst. Die Spitze neigte sich schon länger seitwärts. Geplant war das aber frühestens in fünf Jahren. „Wir hatten gerade die Innensanierung und den Neubau des Foyers für 1,1 Millionen Euro hinter uns“, sagt Nicole König.Ende November 2025 wurde das Gerüst aufgestellt. „Es hat fast zwei Monate gedauert, bis wir wirklich oben an der Spitze waren“, beschreibt der Fleiner Architekt Michael Scheerle die topografisch schwierigen Gegebenheiten auf dem Kirchberg. Nach drei Seiten fällt das Gelände steil ab. Kurz vor Weihnachten seien dann die Turmuhren abgenommen wurden. Ebenso wie die Wetterfahne und das zwei Meter hohe, eiserne Kreuz werden sie zurzeit von Ines Frontzek aus Großaltdorf-Vellberg restauriert.

Kugel ist frisch vergoldet zurück in Flein

Der Knopf beziehungsweise die Kugel ist bereits frisch vergoldet zurück in Flein. In ihr fanden die Handwerker zwei Zeitkapseln. „Die ältere aus dem Jahr der Erbauung des neuen, um 90 Grad gedrehten Kirchenschiffs im Jahr 1841 ist bereits einmal geöffnet und dokumentiert worden“, berichtet Ortshistoriker Peter Wanner. Unter anderem enthält sie ein in Sütterlinschrift verfasstes Dokument mit einer Übersicht über den Kirchenbau. „Das hat schon einen gewissen Nimbus“, so Wanner. Die neuere Kapsel stammt von der Sanierung 1981.

Pfarrer Rolf Sons (Mitte), Architekt Michael Scheerle (2.v.r.) und (v.l.) Hartmut Winkler, Nicole König sowie Ulrich Berlemann vom Bauausschuss mit einer Zeitkapsel.
Pfarrer Rolf Sons (Mitte), Architekt Michael Scheerle (2.v.r.) und (v.l.) Hartmut Winkler, Nicole König sowie Ulrich Berlemann vom Bauausschuss mit einer Zeitkapsel.  Foto: Lina Bihr

Preise Für den Bauausschuss der Kirchengemeinde war es vergangene Woche ein besonderer Moment, als Flaschner Helmut Kern beide Kapseln öffnete. 1981 hat die bürgerliche Gemeinde „der Nachwelt“ in Schreibmaschinenschrift mitgeteilt, was damals beispielsweise ein Liter Superbenzin (1,48 Mark) oder ein Liter Milch (1,15 Mark) gekostet hat. Eine Ausgabe der Heilbronner Stimme vom 22. Juli 1981 liegt bei.

Die Unterschriften von Bürgermeister Jürgen Steinhilber und 18 Gemeinderäten in einer Heimattage-Broschüre verursacht leuchtende Augen bei Hartmut Winkler, der alle – vom Möbeldesigner Paul Schulz bis zum Leichtathleten Gustav Jenne – aus seiner Zeit im Rathaus kennt: „Das liest sich wie das Who‘s-who von Flein.“ Ob jetzt eine dritte Zeitkapsel hinzugefügt wird und mit welchem Inhalt, darüber entspannt sich sogleich eine rege Diskussion: „Im April kommt die Kugel wieder auf den Turm“, rät Michael Scheerle zur Eile.

Einweihung des sanierten Kirchturms am 16. Juni

Die Handwerker sind fleißig. Der hölzerne Turmumgang ist bereits durch einen neuen, rutschfesten Gitterrost ersetzt worden. Bis zur Einweihung des sanierten Kirchturms am 16. Juni ist aber noch einiges zu tun. „Das gotische Gewölbe muss noch gesichert werden. Die Mörtelfugen fallen teilweise heraus“, erklärt Architekt Scheerle. Vier Fenster müssten „restauratorisch überarbeitet“ werden, außerdem werde die Fassade gestrichen und der Blitzschutz erneuert.

Für die Spenglerarbeiten an den Dachverwahrungen aus Kupferblech und das Abdichten der Übergänge von Kugel und Kreuz ist Helmut Kern zuständig. „Diese Aufgabe hat mich gereizt. Für mich als Fleiner ist das auch eine emotionale Sache“, sagt der Flaschnermeister.

Am 4. Juni 1233 wurde die Fleiner Kirche zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Es ist möglich, dass der untere Teil des Kirchturms mit romanischen Elementen aus dieser Zeit stammt. Im 15. Jahrhundert wurde die Kirche im gotischen Stil neu erbaut. 1841 wurde das Kirchenschiff abgerissen, weil es baufällig und zu klein geworden war. Der Neubau wurde um 90 Grad gedreht. der Turm wurde erhöht und erhielt seine heutige Form„Ursprünglich stand der Turm im Osten, jetzt ist er im Süden“, erzählt Ortshistoriker Peter Wanner.Nun hatte Flein wieder eine romanische, beziehungsweise ein neuromanische Kirche. Vom alten Gotteshaus wurden der Veitaltar und der Taufstein übernommen. 

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