Drei Gebäude mit gemeinsamer Tiefgarage werden bei der Neugestaltung des Rathausumfelds entstehen. Insgesamt sind 20 Wohnungen geplant. Außerdem werden das Gemeindearchiv, die Ortsbücherei mit Familientreff und die Volkshochschule dort eine neue Heimat finden. Der Baustart ist nach dem Fleiner Weinfest im Juli 2026 vorgesehen. „Die Bauzeit wird allein für den Hochbau zwei Jahre betragen“, sagt Bürgermeister Alexander Krüger.
Flein: Großbaustelle als Bühnenbild
Um Kunst und Kultur in Flein dauerhaft zu etablieren, möchte Bürgermeister Alexander Krüger eine Kuratorin ins Boot holen. Ausgangspunkt soll die Neugestaltung des Rathausumfelds sein.

„Es wird polarisieren. Das ist ganz klar“, sagte Bürgermeister Alexander Krüger. Der Tagesordnungspunkt „Verstetigung von Kunst und Kultur“ hörte sich „gefühlt auch sehr abstrakt an“, gestand er den Gemeinderäten zu, die viele Nachfragen zu den Ideen hatten, die Kuratorin Katharina Wahl in der jüngsten Sitzung vorgestellt hatte. Ausgangspunkt ihrer Vision für Flein: Die Baustelle im Zusammenhang mit der geplanten Neugestaltung des Rathausumfelds. Startbudget: 20.000 Euro.
„Wir als Verwaltung sind keine Kunstprofis“, begründete Alexander Krüger, warum er sich professionelle Unterstützung mit ins Boot holen möchte. Der Rathauschef wünscht sich für Flein „Kunst und Kultur als Ausdruck unserer Identität, als Motor für Zusammenhalt, demokratische Teilhabe und Innovation“. Er erinnerte auch an das erfolgreiche Fleiner Projekt „Kiosk für Raumversuche“ vor dem Rathaus, das sich nach Corona zu einem wichtigen sozialen Treffpunkt entwickelt hatte. Mit dem Bau der neuen Ortsbücherei dürfe jetzt eine Stärkung kultureller Bildung und Teilhabe einhergehen, die Bürgerschaft solle Kultur erleben und mitgestalten könne. „Das ist eine Chance, auch in schwierigen Zeiten, anders zu denken und zu agieren.“
Externe Künstler und lokale Akteure
Genau das ist es, was Katharina Wahl als Kuratorin und Programmentwicklerin schon in anderen deutschen und europäischen Kommunen etabliert hat. Sei es bei der Ornamenta 2024 – das Kultur-Großerereignis in Pforzheim und im Nordschwarzwald – oder für das Projekt „Urbane Künste Ruhr“. Stets hat sie externe Künstler mit lokalen Akteuren zusammengebracht – mit Vereinen, Weingärtnern, Gewerbetreibenden, Kindergärten, Schulen.
So etwas kann sich Wahl auch für Flein gut vorstellen, ausgehend von der Großbaustelle, die ab Juli für rund zwei Jahre das Rathausumfeld prägen wird. „Oft wird eine Baustelle als Störfaktor gesehen. Aber sie ist auch ein Symbol für Erneuerung und Wandel“, so die Erlenbacherin. Gemeinsam mit örtlichen Akteuren soll „ein Entwicklungsplan für mehrere Jahre“ aufgestellt werden, in dem die Gemeinde Gastgeber ist für junge Kulturschaffende von auswärts. Die Baustelle als „Bühnenbild“ für Workshops, Konzerte, Lesungen, Genussevents, die das Interesse der breiten Öffentlichkeit wecken, Raum bieten für Begegnung und Austausch.
Gefällte Bäume umwandeln in Sitzmöbel im öffentlichen Raum
Material, das auf der Baustelle als „Abfallprodukt“ anfällt, könne für künstlerische Installationen oder handwerkliche Projekte genutzt werden, so Wahl. Konkretes Beispiel: Die vier Bäume, die für das neue Gebäudeensemble gefällt werden müssen, könnten von jungen Holzbildhauern gemeinsam mit Schulklassen und Vereinen in neue Objekte umgewandelt werden – als Möblierung im öffentlichen Raum. Eine mobile Weinbar hält die Programmentwicklerin genauso für denkbar wie eine temporäre Bühne für musikalische Darbietungen.
Die Baustelle solle aber nur „ein erster Aufschlag“ sein, betonte Katharina Wahl: „Zielsetzung ist ein klares Fleiner Konzept“, das bestehendes Kultur-Engagement fördert und mit neuen Anwendungsmöglichkeiten verknüpft. Zur nachhaltigen Verankerung des mittelfristigen Entwicklungsvorhabens bis 2029 in der breiten Öffentlichkeit sei die Investition in ein visuelles Erscheinungsbild zielführend. In Zusammenarbeit mit Grafikdesignern sowie anhand von Videos und Fotos solle das Programm kommuniziert und dokumentiert werden.
Geteilte Meinungen im Gemeinderat
Jens Oppl (Bürgerliste) sprach sich für das Projekt aus, vor allem, weil es finanziell „relativ übersichtlich“ sei. „Und die Gemeinde bekommt Aufmerksamkeit“, so Oppl. „Wie ist der zeitliche Rahmen?“, wollte Helmut Kern (FWV) wissen. „Ich habe gute Erfahrung mit der Etablierung einer Reihe“, antwortete Katharina Wahl und sprach von bis zu vier Veranstaltungen in eineinhalb bis zwei Jahren, „die etwas Bleibendes zurücklassen“.
Thomas Grauer mahnte an, vorher mit den Vereinen und Organisationen zu sprechen: „Der Veranstaltungskalender ist gut gefüllt.“ Und, so der CDU-Gemeinderat weiter: „Passt das überhaupt zu einer Gemeinde unserer Größe?“ Thorsten Keller (FDP) war skeptisch, ob ein solches Programm viel Publikum anzieht: „Niemand setzt sich in Stuttgart in den Zug, um sich Kunst in Flein anzuschauen.“ Auch Adelheid Scharf-Giegling (SPD) äußerte Zweifel am Gesamtkonzept: „Künstler von außen: Das ist eine Nummer zu groß.“ Ihr Fraktionskollege Steffen Baumann sah es anders: „Es ist etwas Neues, Spannendes. Man muss etwas ausprobieren.“
Abgestimmt wurde nicht über den Tagesordnungspunkt, es ging lediglich um Kenntnisnahme. Das Budget von 20.000 Euro werde die Verwaltung in den Haushaltsplanentwurf 2026 einstellen, so Bürgermeister Alexander Krüger. Der Gemeinderat könne dann entscheiden, ob es gestrichen wird oder nicht.

Stimme.de
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