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Fünf Schulen aus der Region
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School Bowl 2.0. im Heuchelbergstadion: Schüler trotzen beim Flag Football dem Regen

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Flag Football bringt ein bisschen amerikanischen Flair ins Heuchelbergstadion. Fünf Schulen aus der Region sind beim School Bowl vertreten, der von der Eichbottschule in Leingarten organisiert wird. Vom Regen lassen sich die Schüler dabei nicht den Spaß verderben.

Stefan Rühl (mittig) von der Eichbottschule in Leingarten tritt mit den Gruppen der Gentle Knights zum School Bowl an.
Stefan Rühl (mittig) von der Eichbottschule in Leingarten tritt mit den Gruppen der Gentle Knights zum School Bowl an.  Foto: Christiana Kunz

Blitze zucken in der Ferne am Himmel, Regen prasselt auf den Rasen. Bis auf die Knochen durchnässt, aber unbeirrt rennen die Schüler über das Spielfeld, dem Ball hinterher: Es gilt Gentle Knights aus Leingarten gegen Hölderlin Tigers aus Lauffen. Monatelang haben die Jungen und Mädchen von fünf Schulen aus der Region auf den School Bowl im Heuchelbergstadion hingefiebert, der in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindet. Nun lässt man sich den großen Tag nicht vom Wetter verderben.

School Bowl im Heuchelbergstadion: Flag Football bringt Schulen zusammen

Bei Organisator Stefan Rühl hingegen rufen die dunklen Wolken, die über Leingarten liegen, durchaus Besorgnis hervor. Wäre es nicht besser, die Veranstaltung abzubrechen? Immer wieder geht der Blick nach oben, die Coaches tauschen sich aus, bis schließlich feststeht: Es geht weiter. „Wir sind jetzt eh schon alle nass“, erklärt Rühl die Entscheidung.

Der 34 Jahre alte Sportlehrer der Eichbottschule hat das Sportevent nach amerikanischem Vorbild 2024 ins Leben gerufen. Flag Football ist eine Ballsportart, die aus dem American Football entstanden ist. Allerdings fehlt hier das körperliche tacklen, bei dem sich die Gegenspieler gegenseitig zu Boden werfen. Stattdessen geht es darum, einander die bunten Bänder abzunehmen, die an den Hosen befestigt sind. Im Prinzip sei es eine Art Katz-und-Maus-Spiel, sagt Rühl. „Unser Bestreben war es, einen Sport zu schaffen, bei dem die Kinder sich offen austauschen können, ohne bewertet zu werden“, erklärt der Coach. 2028 wird Flag Football eine olympische Disziplin werden. „Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, direkt dabei zu sein, auch im schulischen Bereich.“ In erster Linie gehe es aber um Spaß an der Bewegung und Freude am Austausch.

Schoowl Bowl bringt einen Hauch von Amerika ins Heuchelbergstadion in Leingarten

Das wissen auch Lena, Sina und Evelyn von der Kurt-von-Marval-Schule in Nordheim. Die Teenagerinnen sind zum ersten Mal dabei, haben zum Teil ein paar Wochen vorher mit dem Training begonnen, andere kommen ganz unvorbereitet. Kein Problem, ums Gewinnen gehe es nicht, erklären die Mädchen. In einer Mannschaft seien immer sechs Mitglieder, es gibt die Quarterbacks, die Runner und Snapper.

Julia Reichhardt mit den Hölderlin Tigers aus Lauffen vor dem Spiel.
Julia Reichhardt mit den Hölderlin Tigers aus Lauffen vor dem Spiel.  Foto: Privat

Schon das Vokabular deutet auf den amerikanischen Hintergrund hin. Im Regelwerk, das sie im Vorfeld zugeschickt bekommen habe, sei eine ganze Seite voll mit englischen Fachbegriffen, sagt Julia Reichhardt und lacht. „Wir sind relativ frisch in der Szene.“ Die Lehrerin an der Hölderlin-Realschule in Lauffen wurde im Fitnessstudio von Stefan Rühl auf das Projekt angesprochen. Nun sind ihre Jungs aus der neunten Klasse mit am Start. „Ich finde es eine super Idee“, lobt sie. „Ich kann mir vorstellen, dass das in ein paar Jahren richtig cool und groß wird.“ Wie gut sich ihre Hölderlin Tigers im ersten Spiel des Turniers geschlagen haben, weiß sie nicht. Es hat zu stark geregnet, um das Ergebnis mitzubekommen.

Spaß statt gewinnen – darum geht es beim School Bowl 2.0. in Leingarten

Das Heuchelbergstadion ist Schauplatz des zweiten School Bowls, bei dem die Schüler in Teams gegeneinander Flag Football spielen.
Fotos: Christiana Kunz
Das Heuchelbergstadion ist Schauplatz des zweiten School Bowls, bei dem die Schüler in Teams gegeneinander Flag Football spielen. Fotos: Christiana Kunz  Foto: Christiana Kunz

Die Gruppe der Gentle Knights um den 15-jährigen Ishak hat ihre zweite Partie mit 0:6 verloren. Das gegnerische Team hat einen Touchdown geschafft, ein Spielzug, für den es direkt sechs Punkte gibt. „Es war knapp. Hätten wir noch Spielzeit gehabt, hätten wir was gerissen“, ist er überzeugt. Davon lässt sich der Schüler aber nicht die Laune verderben: „Es hat Spaß gemacht. Wir sind ja auch für den Spaß da, und nicht, um irgendwem etwas zu beweisen.“ Ihm sei besonders wichtig, dass an diesem Tag jeder mit jedem zurechtkomme.

Neben Leingarten, Nordheim und Lauffen sind beim School Bowl auch die Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule aus Brackenheim und die Verbundschule aus Bad Rappenau vertreten. Stefan Rühl, Quereinsteiger aus der Bankenbranche, hat die Vision, ein mehrtägiges Event daraus zu machen, zu dem auch andere Schulen eingeladen werden können. Ihm gehe es darum, etwas zu kreieren, das Selbstvertrauen und Kreationsfreiheit bei der nächsten Generation fördert. Mit seinen Gentle Knights möchte er außerdem nach Stuttgart in ein Trainingslager fahren. 

Am späten Vormittag klart der Himmel etwas auf, der School Bowl kann bis zum Finale durchgezogen werden. Am Ende gehen die Nordheimer als Sieger nach Hause. Leingarten und Brackenheim belegen den zweiten und dritten Platz. 

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