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Haushalt vorgestellt

Weinsberger Etat: Finanziell wird es zappenduster

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Die finanzielle Entwicklung der Stadt Weinsberg 2026 und in den Folgejahren verheißt nichts Gutes. Zunächst ist deshalb geplant, die Grundsteuer B zu erhöhen. Weitere Einschnitte sind ab 2027 zu befürchten. 

Im Weinsberger Rathaus regiert der Rotstift. Die Bürger müssen sich auf Einschnitte einstellen, denn die Finanzplanung verheißt nichts Gutes.
Im Weinsberger Rathaus regiert der Rotstift. Die Bürger müssen sich auf Einschnitte einstellen, denn die Finanzplanung verheißt nichts Gutes.  Foto: Archiv/Krezer

2026 kommt Weinsberg finanziell noch mit einem dunkelblauen Auge davon. Doch in den Folgejahren sieht es zappenduster aus. Schon in diesem Jahr soll die Grundsteuer B erhöht werden. Ab 2027 müssen sich die Einwohner wohl auf weitere Einschnitte gefasst machen. Dieses düstere Bild zeichnete jetzt Finanzfachmann Gert Egner, als er den Haushalt vorstellte. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie ist die Lage aktuell?

Schwierig. Wenn es kommt, wie von Gert Egner, dem stellvertretenden Kämmerer der Stadt, befürchtet, muss Weinsberg in diesem Jahr ein strukturelles Defizit von fast 5,7 Millionen Euro verkraften. Heißt: Die Stadt nimmt 5,7 Millionen Euro weniger ein, als sie für ihr laufendes Geschäft ausgibt. 2026 ist dieses Minus gerade noch verschmerzbar, weil zu Jahresbeginn 15,3 Millionen Euro in der Rücklage sind. Zum Jahresende ist diese Substanz jedoch nahezu aufgezehrt: Nur noch 1,4 Millionen Euro werden voraussichtlich übrig sein. Immerhin ist für 2026 überhaupt etwas da: „Noch gehören wir zu den zehn Prozent der Kommunen, die ihre Rücklagen nicht vollständig aufgebraucht haben“, sagte Bürgermeisterin Birgit Hannemann. Jedoch: Hohe Defizite gibt es auch in den Folgejahren – aber eben kein Polster mehr.

Droht weiteres Ungemach?

Ja. Noch ist die Stadt schuldenfrei, und sie wird es 2026 bleiben. Aber dann kommt es – Stand jetzt – knüppeldick: 2027 kalkuliert Egner mit einer Kreditaufnahme von elf Millionen Euro, 2028 mit einer weiteren Verschuldung von acht Millionen und 2029 mit nochmal sieben Millionen. Macht zusammen über 26 Millionen Euro. „Das genehmigt uns kein Landratsamt.“ Haushaltstechnisch erlaubt seien 13,4 Millionen Euro.

Weinsberger Etat 2026: Das bedeutet die Erhöhung der Grundsteuer B

Was bedeutet all das für die Weinsberger?

Nichts Gutes. Wenn es nach der Verwaltung geht, wird die Grundsteuer B (bebaute Grundstücke) in diesem Jahr ordentlich angehoben: von 214 auf 257 Prozentpunkte. Gegenüber 2025 bedeutet das eine zusätzliche Belastung von knapp 20 Prozent für jeden Eigentümer, prognostiziert Egner auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Stadt erhofft sich dadurch Mehreinnahmen von rund 400.000 Euro. Der Gemeinderat hat über die Erhöhung allerdings noch nicht abgestimmt.

Was kommt ab 2027 auf die Einwohner zu?

Darüber müssen Verwaltung und Gemeinderat befinden. Vize-Kämmerer Egner machte deutlich: Ein „Weiter so“ kann es nicht geben. Weinsberg stehe mit dem Rücken zur Wand. Noch müsse die Stadt keine öffentlichen Einrichtungen schließen. „Für die Zukunft will ich das nicht ausschließen.“ In Frage kämen Freibad, Bücherei oder Städtische Musikschule – alles keine Pflichtangebote. Vermutlich werden zumindest viele Gebühren auf den Prüfstand gestellt: Freibadeinritte, Musikschulgebühren oder Gebühren für die Kinderbetreuung zum Beispiel. Auf Stimme-Nachfrage listet Egner auf, worüber man noch nachdenken könnte: über Hallenbenutzungsgebühren für Vereine oder über kostenpflichtiges Parken. Auch weitere Steuererhöhungen sind laut Egner eine Maßnahme. Der Herr der Zahlen stellt zudem den geplanten Hallenneubau beim Bildungszentrum infrage. „Es ist keine Kohle da. Aber Sie entscheiden“, sagte er Richtung Stadträte.

Etat Weinsberg 2026: Auch im Rathaus wird gespart

Wird auch im Rathaus gespart?

Ja. Bei der ersten Zahlenaufstellung war das Defizit mit rund acht Millionen Euro noch viel größer als jetzt. Daraufhin wurden interne Sparrunden gedreht. Das ist einer der Gründe, warum der Haushalt so spät eingebracht wurde. Gekürzt wurde zum Beispiel im Kulturamt und bei der Unterhaltung der Infrastruktur – Dinge, die sich indirekt wieder auf die Weinsberger auswirken.

Was sind die Ursachen für die finanziellen Probleme?

Es gibt mehrere Gründe. Ein wesentlicher: „Immer mehr Aufgaben werden den Kommunen vom Land und vom Bund übertragen“, kritisierte Bürgermeisterin Hannemann. „Die Finanzierung hinkt aber nicht selten hinterher.“ Ein weiterer ist, dass Städte und Gemeinden seit ein paar Jahren Abschreibungen erwirtschaften müssen – eine zusätzliche finanzielle Belastung. Und dann steigen die Personalkosten, vor allem im Bereich Kinderbetreuung. Gert Egner hat ausgerechnet: Zwischen 2024 und 2029 klettern die Personalausgaben um 35 Prozent nach oben.

Gibt es weitere Gründe?

Ja, die gesamtwirtschaftliche Lage. In Weinsberg macht sich außerdem laut Hannemann ein Sanierungsstau bemerkbar. Dazu hat die Stadt Riesenprojekte zu schultern, aktuell den Neubau einer Kita, bald die Erweiterung der Grundschule sowie den Bau einer weiteren Sporthalle. Die letzten beiden Projekte summieren sich auf über 20 Millionen Euro. Immerhin fließen Zuschüsse. Nicht zuletzt gilt es, die umfangreiche Infrastruktur zu unterhalten.

Weiteres Vorgehen

In der Mai-Sitzung soll der Etat 2026 verabschiedet werden. Dann geht es vermutlich ans Konsolidieren.

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