Was zu tun ist, wenn in Bad Friedrichshall ein Zug mit einem Auto kollidiert
Die Gefahr eines Zugunglücks in Bad Friedrichshall ist erhöht. Jetzt haben Feuerwehr und weitere Rettungseinheiten geübt, was bei einem Unfall mit vielen Verletzten zu tun ist.
Das Unglücksszenario ist unübersichtlich: Ein Zug hat im Hauptbahnhof ein Auto gerammt und auf einen stehenden Güterwagen geschoben. In dem Fahrzeug sind zwei Menschen eingeklemmt, der Zugführer ist ohnmächtig, im Zug gibt es Verletzte. Auf dem Güterwagen liegt ein weiterer Mensch, der zu nah an die Oberleitung gekommen und schwer verbrannt ist.
Zu dieser Übung wurden am Samstagvormittag (25. April) die Feuerwehr Bad Friedrichshall, das Deutsche Rote Kreuz, die leitenden Notärzte des Landkreises Heilbronn und die Notfallmanager der Deutschen Bahn gerufen. „Das sieht doch gut aus“, sagt DB-Notfallmanager Wolfgang Gütter mittendrin.
Warum wurde das Szenario „Zugunglück“ ausgewählt?
Die Gefahr eines Bahnunfalls ist in Bad Friedrichshall erhöht. Das hat mehrere Gründe: Der Hauptbahnhof ist Knotenpunkt im Landkreis Heilbronn. Hier zweigen die Elsenz- und die Neckartalbahn von der Frankenbahn ab. Er dient aber nicht nur für den Personentransport, sondern wird von der Deutschen Bahn auch als Rangierbahnhof genutzt.
Dazu kommt die Bahninfrastruktur: Durch Bad Friedrichshall verlaufen 7,5 Kilometer der Bahnstrecke Stuttgart-Würzburg, es gibt die S-Bahn-Haltestellen Kochendorf, Untergriesheim und in Kürze Bad Friedrichshall-Süd sowie in Untergriesheim und Heuchlingen beschrankte Bahnübergänge.
Gab es hier schon einmal ein Zugunglück?
„Die Übungsszenarien gab es alle schon als Realeinsätze im Gebiet des Bahnhofs Bad Friedrichshall“, sagt DB-Notfallmanager Wolfgang Gütter. Vor Jahrzehnten ist am Bahnübergang in Untergriesheim ein Zug mit einem Auto kollidiert. Im Jahr 2022 stiegen zwei junge Männer auf eine Bahn, einer kam mit der Oberleitung in Berührung und starb.

Ist die Feuerwehr technisch auf einen Bahnunfall vorbereitet?
Ja, in Bad Friedrichshall ist einer von zwei Bahnrettungssätzen des Stadt- und Landkreises Heilbronn stationiert. Der zweite steht bei der Berufsfeuerwehr Heilbronn. Bahnrettungssätze bestehen in der Regel aus Rollwagen, Schleifkorbtragen und einer Rettungsplattform für Arbeiten auf Höhe der Waggons.
Werden Szenarien wie diese regelmäßig geübt?
Die Feuerwehr übt regelmäßig in kleinerem Umfang mit den erforderlichen Gerätschaften, um für den Ernstfall vorbereitet zu sein, erklärt Kommandant Marcel Vogt. Eine große Übung wie am Samstag mit Rettungskräften und den DB-Notfallmanagern gab es jedoch lange nicht. Ziel ist daher vor allem zu erkennen, wie die Zusammenarbeit für den Ernstfall besser koordiniert werden kann.
Wie lange dauert die Vorbereitung auf ein solches Übungsszenario?
Die Vorplanungen liefen bereits Ende 2025 an. Feuerwehrkommandant Marcel Vogt und Christoph Frühauf, der Zugführer und Ausbilder ist, haben rund 20 Stunden in die Organisation gesteckt. Die Übung musste mit der Deutschen Bahn abgestimmt werden. Marcel Vogt: „Die Gleisanlagen können ja nicht einfach mal so kurz gesperrt werden.“ Dazu kamen weitere Aufgaben: Beschaffung eines Unfallfahrzeuges, Nachstellung eines Unfalls zwischen Bahn und Auto sowie Organisation von Statisten.
Was ist das Fazit der Übung?
Die Verantwortlichen sind am Ende zufrieden. Das erste Fahrzeug der Feuerwehr war nach nur acht Minuten vor Ort. Kommandant Marcel Vogt: „Die Herausforderung war die große Zahl an Verletzten. Da sind wir als Feuerwehr vielleicht etwas überfordert, bis der Rettungsdienst eintrifft.“ Dazu kommt, dass die Wehr darauf angewiesen ist, dass die Bahn die Strecke sperrt und die Oberleitung erdet. Das benötigt Zeit. „Die Zusammenarbeit ist sehr gut gelaufen“, sagt DB-Notfallmanager Wolfgang Gütter.
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