Falschparkern und Müllsündern auf der Spur
Andreas Nold verteilt im Vollzugsdienst Knöllchen und ist auch für wilden Müll zuständig. Bei Konflikten versucht der 61-Jährige immer erst mal ruhig zu bleiben.

Ein Dienstfahrzeug hat Andreas Nold noch nicht, aber eigentlich muss der 61-Jährige nicht weit gehen, um Falschparkern und Müllsündern auf der Spur zu sein. Schon der Blick aus seinem Büro im Rathaus Möckmühl reicht: Auf dem Vorplatz zwischen Rathaus und Kirche parken immer wieder Autos. „Da könnt’ ich jetzt schon wieder einige Strafzettel verteilen.“
„Bloß mal g’schwind“, kostet hier 55 Euro, erklärt Ralf Bucur, Leiter des Ordnungsamtes in Möckmühl. Weil in der Altstadt oft wild und verkehrsbehindernd geparkt wird, hat man sich für einen eigenen Vollzugsdienst entschieden. Andreas Nold ist zu 70 Prozent in Möckmühl und zu 30 Prozent in Widdern beschäftigt.
„Bloß mal g’schwind“ parken kann teuer werden
Seit 1. März dreht der neue „Stadt-Sheriff“ seine Runden. Selbst an einem ruhigen Nachmittag gibt es für Nold einiges zu entdecken. „Geld holen oder die Kinder rauslassen ist kein Be- und Entladen“, erklärt der städtische Aufpasser geduldig, wenn mal wieder jemand mit Warnblinker direkt vor dem Parkverbotsschild steht. Geht es darum, eine gehbehinderte ältere Person kurz zum Arzt zu begleiten, drückt er auch mal ein Auge zu.
Fehlt die Einsicht, ist Nold aber unerbittlich und klemmt einen Strafzettel unter den Scheibenwischer. Die Tarife sind unterschiedlich: Eine vergessene Parkscheibe kostet 20 Euro. „Das ist noch vergleichsweise günstig.“ Mit über 100 Euro richtig teuer kann es werden, wenn man sein Auto so abstellt, dass andere nicht vorbei kommen oder sogar Einsatzfahrzeuge behindert werden. „Das haben wir oft vor der Bank, dass jemand nur kurz Geld holen will und mitten auf der Straße parkt.“
Wenn Gespräche nicht helfen, gibt es eine Verwarnung
Im Gemeindevollzugsdienst hat Nold polizeiliche Aufgaben: Er überwacht den ruhenden Verkehr. Wenn aber jemand in eine gesperrte Straße einfahren will, kann er darauf aufmerksam machen. „Der Hinweis, dass etwas nicht erlaubt ist, reicht oft schon aus.“
Ganz wichtig ist Nold die „Erkennbarkeit“: „Wenn die Leute wissen, wer ich bin und warum ich das tue, hilft das sehr.“ Auf Konflikte, die er schon in Widdern erlebt hat, ist der frühere EDV-Fachmann und Projektleiter nämlich nicht erpicht: „Die eigene Gesundheit ist mir wichtiger. Man muss aufpassen, dass einem nichts passiert.“
Ganz wichtig: Ruhig bleiben und Konflikte vermeiden
Auch wenn es Streit gibt, versucht der 61-Jährige ruhig zu bleiben. „Das bringt ja nichts, da gehe ich dann lieber.“ Das empfiehlt das Ordnungsamt auch bei privaten Auseinandersetzungen. „Man kann ein Foto machen und das ans Rathaus schicken“, sagt Ralf Bucur.
Der Vollzugsdienst ist nämlich nicht nur für Falschparker zuständig: Auch wilder Müll oder baurechtliche Verstöße begegnen Andreas Nold bei seinem Rundgängen. Das wird dokumentiert und an die zuständigen Stellen weiter geleitet.
Parken in Möckmühl: Stadt hat Verbesserungen in Arbeit
Aber die Stadtverwaltung will nicht nur das Falschparkern verhindern, es soll durchaus auch etwas für die Autofahrer getan werden, verspricht Tanja Ehmann von der Stabstelle des Bürgermeisters. Um den Suchverkehr aus der Altstadt heraus zu halten oder zumindest zu verkürzen, gibt es jetzt den Parkplatz am Württemberger Hof. Von dort aus sind fußläufig fast alle Ziele in der Altstadt erreichbar.
Die Parkzeit an der Kirche und anderen Stellplätzen innerhalb der Stadtmauern soll von 30 Minuten auf eine Stunde verlängert werden. Im beliebten Parkhaus Untere Gasse wird die bisher unbegrenzte Parkzeit im oberen Deck auf drei Stunden eingeschränkt. „Wir wollen damit mehr Fluktuation erreichen.“ Oft gehe es um die Bequemlichkeit, man wolle halt möglichst direkt vors Geschäft fahren.
In einem Parkraumkonzept werte man derzeit aus, wie viele Parkplätze es gibt und wie viele man brauche. Klar ist, meint Bucur: „Wer nicht gut zu Fuß ist, soll einen Parkplatz finden. Alle anderen können auch ein Stück laufen.“
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