Fake-Accounts auf Social Media: Wenn Bürgermeister plötzlich Doppelgänger haben
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Immer mehr Bürgermeister in Baden-Württemberg kämpfen mit gefälschten Social-Media-Profilen. Die Fake-Accounts dienen oft betrügerischen Zwecken. Innenminister Strobl sieht darin eine Gefahr – auch mit Blick auf die Landtagswahl.
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Immer mehr Bürgermeister werden in den Sozialen Medien zu Opfern. So nimmt auf Instagram, Facebook, X und anderen sozialen Plattformen im Internet die Zahl der Fake-Profile von politischen Amtsträgern zu. Der Diebstahl der virtuellen Identität ist bundesweit zum Problem geworden – und betrifft aktuell auch Regionen in Baden-Württemberg. Bürgermeister und Bürgermeisterinnen sind der Gefahr ausgesetzt, einen erheblichen Image-Schaden zu erleiden – aber es drohen auch finanzielle Betrügereien.
Fake-Accounts auf Social Media: Ilsfelds Bürgermeister Bernd Bordon zählt zu den Opfern
Vor drei Wochen hat der Rathauschef von Ilsfeld einen Doppelgänger-Account von sich im Internet entdecken müssen. Bernd Bordon, Bürgermeister der knapp 10.000-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Heilbronn, ist augenscheinlich gerne auf Social Media unterwegs. Auf Instagram unterhält Bordon einen öffentlichen Kanal. Dieser zählt stattliche 3365 Follower und ist mit gut 1200 Beiträgen angefüllt. Bordon postet vor allem Fotos, die ihn beim Ausüben seines Bürgermeisteramtes zeigen.
Darunter sind Termine bei Vereinen, auf Festen oder bei der Feuerwehr; aber auch schonungslose Fotos von Missständen in der Gemeinde, wie überquellende Mülltonnen, teilt der Rathauschef in seinem Instagram-Auftritt. Dabei lässt er auch Kommentare zu und tauscht sich mit den Bürgern aus.
Das Original: Der Instagram-Account von Bernd Bordon, Bürgermeister von Ilsfeld. Zuletzt war er aber mit einem gefälschten Auftritt seiner Person konfrontiert.
Foto: screenshot
Ärgerlich wurde das Bürgermeister-Dasein in den Sozialen Medien allerdings, als Bordon einen gefälschten Auftritt von sich entdeckte. „Es war der traditionelle Fake-Account mit Finanz-Tipps“, berichtet der Bürgermeister, der in diesem Fall mit seiner Reputation für zwielichtige Finanzanlagen herhalten musste.
Betrugskonzepte hinter dem Identitätsklau
Es ist eines der Betrugskonzepte, die hinter dem Identitätsklau stecken. Die Täter kopieren sich Fotos und Beiträge aus echten Social-Media-Profilen, legen von diesen dann gefälschte Versionen an, die sich etwa lediglich durch leicht zu übersehende Buchstabendreher im Namen unterscheiden. Ziel ist es letztlich, mit den Fake-Accounts Schindluder zu treiben.
Die Motive seien unterschiedlich und reichen von Desinformationen über bewusste Falschmeldungen bis hin zu Finanzbetrug, wo Follower der vermeintlichen Bürgermeister etwa zu Spendenzahlungen bewogen werden.
Betrugsgefahr: In den sozialen Medien finden sich zunehmend gefälschte Accounts von Bürgermeistern und Politikern der Region. Das Innenministerium von Baden-Württemberg verfolgt die kritische Entwicklung - auch mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl.
Foto: terovesalainen
Viele Führungsspitzen von Kommunen in Baden-Württemberg nutzen Plattformen wie Instagram, Facebook oder Kanäle wie Whatsapp. Manche machen tagtäglich davon Gebrauch. Sie geben Einblick in ihre Arbeit, werben für politische Vorhaben und wollen sich vor allem nahbar präsentieren. Daten, Fotos und Mail-Adressen von Bürgermeistern sind vielfach öffentlich zugänglich, abgreifbar und so leicht zu missbrauchen.
Viele Rathausspitzen mit gefälschten Accounts konfrontiert
Die Liste der Kommunen, deren Rathausspitzen jüngst mit der Betrugsmasche konfrontiert wurden, ist lang und wächst zusehends: In den Gemeinden Alfdorf, Welzheim, Weissach im Tal oder Kaisersbach im Raum Stuttgart sind etwa die Social-Media-Profile von örtlichen Amtsträgern kopiert, abgeändert und unter leicht verwechselbaren Accounts veröffentlicht worden. Aber auch im Landkreis Heilbronn gibt es neben Bürgermeister Bordon weitere Fälle. Diana Danner, Rathauschefin der Gemeinde Zaberfeld, und Markus Kleemann, Oberbürgermeister von Sindelfingen und zuvor Amtsträger in Oberstenfeld, sind Betroffene des Identitätsklaus im Internet.
Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl warnt denn auch: „Fake Accounts können das Vertrauen in unseren Rechtsstaat erschüttern und sind eine Gefahr für unsere Demokratie.“ Die Sicherheitsbehörde hätten das Thema „scharf im Blick“, so Strobl. Das Innenministerium habe zusammen mit dem Landesamt für Verfassungsschutz eine Taskforce eingerichtet. Ziel sei es, Desinformation zu bekämpfen, zu sensibilisieren, aufzuklären und frühestmöglich zu erkennen.
Oberstenfelder Bürgermeister: Social Media für Wahlkampfzwecke unverzichtbar?
Kai Kraining, der jüngst in Oberstenfeld zum Bürgermeister gewählt wurde, hat Konsequenzen gezogen, um nicht wie sein Amtsvorgänger Kleemann ebenso Opfer zu werden. Zu Wahlkampfzwecken sei er zwar auch auf Social-Media-Kanälen mit jeweils eigenen Accounts aktiv gewesen, aber jetzt habe er dort die Kommunikation heruntergefahren. Er wolle den virtuellen Auftritt nicht komplett meiden, sondern bevorzugt den offiziellen Account der Gemeinde nutzen – in der Hoffnung, dass dieser schwieriger zu fälschen sei.
Wie erkenne ich Fake-Accounts?
Sie sind auf den ersten Blick schwer erkennbar - aber Schreibfehler im Profilnamen, doppelte Buchstaben oder ungewöhnliche Zeichenkombinationen sind Warnhinweise auf mögliche gefälschte Accounts. Unvollständige Angaben zu Wohnorten oder Berufen sollten einen ebenso misstrauisch machen. Gleiches gilt für auffällig geringe Followerzahlen. Ein brauchbares Sicherheitsmerkmal hingegen sind Verifikationen. Bei Linkedin etwa muss man dazu seine Identität mit der e-ID des Ausweises nachweisen, um als verifizierter Account markiert zu werden.
Besorgt über die Entwicklung zeigen sich aber viele Amtsträger. Andreas Vierling etwa, der in Untergruppenbach im Bürgermeistersessel sitzt, fürchtet, „dass man sich kaum gegen solche Angriffe schützen kann“. Er hofft, nicht selbst im Internet zur Zielscheibe zu werden. Auch fragt er nach den Motiven – sind es international oder national agierende Täter, die eiskalt ihre Betrugsmasche abziehen, oder sind es Einzeltäter aus der Region, die einem Schlechtes wollen.
Fake-Accounts: Die Polizei rät zu Strafanzeigen
Im Fall von Ilsfelds Bürgermeister Bernd Bordon ist es offenbar glimpflich ausgegangen. Nach seinen Angaben ist ihm selbst kein Schaden entstanden. Er habe lediglich den gefälschten Account bei der Plattform Instagram gemeldet. Meta, der Betreiber von Instagram, Facebook und Whatsapp, bietet auf seinen Plattformen die Möglichkeit, auf Fälle von Fake-Accounts hinzuweisen. Auf eine Strafanzeige hat Bordon jedoch verzichtet. Die Polizei rät indes dazu. Immerhin sind die betrügerischen Absichten der Täter strafrechtlich relevant. Zumal ihnen durch Ermittlungsarbeit auch erst das Handwerk gelegt werden kann.
Auch Innenminister Strobl ermuntert die betroffenen Bürgermeister, sich in entsprechenden Fällen, an die Ansprechstelle für Amts- und Mandatsträger (ZAMAT) zu wenden. Die schon 2019 gegründete Einheit biete Ersteinschätzung und Beratung durch erfahrene Kriminalbeamte. Letztlich dürften sich Fake Accounts „nicht wie Unkraut im Netz ausbreiten“, so der Innenminister.
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