EhapEben berät Neu-Zugewanderte aus EU-Staaten. Ziel der Beratungsstelle im Bildungspark der Aufbaugilde ist die Verbesserung des Zugangs von besonders benachteiligten EU-Zugewanderten und ihren Kindern zu Unterstützungsleistungen des regulären Hilfesystems, heißt es auf der Homepage des Bildungsparks. Die Mitarbeiter sehen sich als Lotsen, vermitteln und begleiten unter anderem zu Terminen mit Migrationsberatungsstelle, Krankenkasse, Sozial-oder Bürgeramt. Finanziert wird das Projekt vom Europäischen Sozialfonds, mit Beteiligung von Stadt- und Landkreis Heilbronn. Das Projekt läuft derzeit bis Juni 2028.
EU-Immigranten in Heilbronn: Jeder Schritt in die Selbstständigkeit ist ein Erfolg
Der Weg, bis auch Menschen aus dem EU-Ausland finanziell auf eigenen Beinen stehen, ist oft steinig. Gamze Cakmak, Projektleiterin beim Bildungspark, erzählt, warum.

In Europa herrscht Arbeitnehmerfreizügigkeit. Wer aus Spanien oder Rumänien kommt, kann augenscheinlich ohne große Hürden in Deutschland leben und arbeiten. Dass die Hürden aber dennoch mitunter sehr hoch sein können, das erlebt Gamze Cakmak aus dem Fachbereich Jugendberufshilfe des Bildungsparks der Aufbaugilde jeden Tag.
Im Rahmen des Programms EhapEben, das seit 2023 läuft, hilft die Leiterin des Projekts dabei, EU-Bürger zu integrieren, gemeinsam mit drei Kollegen. Ehap steht für Europäischen Hilfsfonds für am stärksten benachteiligte Personen. Ehab für eingehende Beratung von EU-Neu-Zugewanderten. Stadt- und Landkreis Heilbronn bezuschussen das Programm. Hauptgeldgeber ist der Europäische Hilfsfonds. Insgesamt gibt es im Förderzeitraum von 2023 bis September 2026 rund 887.000 Euro.
Der Großteil der Hilfesuchenden stammt aus Bulgarien
Weil sie auf der Suche nach einer Wohnung, einem Kitaplatz oder einer Arbeitsstelle scheitern, weil sie Unterstützung bei der Anmeldung zur Krankenkasse oder bei der Schule benötigen, kommen die Menschen zu ihr. 1789 EU-Bürger waren es bislang insgesamt. Mit 1019 Menschen stammt der Großteil aus Bulgarien, gefolgt von Rumänen (691). Deutlich weniger Menschen stammen aus Ländern wie Italien (28), Polen (7), Kroatien (3) oder anderen (41). Rund ein Drittel sind Kinder.
Ein großes Hemmnis ist die Sprache. Dass Zugewanderte in Deutschkurse vermittelt werden, hat große Bedeutung. Nicht immer schlägt das an. „Wir haben einige, bei denen die Unterrichtseinheiten von Bamf (Bundesamt für Migration) und Agentur für Arbeit verbraucht sind, und wo es leider nicht gefruchtet hat.“
Alphabetisierungskurse führen nicht immer zum Erfolg
Auch andere Härtefälle sind darunter. „Zu uns kommen auch Menschen aus Bulgarien, die nicht die Schule besucht haben, nicht lesen und schreiben können“, sagt Gamze Cakmak. Menschen, die langfristig Unterstützung brauchen, bei denen auch Alphabetisierungskurse von Bildungsträgern wie USS oder Bildungspark an Grenzen stoßen. Bei der derzeitigen Wirtschaftslage sei es noch schwieriger, als Ungelernter einen Job zu ergattern. Manch einer findet trotzdem eine geringfügige Beschäftigung, etwa in der Verpackungsindustrie, wo die Sprache eine Nebenrolle spielt. Doch auch unter diesen gebe es viele Menschen, deren Arbeit nicht zum Leben reiche.
„Wir haben viele Teilnehmer, die Sozialleistungen beziehen, etwa als Aufstocker, oder nachdem sie drei Monate gearbeitet haben,“ sagt Cakmak. „Es ist schade, wenn sie sich nur durch Sozialleistungen das Leben sichern. Wie lange soll das gehen?“, fragt die 33-Jährige. Derzeit sind 236 Familien im Bürgergeldbezug, 134 im Minijob. 523 Personen arbeiten Vollzeit. Ob man mit der Arbeit über die Runden kommt, ist damit aber nicht gesagt.
Eine Familie mit vier Kindern aus der Nähe von Barcelona ist für Cakmak ein Positiv-Beispiel. „Ich bin sehr stolz auf sie. So erfolgreich integrieren sich wenige. Viele kommen nur wegen der Leistungen, wegen der Sozialhilfe.“ Viele wollten die Sprache nicht lernen. „Das verstehen wir auch nicht.“
Die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter ist eng
Die spanische Familie aus Barcelona immigriert 2023 nach Deutschland. Trotz fehlender Sprachkenntnisse findet die Mutter einen Vollzeitjob als Reinigungskraft. Der Vater arbeitet nicht. Die Tochter besuchte einen Integrationskurs im Bildungspark, die jüngeren Geschwister Vorbereitungsklassen. Weil ein Gehalt nicht zum Leben reicht, stockt die Familie auf. Es gibt Kindergeld und Wohngeld. „Ich bin jemand, der gerne lernt, ich wollte etwas erreichen“, sagt die 20-Jährige Tochter im Gespräch. Inzwischen studiert sie an der Hochschule Heilbronn technical management, ihr Bruder international business engineering. Beide erhalten Bafög.
„Unser Ziel“, sagt Cakmak, „ist, dass Familien nicht mehr im Leistungsbezug sind.“ Eng arbeite man mit dem Jobcenter zusammen. Doch abgesehen vom großen Ziel zählt sie auch kleinere Schritte als Erfolge. „Wenn wir Teilnehmer vermitteln. In Beratungen. In Sprach-und Integrationskurse, wenn wir Schul- und Kitaplätze finden. Wenn die Menschen ihre Probleme selbst lösen können und uns nicht mehr brauchen. Jede Integration ist für uns ein Erfolg.“

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