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Ende der schuldenfreien Zeit

Etat 2026 in Lehrensteinsfeld: Wenig Luft, kaum Spielraum

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Viel Luft ist nicht im Haushalt 2026 von Lehrensteinsfeld. Hier die wichtigsten Fakten zu den Zahlen und was sie für die Bürger bedeuten.  

Die Gemeinde Lehrensteinsfeld war finanziell noch nie auf Rosen gebettet, aber jetzt ist sie es erst recht nicht. Große Sprünge kann die Kommune nicht machen.
Die Gemeinde Lehrensteinsfeld war finanziell noch nie auf Rosen gebettet, aber jetzt ist sie es erst recht nicht. Große Sprünge kann die Kommune nicht machen.  Foto: Mario Berger

Die Gemeinde muss voraussichtlich nach vielen schuldenfreien Jahren einen Kredit aufnehmen. Wurde schlecht gewirtschaftet?

Nein. Es liegt an der wirtschaftlichen Gesamtsituation. Und an den vielen Aufgaben, die Kommunen zu erfüllen haben, bei gleichzeitig nicht mehr so üppigen Einnahmen wie früher. „Es ist die Frage, ob die große Politik uns helfen kann“, sagte Bürgermeister Benjamin Krummhauer bei der Etat-Sitzung. „Die Kommunen senden schon seit drei, vier Jahren Hilferufe.“

1,7 Millionen Euro an Darlehen sind geplant. Wie wirkt sich das auf die Lehrensteinsfelder aus?

Konkret gar nicht. Der Kredit wird ja nicht anteilig auf jeden Einwohner umgelegt. Aber die Belastung kann anderweitige Folgen haben: Verwaltung und Gemeinderat werden vermutlich noch genauer hinschauen, was sie für die Allgemeinheit finanzieren können und was warten muss oder gestrichen wird. Es ist jedoch noch nicht hundertprozentig sicher, ob das Darlehen tatsächlich in dieser Höhe benötigt wird. Das hängt von der Entwicklung im Lauf des Jahres ab. Andererseits wird die Gemeinde auch in den Folgejahren kaum ohne Kredite auskommen. Fast vier Millionen sind einschließlich 2028 eingeplant – eigentlich zu viel für den kleinen Ort. Das Landratsamt könnte sich weigern, diese Etats zu genehmigen.

Lehrensteinsfeld könnte ein paar Jahre auf Investitionen verzichten, statt Schulden zu machen.

Das wäre ein Möglichkeit, aber keine gute, sind sich Bürgermeister und Gemeinderat einig. Investiert wird vor allem in den Untergrund, in Wasserleitungen und Kanäle sowie in den Straßenbau. Würde das nicht gemacht, wären die Probleme geschoben, aber nicht behoben – und wer weiß, was es künftig kostet, die Infrastruktur zu sanieren. „Es ist eine verdammt blöde Situation“, sagte Bürgermeister Krummhauer – und empfahl den Mittelweg: Investieren, wo notwendig, Verschuldung möglichst begrenzen.

In was wird 2026 investiert? Wo und wie profitieren die Lehrensteinsfelder davon?

Kämmerin Lilly Wöhrle erklärte die wichtigen Vorhaben: Für die Sanierung eines weiteren Teils der Ellhofener Straße, also der Ortsdurchfahrt, sind 1,1 Millionen Euro vorgesehen. Der Anteil der Gemeinde am geplanten Kreisverkehr an der Querspange/Autobahnzubringer, der an dieser gefährlichen Einmündung mehr Sicherheit bringen soll, beträgt voraussichtlich rund eine halbe Million Euro. 400.000 Euro fließen ins Sanierungsgebiet „Ortskern II, eine knappe Million Euro wird für Kanalbau ausgegeben.

Lehrensteinsfeld macht nicht nur Schulden, sondern schließt 2026 voraussichtlich auch mit einem Defizit im ordentlichen Ergebnis ab. Was heißt das?

Lehrensteinsfeld ist damit leider in bester Gesellschaft. Bei vielen Kommunen steht am Ende an dieser Stelle ein Minus. Es bedeutet, dass die Gemeinden von ihrer Substanz zehren. In Lehrensteinsfeld müssen dem Sparstrumpf knapp 600.000 Euro entnommen werden, um das Minus auszugleichen.

Was kann die Gemeinde tun, um die Situation zu verbessern?

Wenig, denn sie ist auf Zuweisungen von Bund und Land und Steueranteile angewiesen. Bürgermeister Krummhauer hat das Dilemma so verdeutlicht: „Wir Kommunen bekommen ein Siebtel der Steuereinnahmen, sind aber für ein Viertel der Aufgaben zuständig.“ Die einzigen Steuern, deren Höhe der Gemeinderat eigenmächtig festlegen kann, sind Hundesteuer, Grundsteuer und Gewerbesteuer.

Diese Steuerarten könnten erhöht werden, damit die Gemeinde zu Geld kommt.

Könnten sie, aber Bürgermeister Krummhauer hat signalisiert, dass das nicht vorgesehen ist. Kurz wurde über die Einführung einer neuen Steuer, der Grundsteuer C für erschlossene, aber nicht bebaute Grundstücke, gesprochen. Einige wenige Orte erheben sie. Die Idee wurde für Lehrensteinsfeld schnell wieder verworfen.

In Lehrensteinsfeld wird nicht lange gefackelt, wenn der Etat auf der Tagesordnung steht. Einbringung durch den Bürgermeister, Erläuterungen von der Kämmerei, ein paar Anmerkungen von Gemeinderäten und – zack! – der in aller Regel einstimmige Beschluss. Und das alles in ein und derselben Sitzung. In vielen anderen Ortsparlamenten, vor allem den größeren, erstreckt sich das Prozedere über mehrere Sitzungen.

Lehrensteinsfeld hat wie Ellhofen und Eberstadt keine eigene Finanzverwaltung im Rathaus. Diese Aufgabe übernimmt die Kämmerei des Gemeinderverwaltungsverbandes „Raum Weinsberg“ mit Sitz in Weinsberg für die drei Kommunen. 

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