Es wird bald dunkel am Weinsberger Finanzhimmel
Der Etat 2025 der Stadt Weinsberg ist im Gemeinderat eingebracht. Millionenschwere Pflichtaufgaben lassen künftig wenig Spielraum für die Kür.

Es wird finanziell düster in den kommenden Jahren in Weinsberg. Dies ist schon länger kein Geheimnis mehr, und diese Prognose findet sich – übersetzt in Zahlen – auch im Haushaltsplan 2025 wieder, dessen Entwurf Bürgermeisterin Birgit Hannemann jetzt im Gemeinderat eingebracht hat. Für die Kür bleibt künftig nicht mehr viel Spielraum.
Noch ist es nur wechselnd bewölkt am Finanzhimmel der 13 500-Einwohner-Stadt. Noch ist die Kommune – wie seit rund 20 Jahren – im Kämmereihaushalt schuldenfrei. Noch hat sie genügend Geld im Sparstrumpf – voraussichtlich rund 20 Millionen Euro zum Jahresende. Noch ist es „nur“ das Minus im Ergebnishaushalt, das den Etat-Entwurf 2025 trübt: Dieses strukturelle Defizit offenbart, dass die Stadt von ihrer Substanz zehrt.
Finanzielle Entwicklung der Stadt Weinsberg: Das Polster schrumpft
Doch es braut sich was zusammen über Weinsberg: Die zum Zeitpunkt der Etat-Einbringung erkrankte Kämmerin Kristina Nolde hatte im Vorfeld zusammmengezählt: Bis 2028 stehen Investitionen von sage und schreibe 63 Millionen Euro im Raum: für Dinge, deren Sanierung schon lange ansteht und die keinen Aufschub dulden sowie für das Abarbeiten von millionenschweren Pflichtaufgaben: Stichwort Bau der dringend benötigten Kita im Gebiet „Spitzäcker“ oder die Erweiterung des Bildungszentrums, zunächst der Grundschule samt Bau einer weiteren Sporthalle. Das finanzielle Polster schrumpft dadurch, und voraussichtlich kommt die Stadt schon bald um eine hohe Darlehensaufnahme nicht herum. 2027 sind über 18,4 Millionen an Krediten eingeplant, 2028 weitere 14,5 Millionen Euro – also fast 33 Millionen Euro Schulden binnen zwei Jahren.
Für die Bürger wird es Einschnitte geben
Um sich zu wappnen, haben sich Bürgermeisterin und Gemeinderat im vergangenen Herbst hinter verschlossenen Türen beraten. Haushaltskonsolidierung war das Stichwort, und es war klar, dass es manche Einschnitte im Leben der Weinsberger geben wird. Zum Teil sind sie schon wirksam: etwa die Erhöhung der Hundesteuer samt einem hohen Steuersatz für Kampfhunde. Vor der Etateinbringung hatte dieser Steuersatz in der Bürgerfragestunde für einigen Frust gesorgt.
Reduziert werden wohl auch Freiwilligkeitsleistungen der Stadt. Andererseits: Ganz aufgeben will man sie nicht, betonte Birgit Hannemann in ihrer Rede, „machen doch gerade diese auch die DNA unserer Stadt aus“. Aufgaben in diesem Bereich sind zum Beispiel: die Weinsberger Innenstadt beleben, die Aufenthaltsqualität erhöhen und den Tourismus fördern.
Finanzielle Lage der Stadt: Stellenbesetzungen werden geprüft
Größter Ausgabeposten im laufenden Betrieb (Ergebnishaushalt) sind die Personalkosten. Sie schlagen 2025 mit zwölf Millionen Euro zu Buche. 2028 werden es voraussichtlich mehr als 14 Millionen sein: Tarifsteigerungen und zusätzliches Personal wegen weiterer Kita-Plätze machen sich bemerkbar. Zum Vergleich: Vor drei Jahren lagen die Personalausgaben noch bei neun Millionen Euro. Hannemann: „Mit Blick auf unsere Haushaltslage werden Besetzungen geprüft.“ Jüngstes Beispiel: Eine frei gewordene 100-Prozent-Stelle im Kulturamt wurde als 50-Prozent-Stelle ausgeschrieben.
Die größte Einnahmequelle der Stadt ist auch 2025 mit 8,8 Millionen Euro der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer. 4,5 Millionen Euro sind an Gewerbesteuereinnahmen veranschlagt. Das ist zwar etwas mehr als im vergangenen Jahr, aber für eine Stadt von der Größe Weinsbergs nicht gerade üppig.
Wieviel und worin investiert die Kommune 2025? Zum Beispiel 620.000 Euro in den Straßenbau, 1,7 Millionen Euro in den Feuerwehr-Fuhrpark, 320.000 Euro in den Friedhof oder 300.000 Euro in eine Planungsrate für die Erweiterung der Grundschule, die grob mit rund 16 Millionen Euro veranschlagt ist. Es soll aber ein Zuschuss in Höhe von rund fünf Millionen Euro fließen.
Die Gemeinderatsfraktionen halten am 25. Februar ihre Etatreden. In dieser Gemeinderatssitzung soll der Haushalt 2025 dann auch verabschiedet werden.
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