Kameras gegen Müllsünder? Zugemüllte Recycling-Container sind ein Dauerärgernis
Er ist kein schöner Anblick, ein Dauerärgernis, und Kosten verursacht er obendrein: Die Rede ist von wildem Müll, der rund um Recycling-Container abgeladen wird. Kommunen im Weinsberger Tal können ein Lied davon singen. Kann Videoüberwachung das Problem lösen?
Zwei Container-Standorte gibt es in Ellhofen: einen am Parkplatz oberhalb des Rathauses, einen an der Sporthalle. Altpapier, Dosen, Glas und Kleider können entsorgt werden. Viele andere Dinge werden verbotenerweise drumherum abgestellt. Bürgermeister Felix Pontow zählt einige auf: Tüten voller Restmüll, Altreifen, Kisten mit altem Porzellan. „Sogar Altöl und Bitumbahnen hatten wir schon.“
Dinge, deren Entsorgung bei Privatleuten Kosten verursachen – aber eben auch bei der Gemeinde, wenn sie drauf sitzen bleibt. Im Schnitt alle zwei Wochen werde der illegale Müll eingesammelt, sagt der Bürgermeister. Im Jahr, schätzt er, fallen Kontroll- und Entsorgungskosten zwischen 6.000 und 7.000 Euro an.
Videoüberwachung von Container-Plätzen: geschultes Personal notwendig
Leingarten hat es vor Kurzem vorgemacht, und nun wird auch in Ellhofen geprüft, die Container mit einer Videokamera überwachen zu lassen. Denn der Landtag hat im Februar die gesetzlichen Vorgaben zur Videoüberwachung im öffentlichen Raum etwas gelockert, so dass das Anbringen von Kameras auf öffentlichen Flächen nicht mehr mit ganz so hohen Hürden verbunden ist wie bisher.

Bürgermeister Pontow sieht allerdings manche Schwierigkeit in der Umsetzung. „Wenn einer sich vermummt, erkennt man ihn nicht.“ Außerdem sei der Bereich, der überwacht werden darf, klar definiert: nur die Container – also kein abgestelltes Auto in der Nähe, über dessen Kennzeichen man den Halter und Müllsünder ermitteln könnte. Außerdem dürften die Kameras nur von geschultem Personal ausgewertet werden.
Um wilde Müllansammlungen einzudämmen, hat die Gemeinde Ellhofen schon vor längerer Zeit an einem der beiden Container-Plätze eine Video-Attrappe installiert und mit großen Buchstaben auf die Überwachung hingewiesen. Nur im sehr Kleingedruckten wird man über den Fake informiert. Der Erfolg war laut Pontow bescheiden: Es wird trotzdem Müll abgeladen.
Videoüberwachung von Recycling-Containern: In welchem Verhältnis stehen Aufwand und Erfolg?
Die Schweinereien rund um die zahlreichen Container-Plätze in Obersulm seien oft Thema im Gemeinderat, sagt Hauptamtsleiter Jochen Dicht. Messbar ist es zwar nicht, aber gefühlt hätten wilde Müllansammlungen zugenommen. Auch Jochen Dicht ist zwiegespalten, ob Videoüberwachung weiterhilft. Wenn man die Leute nicht kenne oder erkenne, könne man ihre Identität auch nicht ermitteln. Außerdem: Wer schaut sich all die Videos an, um sie auszuwerten? „Man muss abwägen, in welchem Verhältnis der Aufwand zum Erfolg steht.“ Obersulm werde abwarten, welche Erfahrungen Leingarten mittelfristig macht.
Hauptamtsleiter Dicht hat übrigens beobachtet: In Willsbach oder Affaltrach sei das Problem gravierender als in den kleineren Teilorten wie Weiler oder Eichelberg. Dort kennt man sich noch eher, die soziale Kontrolle funktioniert besser.
Videoüberwachung von Container-Standorten: Klagen sollen vermieden werden
Bianca Ehmann, die zuständige Fachbereichsleiterin im Rathaus in Eberstadt, hat sich ebenfalls mit dem Thema Videoüberwachung beschäftigt. Regelmäßig zugemüllte Recycling-Container sorgen auch in Eberstadt für Frust. Das überarbeitete Videoüberwachungsgesetz im Hinterkopf, hat sich Bianca Ehmann an den Datenschutzbeauftragten der Gemeinde und den des Landes gewandt. Noch wartet sie auf die Beantwortung ihrer Fragen, zum Beispiel dieser: Muss etwas verpixelt werden, und wenn ja, was? Welcher Bereich darf konkret gefilmt werden, und was ist außen vor? Ehmann will vermeiden, dass die Gemeinde am Ende statt eines gelösten Müllproblems diverse Klagen am Hals hat.
Zugemüllte Container-Standorte: eine Frage der Hemmschwelle
Auch in Weinsberg sind die Container-Stellplätze immer wieder vermüllt, sagt Ordnungsamtsleiterin Daniela Wenninger. Einer wurde sozusagen aus Pietätsgründen aufgegeben: der beim Friedhof. „Es sah wild aus.“ Daniela Wenninger weist darauf hin, dass der Landkreis Heilbronn einen finanziellen Ausgleich dafür leistet, dass die Kommunen Standorte bereitstellen. „Aber der Betrag steht in keinem Verhältnis zu den Kosten, die die Entsorgung verursacht.“ Eine Videoüberwachung sei in Weinsberg bislang noch kein Thema. Denn trotz der gelockerten Vorgaben sei die Umsetzung nicht so einfach, mutmaßt die Chefin des Ordnungsamtes.
Für Lehrensteinsfeld ist eine Kamera aktuell ebenfalls keine Option, wenngleich auch in der kleinsten Gemeinde im Weinsberger Tal Müll an Containern abgestellt wird – „mal mehr, mal weniger“, sagt Hauptamtsleiterin Diana Szattelberger. Wichtig sei, den Unrat möglichst schnell zu entfernen. Wo noch nichts ist, sei die Hemmschwelle höher, etwas zu deponieren. Sie sinke, je mehr bereits herumsteht.
Eine Beobachtung, die das Lehrensteinsfelder Bauhofteam gemacht hat: Gefühlt seien die Glascontainer seit der Müllumstellung im Landkreis zum 1. Januar 2026 schneller voll als früher. Mögliche Erklärung: Wegen der gelben Tonne muss eigentlich nur noch Glas weggebracht werden – und dafür fährt man nicht mehr extra zum Recyclinghof, sondern hält eher am Container.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare