Eine Legende verlässt das Gelände: Der beliebte Rektor Pit Brugger geht in den Ruhestand
Nach 30 Jahren ist Schluss mit „Steine-Wälzen“: Der umtriebige Pädagoge gibt seinen zahlreichen Fans am Ende noch einige leise Warnungen mit auf dem Weg.

Er war ein guter Ratgeber, aufmerksamer Zuhörer und doch vehementer Verfechter seiner Überzeugungen, sagen die Kollegen, und eines der Kinder der Neubergschule meint schlicht: Pit Brugger war ein „freundlicher Direktor und ein ganz lieber Mensch“.
Bei Verabschiedungen wird selten etwas Schlechtes gesagt, aber die Menge an positiven Rückmeldungen kommentierte Brugger selbst mit einem fröhlichen: „Ach, wie bekömmt mir das!“ Und – ganz Pädagoge – musste das gut gefüllte Rund an Wegbegleitern in der Martin-Luther-Kirche das gleich im Chor wiederholen.
Aufmerksamer Zuhörer und ein „ganz lieber Mensch“
Hans Peter Brugger, wie er eigentlich heißt, hat 30 Jahre lang die Neubergschule in Neckarsulm geleitet und sie zu einem Biotop des besonderen Miteinanders gemacht. „Gerade in Zeiten, in denen Härte und Stärke zeigen wichtiger zu sein scheint als Menschlichkeit und Mitgefühl“, betonte Pfarrer Dieter Steiner.
Oberbürgermeister Steffen Hertwig lobte Bruggers Leidenschaft für Bildung. „Das Wohl der Kinder war hier gelebte Realität“. Bei aller Verlässlichkeit und gegenseitigem Respekt habe er „für seine Schule auch mal gefochten“, beispielsweise bei der Schulsozialarbeit.
Früher Verfechter von Schulsozialarbeit und Ganztagsbetreuung
Auch für die Ganztagsbetreuung habe sich Brugger früh stark gemacht. „Wir sind heute schon weiter als viele andere“, betonte Hertwig. Als Mitbegründer der Hector-Kinderakademie habe er die landesweite Förderung von besonders begabten und hochbegabten Grundschulkindern etabliert, aber sich auch im Lesekonzept oder dem Netzwerk „Chancenreiches Neckarsulm“ eingesetzt.
Schulamtsdirektor Markus Wenz fiel es schwer, „bei diesen vielen außergewöhnlichen Leistungen den Überblick zu behalten“. Er kenne niemanden, „der seine pädagogischen Überzeugungen so hartnäckig vorträgt und dabei so wenig aufdringlich wirkt“.
Beliebter Schulleiter steht eigentlich nicht gern im Mittelpunkt
„Smart, aber immer sehr deutlich“, habe er seine Meinungen und Überzeugungen eingebracht, betonte für die Rektoren Antje David. „Kindern Wege öffnen“, sei stets seine Vision gewesen. Im Kollegenkreis gelte er als „Lexikon“, der gerne und oft Rat erteilt hat und von dem man hoffe, dass er auch im Ruhestand erreichbar sein wird.
Dabei stehe Pit Brugger gar nicht gern im Mittelpunkt, sagte seine Konrektorin Ariane Bogenschütz, die ihm nach den Sommerferien als Leiterin der Neubergschule nachfolgt. In einem Sketch stellten die Viertklässler die Bewerbungen für die „wichtigste Schule im Universum“ nach: Weder der strenge Herr Durchblick noch Frau Planlos sind geeignet, das gute Werk von Pit Brugger weiter zu führen.
Sein „unglaubliches Engagement, sein tiefes Wissen, seinen Überblick“ werde sie vermissen, auch den „Mut, schwierige Themen auf den Tisch zu bringen“ und stets „standhaft und dialogbereit“ zu bleiben, nannte Ariane Bogenschütz nur einige Vorzüge ihres Vorgängers. Aber am Wichtigsten sei gewesen: „Er hat die Menschen gesehen, er war einer, der nicht belehrt, sondern stärkt“.
Der so Gelobte blieb bescheiden und dankte „allen von Herzen“. Ein Schulleiter müsse eine „Wandergruppe mit Spitzensportlern und Gehbehinderten an drei Ziele gleichzeitig“ führen können, verglich sich Brugger mit dem antiken Sisyphos, dessen Bild in seinem Büro hängt. Über die „Sinnhaftigkeit mancher Aufgaben“ habe er mitunter sinniert, beispielsweise den Unterrichtsausfall aufgrund fehlenden Personals. „Vielleicht werden die verlustig gegangenen 1440 Stellen den Schulen jetzt zeitnah zugewiesen.“
Aber er sei trotz manchem „Steine-Wälzen“ ein glücklicher Rektor gewesen. „Ich hatte viel Unterstützung – und wenn es nur ein Kinder-Lächeln war.“
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