Ein Streifzug durch die Bars in Neckarsulm
Wie verbringt man einen warmen Sommerabend? Am besten in einer gemütlichen Bar. Kommt man ins Gespräch, merkt man schnell: Die Menschen sitzen hier aus völlig unterschiedlichen Gründen.

Die Bühne für die Konzertreihe „Donnerstags in der City“ steht – es ist schließlich Freitag – verwaist auf dem Neckarsulmer Marktplatz. Nach einem heißen Sommertag ist die drückende Schwüle gewichen, die Menschen suchen dennoch schattige Plätze und damit vor allem Bars und Bistros auf. Orte, an denen man am frühen Abend leicht ins Gespräch kommt. Und schnell merkt: Die Menschen sitzen hier aus völlig unterschiedlichen Gründen.
Feierabendbier und Fussball in der Zelle
Unter den Bäumen im Außenbereich der Zelle in der Marktstraße haben es sich Daniela Kaufmann und Jana Terekova an einem Tisch gemütlich gemacht. Seit drei Monaten haben sie sich nicht mehr getroffen, man hat sich viel zu erzählen. Die beiden Frauen berichten von einer ein Stück weit besonderen Konstellation. Denn Kaufmann war einige Zeit Terekovas Vorgesetzte. „Sie war eine ideale Chefin, inzwischen sind wir Freundinnen“, sagt Terekova.
Einige Tische weiter legt Reinhold Seidel einen Zwischenstopp ein, er kommt – wie jeden Freitag – von einem Stammtisch mit ehemaligen Arbeitskollegen in Stuttgart. Nun hat er sich noch ein „Feierabendbier“ gegönnt und verfolgt das überschaubare Treiben in der Fußgängerzone.
Hans Halber muss dagegen ab halb neun „Schwerstarbeit“ leisten. Er schmunzelt, als er das Wort benutzt, meint er damit doch die Doppelaufgabe, einerseits dem Tisch-Gespräch seiner Familie zu folgen und andererseits dem Fußballergebnis auf dem Handy Aufmerksamkeit zu schenken. Halber ist HSV-Fan, und sein Verein startet an diesem Abend in die 2. Bundesliga-Saison. Nach sechs Minuten geht sein Club in Führung. „Das wird ein guter Abend“, sagt der 47-Jährige.
Ein Saisonfazit und entspannte Gäste im Strandkorb
Knapp zwei Kilometer weiter blickt Iordanis Baltatzis zufrieden in Richtung seiner Gäste. „Wenn es richtig heiß ist, kommen viele Menschen auch erst später“, sagt der Gastronom, der die Sommer-Strandbar Strandkorb im Reisachmühlweg seit 19 Jahren betreibt. Mit der Saison zufrieden ist er aber nicht wirklich. „Viele Tage sind zu heiß, und es regnet zu oft“, fasst Baltatzis zusammen. Aber: „Ein Gastronom mit Leidenschaft jammert nicht.“
Für Uwe Wagner, Wolfgang Münzing und Beate Baumeister ist es der erste Besuch im Strandkorb. Die drei haben es sich in den klappbaren Strandstühlen im Sand gemütlich gemacht, bei einem Getränk tauscht man sich über verschiedene Themen aus, plaudert beispielsweise über die oberschwäbische Mundartband Schwoißfuaß, die Ende der 1970er Jahre ein Wegbereiter des Schwobarocks war. Die Füße im Sand und die Augen geschlossen hat hingegen Torben Born. Der Neckarsulmer ist regelmäßiger Gast. „Für mich? Ist das ein wenig Strandgefühl, wenn man gerade mal keinen Urlaub hat.“
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