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Ellhofen

Ein Rathaus als Großbaustelle

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Es war einmal ein Rathaus. Im Moment allerdings erinnert nichts daran, dass man in diesem Gebäude in Ellhofen noch vor einigen Monaten Müllmarken kaufen oder Personalausweise beantragen konnte. Von dem Bau in der Ellhofener Ortsmitte stehen nur noch die Außenwände. Wie ist der Stand der Dinge bei der millionenschweren Sanierung und Erweiterung? 

Bürgermeister Felix Pontow und Bauamtsleiterin Lena Stürzl mit  Bauplänen in der Ellhofener Rathausbaustelle. Bis 2026 dauert die Sanierung und Erweiterung.
Bürgermeister Felix Pontow und Bauamtsleiterin Lena Stürzl mit Bauplänen in der Ellhofener Rathausbaustelle. Bis 2026 dauert die Sanierung und Erweiterung.  Foto: Ralf Seidel

Felix Pontow und Lena Stürzl stehen zwischen Kabeltrommeln, Eimern, Holzbrettern und Stahlmatten und schreien ihre Infos an die Stimme heraus. Irgendwie müssen sie ja gegen das Kreischen der Kreissäge und das Aufheulen der Bohrmaschine ankommen. Die Arbeiter der Firma Karl Köhler aus Besigheim können keine Rücksicht darauf nehmen, dass der Rathauschef und die Bauamtsleiterin mit der Redakteurin die Theorie besprechen. Sie haben viel zu tun. Zum Beispiel werden die Auflagertaschen für die spätere Bodenplatte betoniert. Bereits bis zu 15 Meter tief in die Erde verankert sind 80 Mikropfähle. Bürgermeister Pontow: "Sie sind notwendig, um das Gebäude zu tragen, damit es nicht absackt." Denn das Rathaus sei nach der Sanierung und Erweiterung schwerer als vorher. "Es wird weniger Holz als früher verbaut, dafür mehr Beton", sagt Bauamtsleiterin Stürzl. 

15 Balken stabilisieren die Außenwände

Im Moment sieht das Gebäude, das 1859 als Schulhaus errichtet und ab 1888 mehrfach umgebaut wurde, aus wie die Kulisse eines Hauses an einem Filmset. Es ist nur noch Hülle. Damit diese stabil stehen bleibt, stemmen sich 15 Holzbalken gegen die Außenwände. Vor ein paar Wochen wurde die Zwischendecke abgerissen, die das Rathaus stabilisiert hatte. 

Das Rathaus ist in den Rohbauzustand zurückversetzt, gut zu erkennen sind die Baumateralien der vergangenen 165 Jahre: hier Stroh mit Lehm vermischt, dort alte Ziegelsteine, da drüben Holz. "An einer Stelle kamen sogar Zeitungen und Telefonbücher als Dämmmaterial zum Vorschein", sagt Bürgermeister Pontow. 

Das Gebäude prägt das Ortsbild

Das Rathaus steht mitten im Ort, sein Umbau ist das Herzstück des Großprojektes "Neue Ortsmitte" und sein gegenwärtiger Zustand entgeht natürlich kaum einem Ellhofener. Pontow: "Viele Leute fragen: ,Warum habt ihr es nicht abgebrochen und neu gebaut?`" Der Rathauschef ist zwar noch nicht lange in Amt und Würden, doch er war als Bauamtsleiter dabei, als der Gemeinderat sich vor ein paar Jahren bewusst für eine Sanierung entschieden hatte - und er steht hinter dieser Entscheidung des Gremiums. "Es ist ein ortsbildprägendes Gebäude, das es wert ist, erhalten zu werden."

Außerdem: Zwar würden Abriss und Neubau weniger kosten als eine Sanierung plus Erweiterung. Für die Gemeinde ist letzteres laut Pontow unterm Strich dennoch günstiger - dem Landessanierungsprogramm sei`s gedankt. Zwar ist noch nicht definitiv klar, wieviel der aktuell geschätzten 5,65 Millionen Euro Kosten letztlich das Land trägt. "Wir gehen von einer Gesamtförderung von 50 Prozent aus." 

Die Bausubstanz ist teilweise schlechter als gedacht

Apropos: Die Kostenschätzung liegt aktuell rund 250.000 Euro über dem Ansatz. Lena Stürzl: "Die Bausubstanz ist zum Teil schlechter als gedacht." Zum Beispiel sei die Dachkonstruktion nicht so wiederverwendbar wie ursprünglich erhofft. Teurer werde es auch, weil man sich für eine bessere Dämmung entschieden habe. Ob das Rathaus-Projekt am Ende noch mehr kostet oder sogar wieder günstiger wird, hängt von den weiteren Ausschreibungsergebnissen ab. Derzeit ist das dritte Maßnahmenpaket ausgeschrieben. Dazu gehören Fenster, Türen, Dach, Pfosten-Riegel-Konstruktion, Malerarbeiten. 

Nichts geändert hat sich am Zeitplan: Bis Januar 2026 soll das Gebäude in saniertem Glanz erstrahlen und per Glasfuge mit einem neuen Anbau, in dem sich unter anderem ein Saal befinden wird, verbunden sein. Der alte Anbau soll abgerissen werden, wenn im August die neue Bodenplatte im Rathaus fertig ist.

Weitere Infos

Die Umgestaltung des Rathauses ist Teil des Großprojektes "Neue Ortsmitte". Dazu gehört auch die Umgestaltung des Außenbereichs zwischen Grundschule, Gemeindehalle und Rathaus. Ein Teil ist bereits neu angelegt. Je nach finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde sind noch ein bis zwei Ergänzungsgebäude auf dem Areal denkbar. Der Gemeinderat deckelte den Kostenrahmen auf elf Millionen Euro, nachdem die Finanzen aus dem Ruder gelaufen waren. 

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