Der Verein „Region der Lebensretter“ (RdL) wurde 2017 in Freiburg gegründet. Mittlerweile ist das System in weiten Teilen Baden-Württembergs, in Teilen von Bayern und vereinzelt in anderen Bundesländern etabliert. Der Verein ist auf den bundesweiten Betrieb ausgelegt. Die RdL-Region Heilbronn umfasst den Stadt- und den Landkreis Heilbronn, wo aktuell 800 Menschen registriert sind. Initiatorin Dr. Tatjana Hilker hofft auf weitere. Infos, auch zur Qualifikation, unter www.regionderlebensretter.de. Pro Jahr werden in der Integrierten Rettungsleitstelle in Heilbronn 500 Alarmierungen mit Herz-Kreislaufstillstand ausgelöst, die für die Lebensretter relevant sind. Der RdL ist es ein Anliegen, dass möglichst viele Defibrillatoren öffentlich zugänglich sind. In Weinsberg hängt neuerdings einer für jedermann erreichbar am neuen Feuerwehrhaus.
Ehrenamtliche Ersthelfer retten Mann in Weinsberg das Leben – dank einer App
Im richtigen Moment am richtigen Ort: Vier ehrenamtliche Ersthelfer retten in Weinsberg einem Mann das Leben. Eine App bringt sie schneller zum Einsatzort als den Rettungsdienst.
Da stehen sie, die vier Lebensretter, und rahmen Heinrich Wesemann ein: Dr. Ingo Frers und die Feuerwehrleute Simon Butzelaar, Patrick Bräuning und Nick Munz. Alle fünf lächeln. Vier können zurückblicken auf die Zeit kurz nach 11 Uhr am 17. Dezember 2024 in Weinsberg. Einer kann es nicht. Heinrich Wesemann weiß nicht, wie es war, als die Männer auf den Parkplatz „Grasiger Hag“ eilten, wo er neben dem Abschleppwagen lag. „Ich habe keinerlei Erinnerung daran“, sagt der Familienvater.
Dank der "Region der Lebensretter": Ehrenamtliche Ersthelfer retten Mann in Weinsberg das Leben
Ingo Frers, der seinerzeit außer in Eberstadt noch in Weinsberg praktizierte, war als erster da – nur zwei Minuten und 28 Sekunden, nachdem die App auf seinem Handy Alarm geschlagen hatte. 300 Meter trennen Parkplatz und Praxis. Die anderen Männer folgten kurz darauf.
Seit vier Jahren ist in der Integrierten Rettungsleitstelle Heilbronn das Smartphone-basierte Ersthelfer-Alarmierungssystem „Region der Lebensretter“ (RdL) für Notfälle mit Herz-Kreislaufstillstand in Betrieb. „Mittlerweile sind in der Region Heilbronn 800 Menschen als Lebensretter registriert“, sagt Dr. Tatjana Hilker. Sie ist für Stadt- und Landkreis Heilbronn die Initiatorin des vollautomatisierten Softwaresystems.

Als Lebensretter kommt in Betracht, wer in erweiterten Reanimationsmaßnahmen ausgebildet ist: Polizisten, Ärzte, Sanitäter, Krankenpfleger, Feuerwehrleute zum Beispiel.
Lebensretter sind schneller als der Notarzt: Jede Minute ohne Hilfe sinken die Überlebenschancen um zehn Prozent
Schnell, schneller, am schnellsten: Darum geht es in der „Region der Lebensretter“. Schneller sein als der Rettungsdienst, der im Schnitt nach sieben bis neun Minuten eintrifft. Im ländlichen Raum dauert es oft deutlich länger, wie es in der Pressemitteilung der Heilbronner RdL heißt. „Das Gehirn kann drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff sein. Danach kommt es zu irreparablen Schäden bis hin zum Tod“, sagt Tatjana Hilker. Jede Minute ohne Hilfe sinken die Überlebenschancen um zehn Prozent. Kann in kurzer Zeit ein Ersthelfer vor Ort sein, der sich mit Herz-Lungen-Wiederbelebung auskennt, steigt die Überlebenswahrscheinlichkeit ohne Folgeschäden laut Pressemitteilung enorm: um bis zu 85 Prozent.
So wie bei Heinrich Wesemann. Längst arbeitet er wieder bei seinem Arbeitgeber, einem Abschleppdienst in Neckarsulm-Dahenfeld. Er muss auch gleich wieder los, ein Auto aufladen. Ein bisschen Zeit hat er noch. „Ich bin froh, dass es Menschen gibt, die das ehrenamtlich machen. Es war supergut, dass es bei mir so gelaufen ist.“ Ein Berufskollege hatte einen Herzinfarkt auf der Autobahn. Er hat es nicht geschafft. „Die Zeitspanne war zu groß. Er war erst 24.“
App-Alarm bringt Lebensretter rechtzeitig zu Einsatz: Ersthelfer werden via GPS geortet
Geht in der Rettungsleitstelle ein Notruf ein und fällt dabei das Stichwort Herz-Kreislaufstillstand, werden nicht nur der Rettungswagen und der Notarzt auf die Strecke geschickt. Automatisch wird das RdL-System aktiviert. Via GPS ortet es die registrierten Ersthelfer, gleicht die Entfernungen zum Einsatzort ab und alarmiert bis zu vier Lebensretter über ihr Smartphone.
„Bei etwa zwei Drittel der Alarmierungen sind die Lebensretter vor dem Rettungsdienst da“, sagt Initiatorin Hilker.
Lebensretter-App rettet Mann in Weinsberg nach Herzstillstand: Der Patient hatte doppelt und dreifach Glück
Heinrich Wesemann hatte doppelt und dreifach Glück: Nicht nur, dass schnell die registrierten Lebensretter und mit ihnen noch ein weiterer Feuerwehrkollege, Klaus Landenberger, parat standen. Ein Feuerwehrmann hatte geistesgegenwärtig im Rathaus, wo er arbeitet, den Defibrillator mitgenommen. Eine glückliche Fügung war auch, dass Wesemann nicht allein am Parkplatz zugange war, sondern mit ihm Emin Celik und Robin Ruf vom gemeindlichen Vollzugsdienst. Sie setzten den Notruf ab und machten eine Herzdruckmassage, bis Ingo Frers eintraf – am Telefon instruiert von der Leitstelle.
Die Vorteile der Lebensretter-App laut Hilker: „Sie ist an keine Organisation gebunden und funktioniert überregional.“ Die Lebensretter werden auch geortet, wenn sie ganz woanders sind und dort ein Notfall ist. Nicht zu verwechseln sind sie mit den „Helfern vor Ort“: „Diese arbeiten ortsbezogen und sind an eine Organisation angedockt“, sagt Andreas Giel, Vize-Kreisbereitschaftsleiter beim Deutschen Roten Kreuz und in die Organisation der „Region der Lebensretter“ eingebunden. Die beiden Institutionen seien keine Konkurrenten, versichert Tatjana Hilker, im Gegenteil: „Sie ergänzen sich optimal.“ Viele „Helfer vor Ort“ seien in der „Region der Lebensretter“ registriert.

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