Düngemittel-Preise drastisch gestiegen: So reagieren Landwirte im Raum Heilbronn und Hohenlohe
Die Landwirtschaft muss bis zu 40 Prozent mehr für Düngemittel bezahlen, als vor dem Irankrieg. Wer aus Sparsamkeitsgründen weniger streut, als empfohlen, riskiert schlechtere Qualitäten und mindere Ernten. Wie Landwirte im Raum Heilbronn und Hohenlohe auf die Preisentwicklung reagieren.
Preissteigerungen von bis zu 40 Prozent: Diesen Anstieg müssen Agrarbetriebe in Sachen Düngemittel seit der jüngsten Auseinandersetzung in Nahost stemmen. Dabei ist der Düngerbedarf in diesen Tagen und Wochen relativ hoch, da in den Getreide- und Rapsbeständen Frühjahrsgaben auf die Felder gebracht werden. „Diesen Düngerschub benötigen die Kulturen, um aus der Vegetationsruhe im Winter einen guten Start zu haben“, erläutert David Benzien, Geschäftsführer des Bauernverbands Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems.
Zwar sei der Dünger oft schon im Februar aufs Feld gebracht worden, jedoch ist die Düngesaison noch nicht abgeschlossen und die aktuellen Preise setzen die Landwirte enorm unter Druck.
Preisanstieg bei Düngemittel von 40 Prozent innerhalb weniger Tage: Wie ist das möglich?
Bei Zuckerrüben steht die Aussaat unmittelbar bevor, mancherorts hat sie schon begonnen. Die Rüben brauchen für ein gutes Wachstum eine Düngergabe direkt zum Start. Aktuell düngen die Landwirte den Raps. In drei bis vier Wochen, je nach Wetter, ist die zweite Gabe im Weizen dran. Die erste Weizendüngung ist seit wenigen Tagen durch.

Vor dem aktuellen Irankrieg habe sich der Düngemittelmarkt vergleichsweise stabil verhalten, wenn auch auf einem etwas höherem Niveau als im Vorjahr, berichtet Händler Gerd Hespelt von der Agrarhandelsgenossenschaft Agroa. Seit der Blockade der Straße von Hormus Ende Februar habe sich der Harnstoff, Haupt-Preisindikator für Stickstoffdünger, von 487 auf etwa 700 US-Dollar pro Tonne verteuert. Das entspricht einem Anstieg innerhalb weniger Tage von mehr als 40 Prozent.
Warum aber weniger Dünger ausbringen nicht ratsam ist
Für die Landwirtschaftsbetriebe, die sich nicht schon im Herbst eingedeckt haben, bedeutet die satte Teuerung des wichtigen Betriebsmittels eine bittere Pille. Der Ilsfelder Landwirt Markus Läpple, Vorstandsmitglied des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg, beschreibt, wie heftig die Düngemittelpreise den Stürmen der Weltpolitik ausgesetzt sind. Im Herbst konnte man den Kalkammon laut Läpple für 30 bis 32 Euro beziehen, seit dem Irankrieg seien 40 bis 42 Euro zu berappen. Die Teuerung ist in allen Sortimenten von Düngemitteln festzustellen, nicht nur beim stickstoffhaltigen Kalkammon.
Wer Elite-Weizen ernten will, muss die Pflanzen gut ernähren
Als Reaktion auf die teurer gewordenen Betriebsmittel weniger zu düngen, hält Läpple für keine nachhaltige Lösung. Was die Minderdüngung mit den Kulturen anstellt, erläutert Läpple an den Beispielen des Kohlanbaus und der Weizenproduktion. „Wenn man im Gemüse auf den Kali verzichtet, dann gehen die Lagerfähigkeit und die Qualität verloren“, so der Praktiker. Die Pflanzen würden anfälliger und schneller krank.
Bei Weizen sei zu wenig Dünger ebenfalls fatal: Wenn dem Weizen Stickstoff fehlt, büßt er Qualität und Backeigenschaften ein. Gerade die höherwertigeren Sorten, wie der B-Weizen zum Brotbacken oder der Elite-Weizen, der weltweit Abnehmer findet, sei auf ausreichende Düngung angewiesen, um die vorgeschriebene Bonität zu erzielen.
Teurer Dünger kann zur Nahrungsmittel-Verknappung führen
Noch drastischere Auswirkungen befürchtet der Vorsitzende des Bauernverbands Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems: „Zurückhaltende Düngung – nicht nur in Deutschland, sondern auch global bei steigenden Preisen – könnte bis hin zu einer Verknappung von Nahrungsmitteln reichen“, meint Landwirt Jürgen Maurer aus Kupferzell. Gerade bei Grundnahrungsmitteln wie Getreide sei dies zu befürchten.
Nach Einschätzung des Händlers Gerd Hespelt, hat sich ein Großteil der Kunden im Herbst und Winter mit dem Bedarf für dieses Frühjahr eingedeckt. „Aktuell kaufen Landwirte den Bedarf bis Ende April“, weiß der Fachmann. Die steigenden Frachtkosten würden zu weiteren Preissteigerungen beitragen, ist der Agrarhändler überzeugt.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare