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Beilsteiner Familie erlebt Raketenalarm und strandet in Dubai

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Eine Familie aus Beilstein hat in Dubai mehrfach Raketenalarm erlebt und fühlt sich durch mangelhaften Notfall-Service des Auswärtigen Amts auf sich allein gestellt. 


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Marcel Kapolla ist kein Mensch, der sich leicht aus der Ruhe bringen lässt. Jahrelang führte der 38-Jährige das Neckarsulmer Rugbyteam als Kapitän auf den Platz. Als Geschäftsführer der Softwareschmiede in Neckarsulm ist ihm beruflicher Stress ebenfalls nicht fremd.

In den vergangenen Tagen beschlich ihn jedoch häufig ein „mehr als mulmiges Gefühl“.

Urlaub in Dubai wird für Beilsteiner Familie plötzlich von Raketenalarm und Krisenmeldungen überschattet

Mit seiner Frau Sina und den beiden drei Jahre und sechs Monate alten Kindern weilt Kapolla bereits seit Mitte Februar in Dubai. Die Familie ist privat untergebracht, bei einem Freund von Sina Kapolla. Die Urlaubspläne wurden schließlich durch den Angriff der USA und Israel auf den Iran am 28. Februar jäh durchkreuzt. „Natürlich waren wir uns bewusst, dass die Situation im Iran kritisch ist. Doch wir wähnten uns in Dubai eigentlich außerhalb einer konkreten Gefahrenzone“, sagt Kapolla.

Sina und Marcel Kapolla sind samt der beiden Kinder im Dubai-Urlaub vom Beginn des Irankriegs und seinen Folgen überrascht worden.
Sina und Marcel Kapolla sind samt der beiden Kinder im Dubai-Urlaub vom Beginn des Irankriegs und seinen Folgen überrascht worden.  Foto: privat

Als dann aber in der Nacht zum 1. März plötzlich die Handys Alarm schlugen, vor Raketenbeschuss warnten und dazu aufriefen sich von Fenstern und Türen fernzuhalten, da war der Schock erst einmal groß. „Wir haben uns dann ein Nachtlager unter der Treppe eingerichtet“, sagt Kapolla. Dem dreijährigen Sohn verkauften sie die Sicherheitsmaßnahme als lustiges Spiel, außerdem durfte er ausnahmsweise so viele Folgen „Bob der Baumeister“ auf dem Tablet anschauen, wie er wollte. „Wir haben versucht, die Kinder von den Geschehnissen fernzuhalten“ erklärt Kapolla. Die Erschütterungen eines Raketeneinschlags in eine Militärbasis waren aber deutlich zu spüren. 

Fairmont Hotel war am Abend des Drohneneinschlags glücklicherweise ausgebucht

Noch wesentlich gefährlicher wäre es geworden, wenn der ursprüngliche Abendplan zustande gekommen wäre. „Wir wollten mit unseren Freunden zum Fastenbrechen ins Fairmont Hotel, haben aber zu spät gebucht und daher keinen Platz mehr bekommen“, sagt Kapolla. In das berühmte Hotel auf der künstlich angelegten Insel „The Palm“ schlug in jener Nacht mutmaßlich eine Drohne ein, die ein Feuer auslöste. Vier Menschen wurden verletzt. 

Mehrmals wiederholte sich in den vergangenen Tagen der Raketenalarm, sogar tagsüber. „Wir sind ins Erdgeschoss des Hauses gezogen, haben dort ein Matratzenlager für die Nächte eingerichtet“, sagt Kapolla. Größere Ausflüge unternahm die Familie keine mehr, stattdessen versuchte sie, über den „Elefand“-Service des Auswärtigen Amts an Informationen über die Ausreise zu gelangen. „Nach der Registrierung gab es keinerlei nützliche Informationen mehr. Wenn etwas kam, dann hatte man das schon längst über die Medien erfahren“, sagt Kapolla.

Rückflug mit Emirates am Samstag gebucht 

Was ihn massiv ärgerte, waren aber die digitalen Unzulänglichkeiten bei der Datenerfassung. Erst über eine Hotline erfuhr er, dass er im Eingabefeld „Sonstiges“ seinen Ausreisewunsch samt Datum eingeben sollte. „Das war im vorgesehenen Format nicht möglich, weil der Punkt als Zeichen nicht akzeptiert wurde.“ Für den Wirtschaftsinformatiker ein Unding: „Ich weiß wirklich nicht, wie das Auswärtige Amt auf diese Weise einen Überblick erhalten will, wer die vulnerablen Personen sind.“ Kapolla fühlt sich ein Stück weit im Stich gelassen: „Ich habe den Eindruck, dass ich eben selbst sehen muss, wie wir hier wegkommen.“ 

Tatsächlich ist es der Familie, die in Beilstein wohnt, am Freitag gelungen, einen Emirates-Flug von Dubai nach Frankfurt am Samstagnachmittag zu buchen. Das hoffentlich gute Ende einer Reise, die die Kapollas sicher nicht so schnell vergessen werden.

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