Würde die PV-Förderung komplett wegfallen, befürchtet Lukas Kempf, Solar-Experte des Klima-Zentrums Hohenlohekreis, einen Einbruch bei den Installationen.
Repowering ist eine Möglichkeit, eine 20 Jahre alte Solaranlage auf den neuesten Stadt der Technik zu bringen.
Foto: Marijan Murat
Aktuell wird darüber diskutiert, die Förderung für kleine PV-Anlagen (EEG-Vergütung) komplett zu streichen. Lohnt sich die Installation auf dem eigenen Dach dann noch? Wir haben Lukas Kempf, Solar-Experte des Klima-Zentrums Hohenlohekreis, dazu gefragt.
Was würde der Wegfall der Einspeisevergütung für Dachbesitzer bedeuten, die sich die Installation einer PV-Anlage überlegen?
Lukas Kempf: Sollte die EEG-Vergütung wegfallen, müssten neue PV-Anlagen in die Direktvermarktung und ihren Strom über Dienstleister an der Strombörse verkaufen. Für den Dienstleister fallen Kosten für die Vermarktung an, und die Erlöse an der Börse wären nach derzeitigem Stand geringer als die aktuelle EEG-Vergütung. Dies wirkt sich somit negativ auf die Wirtschaftlichkeit neuer PV-Anlagen aus. Bestehende Anlagen fallen unter den Bestandsschutz und erhalten die EEG-Förderung weiterhin.
Lohnt sich die Installation dann noch?
Kempf: Ob sich PV-Anlagen noch lohnen, hängt von zwei Punkten ab. Dem Eigenverbrauch und der Einspeisevergütung. Wird möglichst viel Strom selbst im eigenen Haus verbraucht, zum Beispiel durch ein E-Auto oder eine Wärmepumpe, kann die wegfallende Einspeisevergütung teilweise kompensiert werden, und der Betreiber erzielt höhere Einsparungen über den selbst genutzten Strom.
Für Dachbesitzer mit einem geringen Eigenverbrauch und dadurch einer höheren Einspeisung leidet die Wirtschaftlichkeit der Anlage enorm. So verlieren diese, je nach Anlagenkonstellation 300 bis 500 Euro im Jahr. Die feste Einspeisevergütung bietet den Anreiz, die private Photovoltaikanlage größer als für den Eigenverbrauch auszulegen und so mehr Energie zu erzeugen.
Wegfall der Einspeisevergütung: Was können Dachbesitzer tun?
Welche Möglichkeiten gibt es dann noch?
Kempf: Der Trend geht aktuell deutlich zur Sektorenkopplung. Es werden Heizung und Mobilität bei der Planung der PV-Anlage mitgedacht. Dachbesitzer haben ihre Dächer vollbelegt, um auch in den dunklen Jahreszeiten nennenswerte Erträge zu erreichen. Mit dem Wegfall der Vergütung ist dies weniger lukrativ. Vermutlich werden die PV-Anlagen für private Haushalte kleiner, so dass der Strom überwiegend im Haus verbraucht und weniger eingespeist wird. Es bleibt abzuwarten, wie der finale Gesetzesentwurf aussieht.
Was raten Sie, wenn sich der Eigenverbrauch nicht lohnt?
Kempf: Eine Alternative zur Einspeisevergütung könnte das Energy-Sharing sein. Das Energy-Sharing ermöglicht es, den Strom an Nachbarn zu einem selbst festgelegten Preis zu verkaufen. Dies müssen Verteilnetzbetreiber bis zum 1. Juni 2026 in ihrem Verteilnetz ermöglichen. Leider sind die Rahmenbedingungen von der Bundesnetzagentur noch nicht abschließend geklärt.
Wie würde sich der Wegfall der Einspeisevergütung auf die Finanzierung auswirken? Geben die Banken noch Kredite, wenn es keine Förderung mehr gibt?
Kempf: In den meisten Fällen sollten PV-Anlagen wirtschaftlich bleiben, somit sollte auch ein Kredit möglich bleiben. Die finale Entscheidung über Kredite liegen jedoch bei den Banken.
Haben Sie Tipps, was Besitzer älterer Solaranlagen tun können: Repowering oder Nulleinspeisung?
Kempf: Bestehende Anlagen bleiben weiter in der EEG-Förderung. 20 Jahre nach Inbetriebnahme läuft die Förderung aus. Anlagenbetreiber haben dann mehrere Möglichkeiten: Weiterbetrieb in Volleinspeisung mit sehr geringer Vergütung, Umstellung auf Eigenverbrauch mit Nachrüstung eines Batteriespeichers, die Überschüsse werden weiter an das Netz verkauft, oder Repowering der Anlage: Für eine Anlage mit neuen Modulen und neuem Wechselrichter gibt es aktuell wieder beziehungsweise noch Einspeisevergütung.
Was kostet die Umrüstung mit Batteriespeicher auf Eigenverbrauch und/oder der Umbau des Zählers ungefähr?
Kempf: Eine genaue Kostenschätzung nach 20 Jahren Betrieb ist schwierig und abhängig vom Zustand der Anlage und den geplanten Maßnahmen, wie beispielsweise der Größe des Speichers oder verpflichtender Sanierung des Zählerschrankes. Wird die Anlage auf Eigenverbrauch umgestellt, muss der Zustand der Anlage und die Elektrik des Hauses geprüft werden. Dabei müssen die aktuellen Bestimmungen eingehalten werden. Gängige Batteriespeicher mit 7,5 bis 10 Kilowattstunden Speicherkapazität gibt es aktuell ab 6000 Euro.
Haben Sie Zahlen, wie viele kleine PV-Anlagen unter 25 Kilowatt Spitzenleistung (kWp) in der Region Heilbronn und Hohenlohe installiert sind?Laut Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur sind im Hohenlohekreis 12.321 PV-Anlagen unter 25 kWp installiert, im Stadtkreis Heilbronn 4.762 Anlagen und im Landkreis Heilbronn 33.869.
Alte Solaranlage - was nun?
Erste Hilfestellung bietet die Webseite des Photovoltaiknetzwerks Baden-Württemberg, dessen Mitglied das Klima-Zentrum Hohenlohekreis ist. Im Artikel Ü20-Photovoltaik-Anlagen finden Ratsuchende weitere Informationen. Darüber hinaus unterstützt das Klima-Zentrum Hohenlohekreis mit individuellen Beratungen, um die beste Lösung für den jeweiligen Betreiber zu finden.
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