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Hits der Baby-Boomer-Generation

Wirtshaussingen im Parkhotel in Heilbronn: Die Musik entsteht aus dem Moment

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Beim Wirtshaussingen zählt der Spaß an der Sache mehr als reines Können.

Von Marc Gössele
Aufwärmphase beim Wirtshaussingen. Marcus Trübendörfer am Keyboard und Marcel Piontek an der Gitarre machen mit den Gästen ein kleines Einsingen. Foto: Berger
Aufwärmphase beim Wirtshaussingen. Marcus Trübendörfer am Keyboard und Marcel Piontek an der Gitarre machen mit den Gästen ein kleines Einsingen. Foto: Berger  Foto: Berger, Mario

Marcus Trübendörfer sagt: „Wir proben nicht, wir wissen nicht, was passiert. Wir machen das aus Spaß an der Freude.“ Damit bringt der Vollblut-Musiker aus Weinsberg auf den Punkt, was ein Wirtshaussingen ausmacht. Im Heilbronner Parkhotel an einem Donnerstagabend um 20 Uhr. Kommen und mitmachen darf, wer singen kann. Oder nicht so toll. Das ist einfach egal. Freude soll der Abend bereiten, den zusammen mit Trübendörfer Leonard Eckl und die Geschwister Marcel und Jasmin Piontek gestalten.

Und zwar mit Musik der Baby-Boomer-Generation, also von den 50er-Jahren bis in die 70er. Der Saal ist mit um 80 Personen gut besetzt. Eingefunden hat sich zum Beispiel ein ganzer „Instagram-Chor“ von neun Frauen. „Drei von uns kennen sich von der Arbeit und der Rest kam über Instagram dazu“, sagt Xenia Siegle. „Wir haben sogar gestern unsere Probe ausfallen lassen weil wir hierher kommen.“

Singen macht einfach Freude

Schon das Einsingen verläuft vielversprechend: Dreistimmig als Kanon. Elvis Presleys „Love me tender“ wird dann mit richtig schön Volumen gesungen. Da geht was. Bei Drafi Deutschers „Marmor, Stein und Eisen bricht“ fahren Lautstärke und Stimmung merklich hoch. Nach dem Song gibt’s begeistertes Heulen und Pfeifen. Kräftige, schöne Männerstimmen klingen aus dem Chor. Und Christian Reich, der eine davon besitzt, bestätigt in der Pause die Vermutung, er könne singen: „Ich habe mit elf Jahren einen Gesangswettbewerb gewonnen und eine Operettenplatten-Sammlung gewonnen. Das hat mir so gefallen, dass ich immer mitgesungen habe. Später war ich Sänger einer Band.“ Und er ergänzt: „Man hat mit dem Lauf des Lebens verlernt, wieviel Freude einem das Singen macht.“ Aber nun ist er da und hörbar in seinem Element. Und auch er gehört zu einer vielköpfigen Truppe, die sich über das Internet kennengelernt hat.

Wirtshaussingen ist eine Urlaubsinsel im Alltag

Nach der Pause beginnen einzelne, zu den Liedern zu tanzen. Während des Singens von „Y.M.C.A.“ von den Village People fliegen nicht nur bei den Damen vom „Instagram-Chor“ die Arme in die Luft, die vier Buchstaben im Cheerleader-Alphabet darzustellen - der halbe Saal kann das noch. Bei ABBA, „Waterloo“ und „Dancing Queen“ ist kein Halten mehr. Und dann darf noch nicht Schluss sein: „Rosi! Rosi!“ wird skandiert und ja, es gibt den „Skandal im Sperrbezirk“ als Zugabe. Marcel Piontek an der Gitarre hat’s vor Beginn gesagt: „Wirtshaussingen ist wie eine Urlaubsinsel im Alltag.“

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