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Evangelische Tagungsstätte Löwenstein

Die Gäste buchen wieder, trotzdem plagen Sorgen das Bildungshaus in Löwenstein

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Die kirchliche Bildungsstätte in Löwenstein soll Corona-Hilfen zurückzahlen. Das Buchungsgeschäft mit Firmen schwächelt, und für notwendige Gebäudesanierungen fehlt das Geld.

Von Bernd Günther
Die Gebäude der Evangelischen Tagungsstätte sind in die Jahre gekommen.
Die Gebäude der Evangelischen Tagungsstätte sind in die Jahre gekommen.  Foto: Bernd Günther

Das Geschäft mit mehrtägigen Bildungs- und Freizeitangeboten sowie individuellen Aufenthalten von Familien und Privatgruppen entwickelt sich für die Evangelische Tagungsstätte Löwenstein nach den Jahren der Corona-Pandemie nun wieder positiv. Dies bestätigt Eva-Maria Bachteler, die seit 2020 in dem kirchlichen Bildungshaus die Geschäftsführung und Theologische Leitung innehat. In der idyllisch gelegenen Einrichtung ist aber noch lange nicht alles gut.

So ist die Tagungsstätte nach Angaben von Bachteler aufgefordert worden, Corona-Hilfe von knapp 100.000 Euro zurückzuzahlen. Auch sehe man mit Sorge, dass Unternehmen weniger als gewohnt, die Tagungsstätte für Veranstaltungen buchten. Obendrein könnten Investitionen notwendig werden, wenn etwa die jahrzehntealte Heizungsanlage ausfallen sollte.

Viele Million Euro für Sanierung notwendig

Die 1971 gegründete Bildungsstätte mit zwei Tagungshäusern, einem Gästehaus und einem Wohngebäude für Mitarbeiter ist in die Jahre gekommen. Vor Ort ist das auch zu sehen ­– die Fassaden sind deutlich angegraut. Sie zu erneuern und energetisch zu dämmen, sei schon vor Jahren geplant worden. Kosten von vier Millionen Euro habe ein Gutachten im Jahr 2019 kalkuliert. Der Plan wurde nicht weiterverfolgt. Heute wäre die Sanierung wegen stark gestiegener Baukosten um ein Vielfaches teuer und nicht mehr zu finanzieren.

Der Campus der Tagungsstätte Löwenstein ist idyllisch gelegen.
Der Campus der Tagungsstätte Löwenstein ist idyllisch gelegen.  Foto: Bernd Günther

Lediglich das undichte Flachdach des Tagungshauses 2 habe 2024 erneuert und mit einer Photovoltaik-Anlage versehen werden können, sagt Carmen Schlestein, die Finanzchefin der Tagungsstätte. Zumindest sei man aber wieder in der Lage, eine bestandserhaltene Rücklage zu bilden, in die jährlich 100.000 Euro fließen sollen. Dies sei auch dem wieder stabilisierten Tagungsgeschäft zu verdanken, so Schlestein. Zweimal im Jahr treffen sich die Träger der Tagungsstätte – die Evangelischen Kirchenbezirke Weinsberg-Neuenstadt, Heilbronn-Marbach sowie die Bezirke Brackenheim und Besigheim. Zum Verbandstag im Frühjahr konnten für 2024 in den 80 verfügbaren Zimmern immerhin 17.000 Übernachtungen vermeldet werden. „Das war ein gutes Jahr“, sagt Bachteler. Im Geschäftsjahr habe man über ein Budget von 2,7 Millionen Euro verfügt und mit einem Gewinn in Höhe von 47.000 Euro abgeschlossen.

Positive Zeichen für das Jahr 2026

Bis Ende des Jahres 2025 würden rund 16.000 Übernachtungen erwartet, was ein kleiner Rückgang bedeuten würde. Positiv stimme aber, dass für 2026 schon 14.000 Reservierungen vorlägen, sagt Bachteler. Beim Verbandstag im Herbst werde der Wirtschaftsplan für 2026 vorgelegt. Ein Budget von 2,8 Millionen Euro sei vorgesehen. Die Tagungsstätte beschäftigt 45 festangestellte Mitarbeiter. Unsicherheit in der Finanzplanung verschaffe jedoch die drohende Rückzahlung der Corona-Hilfe. 22.000 Euro habe man bereits rückerstattet. Gegen die weitere Zahlungsforderung über 74.000 Euro habe man aber Widerspruch eingelegt.

Eva-Maria Bachteler leitet die Geschäfte der Tagungsstätte.
Eva-Maria Bachteler leitet die Geschäfte der Tagungsstätte.  Foto: Bernd Günther

Das Verfahren laufe. „Wir werden uns wehren“, bekräftigt Bachteler. Gleichwohl sei man auch dankbar für die Finanzhilfe. 14 Monate hatte während der Pandemie der Betrieb der Tagungsstätte geruht. Die Landeskirche habe damals keine Hilfe gewährt. „Das hat uns echt geschockt“, so Bachteler. Umso wichtiger sei die staatliche Unterstützung gewesen.

Der Schwerpunkt liegt auf der Familienarbeit

Die 55-Jährige, deren Vertrag 2026 um weitere sechs Jahre verlängert werden könnte, will den programmatischen Fokus weiter auf die Familienarbeit richten. Die kirchliche Bildungsstätte solle nicht nur Tagungen und Seminare für Kirchengemeinden bieten, sondern auch Familienfreizeiten ermöglichen. Diese richteten sich an Mütter und Kinder, Väter und Kinder, an psychisch belastete Eltern sowie an trauernde Familien. In diesem Jahr seien es sechs Freizeiten – darunter aktuell wieder ein Aufenthalt für 27 Mütter und 40 Kinder aus der Ukraine.

Kursprogramm

Nach der bevorstehenden zweiwöchigen Sommerpause wird die Evangelische Tagungsstätte Löwenstein Anfang September das Bildungs- und Freizeitprogramm der zweiten Jahreshälfte starten. Die zumeist mehrtägigen Kurse und Seminare werden überwiegend von Honorarkräften organisiert und können auch online auf der Internetseite www.e-tl.de gesichtet und gebucht werden.

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