Details zu G9: Die Schulleiter sind mit ersten Details zufrieden
Weniger Wochenstunden: Die Fünfer machen wieder nach neun Jahren an Gymnasien das Abitur. Lange waren Details zur Umsetzung offen. Antworten hat es nun aus dem Kultusministerium gegeben.

Lehrer und Schulleiter haben zuletzt nicht viel über die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasien gewusst. Schüler, die jetzt schon in der fünften Klasse sind, machen nach neun Jahren an allgemeinbildenden Gymnasien wieder das Abitur - und nicht nach acht, wie derzeit noch. Im kommenden Schuljahr sollte es losgehen. Was das inhaltlich bedeutet? Es fehlten Informationen. Immerhin war schon klar, dass es mit der zweiten Fremdsprache in Klasse sechs losgehen soll. Jetzt liegen Details vor.
Nach einem Treffen mit Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) folgte ein Schreiben aus dem Kultusministerium an die Schulen im Land. Für Antje Kerdels, Schulleiterin des Robert-Mayer-Gymnasiums in Heilbronn und Sprecherin der Direktoren in der Region Heilbronn, enthielt dieser Brief keine Überraschungen. Sie hatte sich bereits über die bisherigen Informationen zusammengereimt, worauf es vermutlich hinauslaufen werde. Das Profilfach komme in Klasse acht, es gebe eine feste Stundentafel. Ihrer Ansicht nach entlastet das die Schulen. Wichtige Folge für die jüngeren Gymnasiasten: Die Fünfer und Sechser haben weniger Unterricht, von unter 30 Wochenstunden spricht Antje Kerdels. "Das G9 entlastet die unteren Klassenstufen", sagt sie.
Das neue G9: Schüler und Lehrer werden entlastet
Ein weiterer Schulleiter eines Gymnasiums, der nicht genannt werden möchte, weil das Schreiben aus dem Kultusministerium noch keinen endgültigen Charakter hat, hält das Konzept insgesamt für schlüssig und zukunftsorientiert. Auch er freut sich über die Entlastung der Lehrer und Schüler. Die neue Stundentafel sei allerdings enger gefasst, es werde deutlich mehr vorgegeben, und es gibt weniger Poolstunden zur freien Verfügung. Die Schüler werden insoweit entlastet, als weniger Nachmittagsunterricht notwendig wird, weil aufgrund der Streckung von acht auf neun Schuljahre weniger Wochenstunden anfallen. Damit kommt Kultusministerin Schopper einem Wunsch der Eltern nach, wonach die Schüler wieder verstärkt die Nachmittagsangebote der Vereine wahrnehmen können. Verpflichtend wird künftig das Schülermentoring in den Klassen sieben und elf mit je einer Wochenstunde. Hierbei sprechen die Lehrer mit den Schülern über deren Leistungsentwicklung.
Auf Poolstunden legt auch Antje Kerdels großen Wert. Sie böten den Schulen Freiräume und seien deshalb wichtig, um das eigene Profil zu schärfen und besondere Angebote zu schaffen. Medienbildung werde wichtiger mit dem neuen Gymnasium. Und: "Die Demokratieförderung rückt in den Vordergrund." Das hätten sich die Schulen gewünscht, sagt die Vertreterin der Direktoren.
Demokratiebildung wird gestärkt
Der Verband für gymnasiale Lehrkräfte befürwortet ebenfalls die Stärkung der Demokratiebildung, auch durch mehr Stunden für die Gesellschaftswissenschaften. „Tagtäglich ist es für unsere Gesellschaft wichtig, an der Demokratie zu arbeiten, auch in den Schulen“, so Martina Scherer, Landesvorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg, in einer Pressemitteilung. Einen Beitrag hierfür leisten die Gesellschaftswissenschaften. Aber auch in den nun implementierten Klassenlehrerstunden würden wichtige Fähigkeiten für gelebte Demokratie eingeübt. Informatik ab Klasse fünf kommt zwar gut an. Zu bedenken gibt Martina Scherer: "Es bleibt die große Frage, mit welchen Fachlehrkräften dies geschehen soll."
Durch das erstmals im Gymnasium verankerte Schülermentoring wird dem Verband zufolge die Möglichkeit eröffnet, die jungen Menschen in einigen Lebensphasen besser zu begleiten. Bei der Verwirklichung des Mentorings betont der Verband: Die Schulen dürften bei der praktischen Umsetzung nicht allein gelassen werden. Es gibt zugleich Gegenwind. „Scharf zu kritisieren ist, dass die Fremdsprachen jetzt in keiner Weise gestärkt wurden,“ so Martina Scherer, „denn mindestens zwei Fremdsprachen auf hohem Niveau zu erlernen ist das Alleinstellungsmerkmal des allgemeinbildenden Gymnasiums, und dies hat man nun völlig außer Acht gelassen."
Wohin nach Klasse vier? Der Zugang an die Gymnasien ändert sich
Der Zugang an die Gymnasien ändert sich, es ist nicht mehr allein der Elternwunsch entscheidend wie zuletzt noch über die unverbindliche Grundschulempfehlung. Jetzt gilt: Eltern und Grundschullehrer müssen sich für ein Gymnasium aussprechen, oder aber die Eltern und das Ergebnis eines Tests müssen den Weg für den Viertklässler freimachen. Zuletzt hätten nur wenige Eltern ihre Kinder an einem Gymnasium angemeldet, obwohl der Schüler die Empfehlung dafür nicht bekommen hatte. Antje Kerdels kommt es aber nicht auf die Gesamtzahl der Kinder an. "Es geht um jedes einzelne." Kämen schwache Mädchen und Jungen an ein Gymnasium, erlebten sie von Anfang an Misserfolge. Antje Kerdels begrüßt daher die Veränderungen beim Übergang. Eine gewisse Objektivierung sei gut.
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