An Grundschulen soll die Lesekompetenz der Kinder durch vorgeschriebene Lese-Momente gefördert werden, ähnliches folgt nach den Sommerferien auch in Mathe, so Harald Schröder von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Nur: Für diese sogenannten Mathebänder liege „kein qualifiziertes Material“ vor, sieht der GEW-Sprecher im Kreis Heilbronn das Land in der Pflicht.
„Das wird extrem schwer“: Das fordern Lehrer-Vertreter aus Region Heilbronn für die Bildung
Stundenpläne vorbereiten, Unterricht planen: In den Sommerferien bereiten sich viele Lehrer aufs kommende Schuljahr vor. Wo konkreter Handlungsbedarf im System besteht, wissen Vertreter von zwei Lehrerverbänden in der Region Heilbronn.

Das neue Schuljahr beginnt am Montag, 15. September. Aber nur weil die Schulen ihre Türen öffnen werden, dürften längst nicht alle Probleme gelöst sein. Davon gehen Harald Schröder von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Matthias Schinko, im Schulamtsbezirk Heilbronn Ansprechpartner des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), aus.
„Das Schulsystem wird nicht zusammenbrechen“, sagt Harald Schröder, GEW-Sprecher im Kreis Heilbronn. Lehrer seien engagiert. „Auf dem Papier sieht die Versorgung mit Lehrern gut aus, außer an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren.“ Allerdings zählten auch gesundheitlich angeschlagene Lehrer dazu sowie Kollegen, die ohne eine entsprechende Ausbildung als Quereinsteiger in Klassenzimmer gekommen seien.
Personal für Grundschulen und Förderschulen: Die Lehrergewerkschaft GEW erwartet hier Probleme
Vor den Sommerferien fanden das Kultus- und das Finanzministerium über 1400 Stellen für Schulen, die seit 20 Jahren unbesetzt blieben. Gerade an Grundschulen und SBBZ soll nun dieses Personal kommen. „Das wird extrem schwer“, denkt der GEW-Vertreter. Viele Junglehrer erhalten nach ihrem Referendariat keine Stelle an einem allgemeinbildenden Gymnasium. Sie seien aber selten bereit, an einer anderen Schulart zu unterrichten, sagt Harald Schröder.
Sorgenkind bleiben die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ). Harald Schröder geht davon aus, dass sich die Situation gerade in der Region Heilbronn zuspitzen dürfte. Die Versorgung mit Personal dürfte schlechter sein als bislang. Grund dafür ist, dass mehr Kinder besondere Förderung brauchen. Über die Ursachen rätseln viele. Harald Schröder fordert, dass das Land hier noch stärker eingreift und den Einsatz der Mitarbeiter steuert, um Personal in die Region zu bringen.
Bessere Lehrerversorgung in der Region: Es fehlen Ausbildungsstellen im Regierungsbezirk Stuttgart
Ohnehin bräuchte es laut Harald Schröder für Lehrer mehr Ausbildungsangebote im Regierungsbezirk Stuttgart, wo es neben den Universitäten für Lehrer an Gymnasien nur die Pädagogischen Hochschulen in Schwäbisch Gmünd und Ludwigsburg gibt. In anderen Regionen, wo es mehr solcher Ausbildungsstellen gebe, sehe es besser aus. Dort sei die Situation so gut, dass beispielsweise nicht alle neuen Lehrer für Grundschulen genommen werden könnten. In die Region Heilbronn wechseln wollen aber kaum welche, sagt Harald Schröder.
Der GEW-Vertreter Schröder fordert, dass den Grundschulen mehr Personal zur Verfügung gestellt wird, um über zusätzliche Stunden (Pool-Stunden) die Kinder besser fördern und fordern zu können. Auch sollten Lehrer dort besser bezahlt werden, und an ihre Arbeitszeit müsse man ran. „Die Heterogenität der Kinder nimmt zu.“ Dass es generell schwierig ist, Lehrer zu finden, das weiß er. Man müsse den Grundschulen aber über die Landesregierung mehr Personal zugestehen. „Dann besteht die Notwendigkeit, die Stellen zu besetzen.“
Wohin nach Klasse vier? Übergang muss für GEW besser laufen
Handlungsbedarf sieht Harald Schröder in den Grundschulen, um dort im kommenden Schuljahr den Übergang an die weiterführenden Schulen besser zu regeln (Kompass vier). Seit vergangenem Schuljahr gelten landesweit strengere Regeln für den Wechsel an Gymnasien. Tests finden statt, und gerade die Mathe-Prüfung sorgte bei der Premiere für Kritik. Es sei viel Arbeit für Rektoren und Lehrer gewesen, die Aussagekraft aber gering, betont er.
Kritik kommt aus Reihen der allgemeinbildenden Gymnasien, die wieder nach neun Jahren zum Abitur führen werden (G9), so Harald Schröder. Nach den Sommerferien haben die Fünft- und Sechstklässler ein Schuljahr mehr Zeit, die Älteren machen weiterhin nach acht Jahren die Prüfungen (G8). Schulen fordern Bildungspläne fürs gesamte G9, die fehlten weiterhin. Bislang hangelten sich die Lehrer von Jahr zu Jahr. „Das ist ärgerlich.“
Gute Lehrerversorgung: Auch mit befristeten Verträgen kommt das Personal an die Schulen
Von einer „leicht positiven Tendenz bei der Lehrerversorgung“ spricht VBE-Vertreter Matthias Schinko. Er geht zwar davon aus, dass im Schulamtsbezirk Heilbronn alle ausgeschrieben Stellen besetzt werden – aber deshalb sei die Region längst nicht zu 100 Prozent versorgt. Defizite würden über befristete Verträge, beispielsweise für Krankheitsvertretungen, ausgeglichen.
Auch Matthias Schinko treibt die Situation an den SBBZ um, wo vermutlich nach den Sommerferien wieder Unterricht gestrichen werden müsse. Das Land schaffe Studienplätze. „Es dauert aber Jahre, bis wir hier eine bessere Entwicklung sehen.“
Mit Bildungsreformen habe das Land auch darauf reagiert, dass Schüler bei Leistungsvergleichen schlecht abgeschnitten hätten, so Matthias Schinko. Letztlich seien diese Reformen gut. Nur: Er hat den Eindruck, dass es hier in zu schnellem Tempo zu Veränderungen kommt.

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