Wer im Landkreis Heilbronn wohnt und bauen will, muss sich sein Bauvorhaben vom Landratsamt genehmigen lassen – es sei denn, er wohnt in einer Stadt oder Gemeinde, deren Rathausverwaltung über eine eigene Baurechtsbehörde verfügt, so wie Weinsberg. Die Weibertreustadt ist im Weinsberger Tal die einzige Kommune mit eigenem Baurechtsamt. Im Schozach- und Bottwartal haben Abstatt, Beilstein, Ilsfeld und Untergruppenbach über ihren Gemeindeverwaltungsverband ein gemeinsames Baurechtsamt.In Weinsberg dauert es im Schnitt acht Wochen, bis eine Baugenehmigung für ein durchschnittliches Einfamilienhaus erteilt sei, sagt der scheidende Baurechtsamtsleiter Thomas Goth. „Das ist schnell.“
Das wandelnde Weinsberg sagt ade
Im Porträt: Thomas Goth leitete viele Jahre das Baurechtsamt in Weinsberg. Er kennt in der Stadt jeden Stein.

Dieser Mann hatte nicht einfach einen Job bei der Stadt. Er hat die Stadt verinnerlicht. Thomas Goth ist eine Art wandelndes Weinsberg. Kein Baugesuch der vergangenen 21 Jahre in der Weibertreustadt, das nicht über seinen Schreibtisch ging. Viele Flurstücke und die zugehörigen Besitzer hat er auswendig im Kopf. Jetzt ist der Ur-Weinsberger und Chef des Baurechtsamtes im Ruhestand.
In Pension wollte Thomas Goth eigentlich schon vor vielen Monaten gehen. Aber kann er abtreten, wenn noch kein Nachfolger gefunden ist? Kann er nicht. „Sein“ Baurechtsamt samt Team verwaist zurücklassen? Niemals. Dafür ist der Mann zu pflichtbewusst. Dafür liegt ihm Weinsberg zu sehr am Herzen. Also hat Thomas Goth weitergemacht, bis mit Sven Fischer ein neuer Amtsleiter an Bord war.
Leiter des Weinsberger Baurechtsamtes: eine klare Linie als Maxime
26 Jahre lang arbeitete Thomas Goth im Rathaus seiner Heimatstadt. Zunächst im Hauptamt, ab 2004 leitete er die Baurechtsbehörde. Wer in dieser Zeit in Weinsberg bauen wollte, kam an dem Diplom-Verwaltungswirt nicht vorbei. Er genehmigte nicht jeden Garagenanbau und auch nicht jede Dachgaube. „Man muss auch mal nein sagen.“ Das liegt in der Natur des Jobs. Mancher Bauherr nahm es persönlich – Thomas Goth dessen Reaktion zum Glück nicht. „Klar gab es unverschämte Anrufe. Aber damit hatte ich keine Probleme.“ Seine Maxime sei gewesen, immer eine klare Linie zu haben. Und: „Ich habe immer versucht, baurechtlich das Maximale für die Bürger rauszuholen“, sagt der verheiratete zweifache Vater und zweifache Opa. Bauanträge seien in der Regel vorbesprochen worden. „Das haben die Leute geschätzt“, ist Goth sicher.
Er bearbeitete nicht nur Bauanträge, sondern wickelte auch hunderte Grundstückskaufverträge ab. Er betreute die gemeinsame Flächennutzungsplanung von Weinsberg, Eberstadt, Ellhofen und Lehrensteinsfeld und war für etliche Bebauungspläne der Stadt Weinsberg zuständig. Kein Haus, kein Acker in der Weibertreustadt, in Grantschen, Gellmersbach und Wimmental, das er nicht kennt. Thomas Goth ist keiner, der mit sich selbst prahlt, es ist halt einfach so: „Viele Flurstücke, Grundstücke und Eigentümer habe ich im Kopf.“ Auf Kartenmaterial hätte er oft verzichten können.
Weinsberger Baurechtsamtsleiter: Das waren die größten Herausforderungen
Was war die größte Herausforderung in seiner Laufbahn? Es gibt gleich zwei: Die erste war, das ehemalige Röck-Areal in ein modernes Stadtquartier umzuwandeln. 13.000 Quadratmeter, die völlig neu genutzt wurden. Die zweite Mammutaufgabe war der „Heilbronner Fußweg“: ein Baugebiet für immerhin 800 Neubürger auszuweisen. „Es gab sehr viele Grundstückseigentümer und sehr hohe Erwartungen.“
Thomas Goth hat seinen Beruf geliebt und gelebt – kann er überhaupt ohne sein? Er kann. „Zunächst mal muss ich runterkommen, Druck abladen. Denn es war immer viel Druck da.“ Dann will er kleinere Reparaturen am Haus und im Garten erledigen, an seinen Autos herumschrauben, die Enkel betreuen, Sport machen: laufen, Radfahren, Fitnesstraining – „und einfach mal nichts tun“. Letzteres wird der Pensionär vermutlich erstmal lernen müssen.
Den täglichen Gang ins Rathaus werde er gar nicht so sehr vermissen, wie manche denken. „Die Zeit ist erreicht.“ Bis zum letzten Arbeitstag im Dezember sei er immer voll da gewesen, sagt Thomas Goth. „Aber es ist nun genug.“ Der Job sei im Lauf der Jahre schwieriger geworden: „Die Vorschriften sind heute viel komplexer als früher.“ Und: „Die Bürger sind anspruchsvoller geworden.“
Nun ist Thomas Goth also nicht mehr der Weinsberger Baurechtsamtsleiter, sondern nur noch Weinsberger. Er ist es mit Leib und Seele. „Weinsberg ist kompakt, es passt alles, und es ist einfach schön hier.“

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