Camping trotz knackigen Temperaturen
Im Winter hat der Freizeitpark Sperrfechter in Oedheim seinen eigenen Rhythmus. Ruhe, Gemeinschaft und kleine Wintermomente machen den Platz zu einem besonderen Rückzugsort.

Rübe bellt, sogar ziemlich laut. Dabei mag der Zweijährige Besuch und sei auch sonst ein sehr freundliches Tier, ruft Diana Neureiter den für den kleinen Hund fremden Menschen entgegen, als ihr Mann Joachim die Tür öffnet. Angenehm warm ist es im Inneren, dafür sorgt eine kleine mobile Gasheizung in dem Vorzelt. Direkt dahinter schließt ein kleiner Wohnwagen an, in dem die beiden schlafen. Nur Rübe, der darf nicht mit ins Bett.

Zahl der Wintercamper auf dem Sperrfechter Freizeitpark in Oedheim steigt
Im Winter auf einen Campingplatz wie dem Sperrfechter Freizeitpark in Oedheim? Kein Problem, da sind sich Diana und Joachim einig: „Am liebsten machen wir dann gar nichts, laufen mit dem Hund um die Seen und genießen die Ruhe.“ In der kalten Jahreszeit sei es wunderschön und leer auf dem Platz. Regelmäßig kommen sie an den Wochenenden von Seckach nach Oedheim, Dank des Wlans auf dem ganzen Gelände sei auch mal die ein oder andere Arbeitsstunde möglich.
Das Ehepaar gehört zu den immer zahlreicheren Wintercampern, erzählt Geschäftsführer Frank Sperrfechter. „Das ist jetzt das zweite Jahr in Folge mit vielen Gästen in den Weihnachtsferien.“ Bis zu 70 Einheiten seien über Silvester belegt gewesen, was untypisch für die Region sei: „Wir haben ja kein Skigebiet in der Nähe.“

Die platzeigene Gaststätte hatte diesmal auch über Silvester geöffnet
Weil bereits im Vorfeld klar war, dass viele Camper auf der Anlage sein werden, hatte die platzeigene Gaststätte erstmals zwischen dem zweiten Weihnachtsfeiertag und Heilige Drei Könige geöffnet. Auch an Silvester wurden die Gäste bewirtet. Der älteste: 101 Jahre. „Er hat dann auch hier übernachtet, schläft aber ansonsten nur noch im Sommer auf der Anlage“, erzählt Frank Sperrfechter, der ganzjährig auf dem Areal lebt.
Um den Gästen noch mehr zu bieten als die pure Natur und einen vollen Magen ohne selbst zum Kochtopf greifen zu müssen, gab es nach vielen Jahren Pause wieder ein kleines Winterdorf mit einer Kindereisenbahn, heißen Maroni und verschiedenen Ständen. „Das war sehr schön, alle waren zufrieden“, sagt Sperrfechter. Eine Wiederholung ist fest eingeplant.
„Campen im Sommer kann ja jeder“
Ingolf und Corinna Pothenik hingegen reicht die pure Natur. Die Walldorfer machen gerade einen Spaziergang um den Badesee. Dick eingepackt bei rund fünf Grad und bedecktem Himmel laufen sie entspannt am Ufer entlang. „Die Kälte macht uns nichts aus“, sagt Corinna Pothenik. „Wir sind keine Schön-Wetter-Camper, im Sommer kann das ja jeder.“ Seit 2018 haben sie einen festen Platz auf dem Gelände des Freizeitparks. „Auf der Halbinsel“, erklärt Ingolf Pothenik. Dort steht ihr Wohnmobil, das sie sich vor kurzem angeschafft haben.

Auf dem Platz sind sie in diesem Jahr zum ersten Mal und „schauen nach dem Rechten“. „Das ist unser Paradies, das möchten wir nicht eintauschen“, sagen die beiden, die Dank einer Freundin auf die Anlage aufmerksam wurden und seit zehn Jahren Gäste sind. „Wer hier Langeweile hat“, sagt Corinna Pothenik, „dem kann ich nicht helfen.“
Martin Benne zieht es immer wieder zurück ans Wasser
Denn auch im Winter ist einiges geboten. Neben Eisbaden wurde Anfang Januar ein fünf Kilometer langer Lauf mit über 100 Teilnehmern veranstaltet. „Trotz des Schnees“, erzählt Frank Sperrfechter. Beim Räumen der Strecke hat auch Martin Benne mitgeholfen. Der ehemalige Motorbootrennfahrer hat sich im vergangenen Jahr ein Mobilheim direkt am See angeschafft. Und das, obwohl er nach seinem Karriereende eigentlich genug von Campingplätzen hatte. „Aber ich genieße die Ruhe hier, besonders im Winter“, sagt er. Er lese ein Buch, höre Musik oder kümmere sich um den Außenbereich.

Im Frühjahr will er den Garten anlegen, der Steg zum Wasser ist bereits so gut wie fertig. Dann kann es sein, dass auch wieder Nachbarn vorbeikommen und ihre Hilfe anbieten. „Es ist wie in einem kleinen Dorf. Ein eigener Kosmos.“
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