Bürgermeister Ralf Steinbrenner in Leingarten: Viel zu tun nach der Wiederwahl
Bürgermeister Ralf Steinbrenner startet in Leingarten mit Rückenwind in seine letzte Amtszeit. Was er in der Leintalstadt alles vorhat.
Der Wahlsieg für Ralf Steinbrenner war schon vor dem 8. März so gut wie sicher. Einen Gegenkandidaten gab es nicht, große Unzufriedenheit in Leingarten ebenso wenig. „Trotzdem habe ich mich unheimlich gefreut“, sagte Ralf Steinbrenner eine Woche nach der Wahl.
Knapp 97 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 64 Prozent – für Steinbrenner, der seit 2002 im Amt ist, ganz klar „eine tolle Würdigung für unsere Arbeit im gesamten Rathaus“.
Deutlicher Wahlsieg für Ralf Steinbrenner bestätigt breite Zustimmung in Leingarten
In den folgenden Stunden und Tagen klingelte das Telefon, das E-Mail-Postfach füllte sich mit Glückwunschnachrichten, erzählt er. Seine kommende, vierte Amtszeit werde intensiv, sagt er, und zugleich auch seine letzte, wie der 54-jährige Amtsinhaber klarstellt.
„Dann ist genug. Eine weitere Amtszeit würde bedeuten, mit 70 noch im Amt zu sein, das muss nicht sein“, sagt er und lacht.
Arbeitsplätze, Wohnraum, Eichbottzentrum: Das steht in den kommenden acht Jahren in Leingarten an
Doch nun steht erst einmal einiges an Arbeit an. In den kommenden acht Jahren soll in Leingarten einiges geschehen. „Viele Dinge laufen schon im Hintergrund“, sagt Steinbrenner. Man wolle in Zukunft mehr Wohnraum schaffen, bei den gesundheitlichen Dienstleistungen und der Versorgung noch stärker nachlegen und obendrauf ein drittes Pflegeheim bauen.
Hinzu kommen die Fertigstellung der Ortskernsanierung in Schluchtern und der Beginn weiterer Arbeiten im Ortskern Großgartach.

Großprojekt Eichbottzentrum mit Millioneninvestition soll Bildung und Infrastruktur stärken
Groß im Wahlschreiben Steinbrenners: die Schaffung von Arbeitsplätzen. „Wir sind gerade dabei, im interkommunalen Gewerbegebiet Hipperich Grundstücke zu kaufen“, erklärt er.
Zudem steht das Großinvestitionsprojekt Eichbottzentrum auf dem Plan. Zwölf Millionen Euro ist das „Herzensprojekt“ von Ralf Steinbrenner schwer. Es umfasst Sanierungsarbeiten am Grundschulgebäude und an Fachräumen sowie den Neubau von Klassenzimmern, einer Mensa und einem vierten Hallenteil. Der Abriss des alten Hallenbads, auf dessen Fläche die Mensa und sechs neue Klassenzimmer entstehen sollen, soll demnächst umgesetzt werden. Danach könne man allmählich mit dem Bauverfahren beginnen, so Steinbrenner.
Unsichere Finanzlage der Kommunen stellt Leingarten vor große Herausforderungen
„Wenn’s gut läuft, sind wir mit dem Gesamtprojekt in fünf Jahren fertig“, sagt Steinbrenner etwas zähneknirschend. Denn die finanzielle Zukunft aller Kommunen sieht nicht besonders rosig aus. Zwar wird das Großprojekt mit Fördergeldern des Landes bezahlt, dennoch bleibt für die Stadt ein hoher Millionenbetrag.
„Es bleibt spannend, was Bund und Land tun, um die Wirtschaft zu stärken“, sagt Steinbrenner. Denn ohne eine stabile Wirtschaft gibt es keine Einkommen- und Gewerbesteuern, aus denen sich die Kommunen größtenteils finanzieren. 2025 nahm Leingarten aus der Gewerbesteuer fast zwölf Millionen Euro ein. „Wir rechnen auf keinen Fall mit steigenden Einnahmen“, so Steinbrenner. Außerdem bleibe es spannend, „was dem Gesetzgeber noch so alles einfällt“, sagt er.
Was für Bürgermeister Ralf Steinbrenner ein Ärgernis in der täglichen Arbeit ist
Ein Ärgernis aus seiner Sicht: Eine Kommune müsse ein Bauvorhaben europaweit ausschreiben – das verzögere einen Baustart um ein Jahr und koste fast sechsstellige Summen. Ebenfalls könnte künftig die Kreisumlage steigen, was den Kommunen noch größere finanzielle Sorgen bereiten dürfte. Künftig gelte es deshalb, verstärkt Schwerpunkte zu setzen, erklärt er.
Ebenfalls in Steinbrenners letzter Amtsperiode steht eine Gemeinderatswahl an. „Das wird nochmal spannend“, sagt er. Steinbrenner schließt nicht aus, dass künftig auch Parteien der politischen Ränder in Leingarten antreten könnten. Steinbrenner schließt nicht aus, dass künftig auch Parteien der politischen Ränder in Leingarten antreten könnten. Zudem zog kurz vor der Bürgermeisterwahl erneut ein Demonstrationszug gegen den geplanten Windpark Heuchelberg durch den Ort, was Steinbrenner ein mulmiges Gefühl verlieh.
„Man weiß nie, wie viele Leute hinter solch einer Bewegung stehen“, sagt er. „Die Zeiten haben sich geändert, der Ton wird rauer“, spürt Steinbrenner in Gesprächen und in seinem E-Mail-Postfach. Dieses ist nach der Wahl aber erst einmal mit Glückwünschen zur geglückten Wiederwahl gefüllt. Zur Feier des Tages gibt Ralf Steinbrenner eine Runde Eis für das Rathausteam aus.
Rückblick: Was unter Bürgermeister Ralf Steinbrenner in den vergangenen 24 Jahren in Leingarten alles gelaufen ist
Ralf Steinbrenner steht seit 24 Jahren an der Spitze der Stadt Leingarten. In dieser Zeit hat sich im Ort einiges verändert. Ein Schwerpunkt seiner Amtszeit liegt nach eigener Darstellung auf den Bereichen Bildung und Betreuung. In den vergangenen Jahren wurden mehrere größere Bauprojekte umgesetzt, darunter das neue Feuerwehrhaus, das Eichbottbad sowie das Rathaus.
Gerade letzteres sorgte jedoch auch für Konflikte während seiner Amtszeit: Beim Neubau des Rathauses kam es zu Unstimmigkeiten zwischen ihm, dem Gemeinderat und Teilen der Bevölkerung. Auch deshalb und wegen größerer Gestaltungsmöglichkeiten, wie er auf Nachfrage erklärt, bewarb sich Steinbrenner 2009 um das Bürgermeisteramt in Bretten und 2010 um das Oberbürgermeisteramt in Sindelfingen. Beide Bewerbungen zog er nach öffentlicher Kritik jedoch zurück.
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