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Analyse: Wer schlägt sich bei Bürgermeister-Forum in Jagsthausen am besten?

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Beim Stimme-Wahlforum stehen fünf Kandidaten Rede und Antwort. Drei können sich von der Konkurrenz abheben.

Die Stimme-Redakteure Ranjo Doering (links) und Elfi Hofmann fühlten den Bürgermeister-Kandidaten Marlon Schnur (von links), David Janz, Dirk Hansen,  Tanino Bellanca und Jonas Egner auf den Zahn.
Die Stimme-Redakteure Ranjo Doering (links) und Elfi Hofmann fühlten den Bürgermeister-Kandidaten Marlon Schnur (von links), David Janz, Dirk Hansen, Tanino Bellanca und Jonas Egner auf den Zahn.  Foto: Ralf Seidel

Jagsthausen ist knapp bei Kasse, Gestaltungsmöglichkeiten sind sehr begrenzt. Das wissen auch die fünf Bürgermeisterkandidaten, die sich in der Götz-Gemeinde am Sonntag zur Wahl stellen. Trotzdem zeigen sich beim Stimme-Wahlforum am Mittwochabend alle hochmotiviert und berichten von zahlreichen Ideen und Vorschlägen. Drei Bewerber heben sich dabei deutlich von ihren Konkurrenten ab.

Jonas Egner (40), Dirk Hansen (72) und Marlon Schnur (26) glänzen mit umfangreichem Detailwissen und guter Vorbereitung. Aber auch Tanino Bellanca beweist, dass er sich mit Jagsthausen beschäftigt hat und weiß, wie in einer Verwaltung gearbeitet wird. Da hat es David Janz schwer – der Einzige ohne Verwaltungserfahrung oder einem Posten im Gemeinderat. Doch auch ihm nimmt man ab, dass er für seinen Heimatort das Beste erreichen möchte.

Ein Kandidat gibt seine sichere Stelle als Kämmerer schon vor der Wahl auf

Besonders sicher scheint sich Marlon Schnur seiner Sache zu sein. Der frisch gebackene Hochschulabsolvent hat eine Stelle als Kämmerer abgesagt und setzt nun alles auf die Kandidatur in Jagsthausen. Der 26-Jährige fällt auch deshalb auf, weil er als einziger einen Notizblock dabei hat. Diese Möglichkeit hätten alle Bewerber gehabt. Souverän zitiert er aus seinen Notizen, als Moderator Ranjo Doering ihn danach fragt. Der Stimme-Redakteur führt zusammen mit seiner Kollegin Elfi Hofmann durch den Abend in der Bergwaldhalle.

Bei einigen Themen zeigt sich, dass dem künftigen Bürgermeister wenig Spielraum bleibt. Steigende Gewerbesteuereinnahmen könnten die klamme Kasse füllen. Aber wie lockt man eine große Firma nach Jagsthausen? Auf diese schwierige Frage haben die Bewerber nur dünne Antworten parat.

Tanino Bellanca setzt auf „die Wirtschaftsförderung in Heilbronn“ und möchte Gewerbeflächen schaffen. Jonas Egner schlägt vor, lieber Menschen und Ideen am Ort zu unterstützen, anstatt auf die Ansiedlung einer externen Firma zu hoffen. Marlon Schnur weiß, dass es auch ein kleiner Laden schwer hätte. Zum Beispiel in der Fahrradbranche herrsche große Konkurrenz. Einig sind sich alle, dass Pflichtaufgaben zuerst erledigt werden müssten. David Janz betont dabei Investitionen in Kinder und Bildung. 

Wohnmobilstellplatz soll mehr Touristen nach Jagsthausen locken

Die beste Lösung, um die Gemeinde finanziell zu stärken, sieht Dirk Hansen im Tourismus. „Die Burgfestspiele sind nur zweieinhalb Monate da. Ich möchte auch außerhalb der Saison Besucher nach Jagsthausen ziehen.“ Flohmärkte, Lesungen, Konzerte und andere Projekte, die er mit den Einheimischen besprechen wolle, könne er sich vorstellen. Außerdem möchte er einen Wohnmobilstellplatz schaffen. Damit dieses „potente Publikum“ Umsatz in Jagsthausen mache. Das sei beim Campingplatz in Olnhausen nicht der Fall.

Aber auch andere Bewerber wünschen sich einen zusätzlichen Besuchermagneten. Tanino Bellanca war bereits auf der Suche nach einer zweiten historischen Figur neben dem Götz von Berlichingen, hat aber keine gefunden. „Wir brauchen etwas, das sich von anderen abhebt“, so sein Hintergedanke. Das wäre für ihn zum Beispiel ein kulinarisches Festival.

David Janz möchte einen Weihnachtsmarkt organisieren. „Die Burg wäre eine wunderschöne Kulisse.“ So könnten Vereine auch zusätzlich Geld einnehmen. Lediglich Jonas Egner zeigt sich skeptisch – zumindest gegenüber ehrenamtlich organisierten Veranstaltungen. Davon gebe es nämlich schon viele, die die Vereine sehr forderten.   

Außer Frage steht für die fünf Bewerber, dass die Burgfestspiele weiterhin finanziell unterstützt werden sollen. „Alles mit Maß und Ziel“, betont Jonas Egner. Die Parkplatzsituation müsse jedoch verbessert werden. Das finden alle. Egner würde gern einen Parkplatz bauen. David Janz schlägt Anwohnerparken vor, um zugestellte Gehwege zu verhindern. 

Dorfladen ist für alle Kandidaten wichtige Institution

Ebenso wie bei den Burgfestspielen würden die Kandidaten auch bei einer zweiten Institution in Jagsthausen nichts ändern wollen: dem Dorfladen. Für Tanino Bellanca ist es die „Piazza von Jagsthausen“, David Janz lobt das „gute Team“, Jonas Egner ist zufrieden mit dem Sortiment, Marlon Schnur will dort mit Bürgern ins Gespräch kommen und Dirk Hansen verspricht, dass er auch als Bürgermeister noch Vertretung als Auslieferfahrer macht.

Beim Thema Jugendarbeit zeigen sich Unterschiede bei den Kandidaten. Während Dirk Hansen neben der Jugendscheune in OInhausen auch gern einen Treff in Jagsthausen schaffen möchte, findet Marlon Schnur, dass ein Treff völlig ausreiche. „Die Jugendscheune ist sehr etabliert.“ Diese müsse man aber stärken und zu einer Marke für alle Jugendlichen machen. Jonas Egner, der Gründungsmitglied der Jugendscheune ist, findet das Konzept weiter zeitgemäß. David Janz würde eine Immobilie im Kernort suchen und sie zusammen mit Jugendlichen sanieren.

Bei Abschlussfrage sammeln alle Sympathiepunkte

Eine gute Figur haben alle Kandidaten bei einer überraschenden Abschlussfrage der Moderatoren gemacht. Die Kandidaten sollten sagen, warum ein jeweils anderer Bewerber ein guter Bürgermeister wäre. Mit ihren Antworten ernteten sie nicht nur viele Lacher, sondern offenbarten gegenseitige Wertschätzung und machten alle gleichermaßen Sympathiepunkte. Nun haben die Bürger das Heft in der Hand und entscheiden über die Zukunft der fünf Männer. Am Sonntag, 8. März, findet die Bürgermeisterwahl statt. Sofern es keine Stichwahl gibt, steht an diesem Abend fest, wer der Nachfolger von Roland Halter wird, der nach 40 Jahren im Amt nicht mehr antritt. Eine Stichwahl würde am 29. März stattfinden. 

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