„Junge Leute, wo seid ihr?“ – Schwaigerner Buchhändler kämpft gegen Leerstand
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Karin Fröschl-Wagner führt nicht nur den einzigen Buchladen in Schwaigern, sondern setzt sich auch für den Erhalt der Innenstadt ein – und zeigt, dass es auch anders geht.
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Gemütlich und einladend wirkt das Geschäft in der Theodor-Heuss-Straße, mitten im Gewusel der Fußgängerzone . Inhaberin Karin Fröschl-Wagner kennt viele Kunden mit dem Vornamen, über Trends und Entwicklungen in der Branche ist sie gut informiert. „New Adult ist gerade sehr gefragt“, sagt sie und deutet auf ein Regal, das ganz diesem Genre gewidmet ist.
Seit 18 Jahren führt die 62-Jährige den „Buchladen“ in Schwaigern (Landkreis Heilbronn), der unkompliziert nach seiner Funktion benannt ist. Es ist der einzige in der Stadt. Karin Fröschl-Wagner ist ein Paradebeispiel dafür, wie auch kleine Läden bestehen können – und für Schwaigern noch mehr als eine Buchhändlerin.
Leerstand vermeiden: Schwaigerner Buchhändlerin engagiert sich für Innenstadt
In der Vergangenheit hat sie schon öfter ihre Initiative im Kampf gegen den Ladenschwund bewiesen – ein Phänomen, das viele Ortsmitten ergriffen hat. Als in der Corona-Zeit das Reisebüro in Schwaigern dicht machte, gründete sie mit vier anderen darin einen Vielfach-Laden, der seit mittlerweile fünf Jahren besteht. „Es liegt mir sehr am Herzen, dass hier nicht wie in anderen Städten der Leerstand Einzug hält“, betont sie. Bislang geht das auf, ist ihr Eindruck. Viele Kunden kämen von außerhalb, um zu bummeln – einfach, weil ihnen „die Mini-Fußgängerzone in Schwaigern gefällt“.
Karin Fröschl-Wagner führt den einzigen Buchladen in Schwaigern. Ihr Erfolgsrezept: eine gute Kundenbindung und vor allem viel lesen.
Foto: Heil, Theresa
Nun wird das Ladengeschäft der schließenden Drogerie Plappert bald frei, man sei deswegen bereits auf Karin Fröschl-Wagner zugekommen. Platz genug gebe es dort für eine Kaffee-Ecke, die sich viele ihrer Kunden im Buchladen schon lange wünschen. Aber die Miete für die rund 200 Quadratmeter sei hoch. Vorstellen könnte sie sich eine Kooperation mit einem professionellen Cafébetreiber. Aber das sind alles nur vage Überlegungen.
Eigentlich wünscht sich Fröschl-Wagner, dass junge Unternehmer die Initiative ergreifen. „Junge Leute, wo seid ihr? Tut euch zusammen, macht mal etwas“, appelliert sie.
Appell an Unternehmer in Schwaigern: „Schade, dass sich niemand mehr etwas traut“
Ein Café oder Bistro lasse sich gut mit einem Blumenladen oder Kinderspielplatz kombinieren, schlägt sie vor. Auch ein Schuhladen oder eine neue Drogerie fehlen. „Ich hätte schon Tausend Ideen für da drüben“, erklärt sie. „Ich finde es schade, dass sich niemand mehr etwas traut.“ Gemeinsam mit anderen Ladenbetreibern plant sie für die nächsten Monate wechselnde Pop-Up-Events, um den Leerstand zu füllen. Was sie genau vorhat, will sie aber noch nicht verraten.
Historie des Schwaigerner Buchladens
Den Buchladen in Schwaigern gibt es laut Karin Fröschl-Wagner seit zwanzig Jahren. Zunächst stieg sie als Mitarbeiterin ein, übernahm dann 2008 das Geschäft mit einer Partnerin ganz und nannte es „Der Buchladen“. Ihre Partnerin ging 2024 in Rente, seither macht sie mit ihrer Mitarbeiterin Susanne Päsold weiter. Fröschl-Wagner selbst führte nach ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin schon zehn Jahre in Ulm einen eigenen Laden, bevor sie aus persönlichen Gründen zurück ins Heilbronner Land zog.
Die Läden untereinander täten ihr Bestes, um sich gegenseitig zu unterstützen. So erwirbt die Mediathek ihre Bücher in Fröschl-Wagners Buchladen, die Buchhändlerin selbst kauft im ansässigen Modegeschäft sowie der Bäckerei und Metzgerei ein. Auch die Loyalität der Schwaigerner hält das Geschäft am Leben. „Wir haben eine tolle Stammkundschaft“, sagt Karin Fröschl-Wagner. „Die wissen, wenn sie uns nicht unterstützen und auch im Internet bestellen, müssen wir irgendwann dicht machen.“
Buchhändlerin aus Schwaigern über Veränderungen in der Branche
In den vergangenen dreißig Jahren, in denen Fröschl-Wagner schon als Buchhändlerin arbeitet, habe die Branche sich verändert. Während die Lesefreudigkeit bei Kindern und Jugendlichen zeitweise nachgelassen hatte, habe sie in den vergangenen Jahren wieder zugenommen. „Es findet gerade eine Rückbesinnung auf die Werte statt“, beobachtet sie. „Handys sind schnelllebig, und viele machen gerade einen Schritt zurück.“ Bücher haben ein Comeback, kann man also sagen – aber anders ist ihr Arbeitsalltag trotzdem.
Immer wichtiger werde es, Erlebnisse zu schaffen. „Wir machen viele Veranstaltungen“, berichtet Fröschl-Wagner. Darum sind die Inhaberin und ihre einzige Mitarbeiterin Susanne Päsold auf Messen unterwegs oder bieten eigene Lesungen und Kooperationen mit Kindergärten, Schulen oder Hospizen an. Für das Überleben des Geschäfts sei es wichtig, präsent zu sein.
„Man muss sich vom Internethandel absetzen“, lautet ihre Devise. So habe sie mittlerweile ihr Angebot angepasst und bietet neben Büchern auch Grußkarten und Deko-Artikel an. Darin liegt die Zukunft, glaubt sie. Ganze Geschäftsmodelle setzen heute auf hybride Lösungen, schildert Fröschl-Wagner ihre Beobachtungen. Es ist ihre große Hoffnung, dass sich die Fußgängerzone in Schwaigern noch eine Weile durchsetzen kann. Fröschl-Wagner selbst will weitermachen, solange sie kann. „Es macht einfach furchtbar viel Spaß, das ist meine große Leidenschaft.“
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