Die Stadt Heilbronn hat eine forstliche Betriebsfläche von 1085 Hektar. Der Einschlag belief sich 2023 auf 8066 Festmeter, davon waren 2189 Festmeter Brennholz und Flächenlose. Diese brachten 105.780 Euro des gesamten Verkaufserlöses von 691.200 Euro ein. Der Kommunalwald im Landkreis Heilbronn umfasst rund 16.000 Hektar. Dazu kommen circa 5600 Klein- und rund 3500 Hektar Großprivatwald. Im Spitzenjahr 2023 wurden auf Kreisforstamtsebene 28.100 Festmeter Holz vermarktet. Der Erlös betrug rund 2,4 Millionen Euro. Der Brennholzanteil am Gesamteinschlug lag bei 17 Prozent, bei Forst BW mit den rund 14.000 Hektar Staatswald waren das circa 20 Prozent. Die rund 15.000 Festmeter Brennholz sorgten für 1,2 Millionen Euro an Einnahmen.
Hochsaison beim Brennholz-Verkauf im Raum Heilbronn: Dauert der Boom an?
In den Jahren 2022 und 2023 gab es beim Brennholzverkauf einen Boom – Grund war die Energiekrise. Forstleute aus dem Raum Heilbronn schätzen die aktuellen Lage ein.
In den Wäldern der Region herrscht jetzt wieder Hochsaison, der Holzeinschlag läuft. Ein Teil der Ernte wird als Brennholz vermarktet. Und das ist bei Privatkunden gefragt. Allerdings: Der Boom der Jahre 2022 und 2023, den die Energiekrise im Zuge des russischen Überfalls auf die Ukraine ausgelöst hat, ist nach Einschätzung der Forstleute vorbei. Bei der Vermarktung des nachwachsenden Rohstoffs werden neuen Wege beschritten, statt vor Ort setzen Forst BW, das den Staatswald bewirtschaftet, und das Heilbronner Kreisforstamt auf Online-Verkauf.
Jürgen Kuhn von der Holzverkaufsstelle im Landratsamt Heilbronn bezeichnet 2022 und 2023 als Ausnahmejahre. Die hohe Nachfrage habe dazu geführt, dass sogar Bestellobergrenzen eingeführt werden mussten. In Obersulm beispielsweise lag diese bei zehn Festmetern Brennholz, wie Kämmerin Margit Birkicht berichtet. Eine Kontingentierung sei diesmal nicht mehr nötig, heißt es von Florian Fiedler, der im Bezirk Unterland von Forst BW für den Holzverkauf aus dem Staatswald zuständig ist.
Nachlassende Nachfrage nach Brennholz: Händler rechnet mit weniger Absatz
Im Forstwirtschaftsjahr 2023/2024 habe sich diese Euphorie gelegt, stellt Kuhn fest. Deshalb schätzt er den Bedarf für 2024/2025 geringer ein als in Normaljahren. "Viele haben sich 2023 mit viel Holz eingedeckt." Und der milde Winter habe zudem den Verbrauch reduziert.
Das beobachtet auch Holger Betz, Geschäftsführer des Brennstoffhandels Emil Betz GmbH und Co. KG in Heilbronn. "Wir haben noch Vorrat", sagt er. "In den Jahren zuvor waren wir um diese Zeit längst ausverkauft." Betz rechnet mit einem deutlich zurückgehenden Absatz beim Kaminholz. "Das Öl ist zu billig", nennt Heinz Steiner, Leiter des Forstreviers Heilbronn-West, einen weiteren Grund für die nachlassende Nachfrage.
Festmeter-Preise für Kaminholz haben sich erhöht
Der hohe Bedarf nach Kaminholz, im laubholzgeprägten Unterland sind das vor allem Buche, Eiche und Esche, hat für einen Preissprung gesorgt, nachdem es jahrzehntelang keine Steigerung gegeben habe, wie Florian Fiedler ausführt. "Es kann nicht sein, dass man Holz verschleudert", begründet er diese Entwicklung.
Aktuell koste ein Festmeter Buche 90 Euro, für Eiche müssen 73 Euro bezahlt werden. Vor fünf Jahren seien Eiche/Buche gemischt noch für 57 Euro pro Festmeter vermarktet worden. Brennstoffhändler Betz beklagt die Preise, die sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht hätten. "Der Forst ist im Vergleich zum Importholz sehr teuer", meint er. Wobei er nicht verschweigt, dass Ware aus Osteuropa von "zweifelhafter Nachhaltigkeit" sei, weshalb er selbst nur regionales Holz aus zertifizierten Wäldern bezieht.
Dieselpreise und Co.: Kosten der Holzernte sind gestiegen
Christian Feldmann, der den Bezirk Unterland von Forst BW leitet, weist darauf hin, dass die Holzernte auch teurer geworden sei, nehme man etwa die Dieselpreise. Auch die Löhne haben sich entwickelt. Der Aufwand sei höher, ergänzt Heinz Steiner, das dünnere Holz des Pflegehiebs benötige für Einschlag und Aufarbeitung mehr Zeit, der Vergütungssatz fürs Holzrücken sei höher.
Forst BW veräußert das Staatswald-Brennholz nur online. "Das vereinfacht den Verkauf", sagt Fiedler. Im Webshop werden die Polter am Wegesrand mit Foto, Menge, Preis und Lage eingestellt. Der Kunde vermerkt seinen Wunsch im Warenkorb. Mit der Rechnung bekommt er eine Karte mit dem Standort zugestellt. Die Holzverkaufsstelle im Landratsamt Heilbronn wird ab dieser Woche einen "Marketplace" unter www.holzfinder.de als neue Einkaufsmöglichkeit anbieten.
Brennholz-Versteigerungen haben Eventcharakter
Obersulm etwa schließt sich diesem Verfahren an, die Live-Versteigerung bei Spanferkel oder Roten Würsten ist damit Geschichte. "Leider geht dieses Tradition verloren. So ist der Wandel der Zeit", sagt Kämmerin Margit Birkicht. Heinz Steiner ist es lieber, die Kunden sitzen bei der Versteigerung im Saal. Damit vermeidet er Online-Käufe von Interessenten außerhalb der Region. Schließlich geht es ihm um die Versorgung der Leute vor Ort.
"Draußen im Wald" gilt weiterhin für den Beilsteiner Revierförster Oliver Muth, entweder wie 2024 am Wartkopf oder am Stammplatz bei der Unteren Öhlmühle. Auch Untergruppenbach lege großen Wert auf eine öffentliche Versteigerung der Ware aus dem Kommunalwald. "Es gibt Würstle und was zum Trinken", beschreibt Muth die kleinen Festle im Wald. "Das hat auch etwas mit Stimmung und Lokalkolorit zu tun", meint er. Zudem schätzt er den Draht zu den Kunden.

Stimme.de
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