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500 Jahre Bauernkrieg

Blutostern in Weinsberg: Eine Stadt entdeckt ihr historisches Erbe

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2025 steht in Weinsberg mit einem vielfältigen Programm ganz im Zeichen von 500 Jahre Bauernkrieg und Blutostern. Der Höhepunkt ist im Mai, wenn in einem historischen Spektakel von Neckarsulm aus die Weibertreu erstürmt wird.

So wird es zugehen am 3. Mai, wenn Geschichte unter dem Motto „Sturm auf Weinsberg“ lebendig wird. Zuschauer können nachverfolgen, was an Blutostern 1525 geschah, als Bauern sich gegen die Obrigkeit erhoben.
So wird es zugehen am 3. Mai, wenn Geschichte unter dem Motto „Sturm auf Weinsberg“ lebendig wird. Zuschauer können nachverfolgen, was an Blutostern 1525 geschah, als Bauern sich gegen die Obrigkeit erhoben.  Foto: Archiv/Verein Jäckleins Spiesse

Blutrot ist es, das Deckblatt des Flyers zum Gedenkjahr – eine Farbe als Symbol für eines der Ereignisse im Bauernkrieg: das Weinsberger Blutostern. 2025 jährt sich die brutale Tat, bei der Aufständische einen Adligen samt Gefolge durch Spieße in den Tod trieben, zum 500. Mal. Mit über 40 Veranstaltungen nimmt die Weibertreustadt das ganze Jahr über dieses geschichtsträchtige Ereignis, seine Folgen und den Bauernkrieg an sich in den Blick.

Besuchern der Stadtbücherei dürfte es nicht entgangen sein: Seit einigen Tagen ist ein Medientisch zum Thema Bauernkrieg und Mittelalter reich gedeckt. Richtig los mit dem Programm geht es im Februar. „Der Bauernkrieg von 1525 oder die Erhebung des gemeinen Mannes“ heißt eine vierteilige Vortragsreihe der Weinsberger Volkshochschul-Außenstelle, die am 6. Februar beginnt. Es folgt ein Reigen an Führungen, Konzerten, Events und Lesungen. Unmöglich, sie alle aufzulisten. Stattdessen hier eine Auswahl:

Eine Exkursion durch die Weinsberger Unterwelt 

Eine Exkursion durch die Weinsberger Unterwelt steht am 8. März auf dem Programm: „Keltern und Keller – Auf den Spuren des Bauernkrieges“ der Tourist-Info endet mit einer Weinprobe. Am 28. März rückt Dr. Bernd Liebig in einem Vortrag Frauen im Mittelalter in den Fokus. Sie waren gar nicht so untertänig, wie man das vermuten würde.

Die Kleinen kommen am 9. April auf ihre Kosten, wenn es im Kindertheater um einen geheimnisvollen Roten Ritter geht. Eine Woche später, am 16. April, wird der Lindenplatz eingeweiht, der seit einiger Zeit umgestaltet wird. Er ist ein historisch bedeutsamer Ort und der 16. April ein historisch bedeutsames Datum: 1525 fiel er auf den Ostersonntag – der Tag, der als Blutostern in die Geschichtsbücher einging: Aufständische Bauern töteten Graf Ludwig von Helfenstein auf dem Lindenplatz durch ihre Spieße.

200 Darsteller zeigen, wie es vor 500 Jahren zuging

Am ersten Mai-Wochenende werden die Geschehnisse rund um Blutostern nachgestellt. Geschichte wird mit Hilfe der Schützengilde Neckarsulm und des Vereins Jaeckleins Spiesse für Groß und Klein zum Erlebnis, es ist der Höhepunkt des Gedenkjahrs. 200 Darsteller zeigen zunächst am 2. Mai bei Neckarsulm das Lagerleben eines Bauernhaufens. Am 3. Mai marschiert das Bauernheer – damals waren es rund 6000 Mann – gen Weinsberg, wo die Burg gestürmt wird. Ein Bauern- und Handwerkermarkt am 3. und 4. Mai mit Vorführungen und historischen Kinderspielen rund um die Johanneskirche rundet das Programm ab. Außerdem wird die Weibertreu zum Leben erweckt.

Gräfin Helfenstein bat Bauernführer Jäcklein Rohrbach um das Leben ihres Mannes – vergeblich. Für Weinsberg hatte das fatale Folgen.
Gräfin Helfenstein bat Bauernführer Jäcklein Rohrbach um das Leben ihres Mannes – vergeblich. Für Weinsberg hatte das fatale Folgen.  Foto: Stadtarchiv Weinsberg

Ins Deutsche Bauernkriegsmuseum nach Böblingen führt eine Exkursion am 16. Mai. Wie Magd Agnes Blutostern erlebt hat, erfährt man am 17. Mai. Um die Musik dieser Zeit geht es am 24. Mai bei einem Workshop und einem Konzert. Am selben Tag treffen Reformator Martin Luther, die Bauernführer Jäcklein Rohrbach und Schwarze Hofmännin sowie Heerführer Georg Truchsess von Waldburg bei einer theatralischen Inszenierung aufeinander.

War der Deutsche Bauernkrieg ein „Uffrur“, ein Aufstand, ein Krieg, oder war er eine Revolution? Dieser Frage geht Dr. Bernd Liebig am 15. Juni im Kernergarten nach.

Die Roadshow des Landesmuseums Württemberg macht im Lauf des Jahres an 17 bedeutsamen Schauplätzen des Bauernkriegs Station – also auch in Weinsberg: Mit „Uffrur... on the Road“ wird am 29. Juni ein vielseitiges Kulturprogramm geboten.

Bauernkinder und Adelsmenü

Am 12. Juli gibt es eine spezielle Führung auf der Weibertreu: Sie ist für Kinder, und diese dürfen sich als Bauernkinder verkleiden Mit „Revolution und Freiheit“ ist ein Open-Air-Konzert der Stadtkapelle am 19. Juli überschrieben. Wie die Menschen in Gellmersbach den Aufstand erlebten, erfährt man am 24. Oktober in Szenen und Vorträgen der evangelischen Verbundkirchengemeinde Eberstadt-Gellmersbach. Ein „Adelsmenü – Kulinarik mit Niveau“ kann man am 7. November in der Gutsgaststätte Rappenhof buchen.

So verlief der Bauernkrieg

Der Flyer der Stadt Weinsberg enthält nicht nur alle Termine zum Gedenkjahr samt Kurzbeschreibungen. Das Faltblatt ist auch nützlich für alle, die etwas Nachhilfe in (Stadt-) Geschichte brauchen.Worum ging es im Bauernkrieg? 1524, vor allem aber 1525 erhoben sich Bauern gegen die Unterdrückung durch ihre adligen Herren. Gegen deren Streitmächte konnten die Bauernhaufen letzten Endes wenig ausrichten. Doch der Ruf nach Selbstbestimmung und Gerechtigkeit überdauerte die Jahrhunderte. An Karfreitag 1525 zogen die vereinigten Odenwälder und Hohenloher Bauern nach Neckarsulm. Zuvor hatten sie das Kloster Schöntal geplündert. Unterwegs schlossen sich ihnen die Neckartäler Bauern unter Jäcklein Rohrbach und der Schwarzen Hofmännin an. Am Ostersamstag waren etwa 6000 Bauern in Neckarsulm versammelt.Sie zogen zur Weibertreu, wo sich Graf Ludwig von Helfenstein mit etwa 60 Landsknechten und Rittern aufhielt. Der Schwiegersohn von Kaiser Maximilian I. war den Bauern verhasst. Auf seinem Weg von Stuttgart nach Weinsberg hatte er Bauern aufgreifen und ermorden lassen. Weil die Burg schlecht instand gesetzt war, hatten die Bauern am Ostersonntag, 16. April, leichtes Spiel: Sie stürmten die Burg und trieben den Grafen mitsamt seinem Gefolge auf dem Lindenplatz durch die Spieße in den Tod.

Jäcklein Rohrbach wurde bei lebendigem Leib verbrannt

Der Spießrutenlauf war eine herabwürdigende Strafe – und hatte fatale Folgen: Der Adel rächte sich grausam. Am 12. Mai verloren in der Schlacht bei Böblingen 3000 Bauern ihr Leben. Die Bevölkerung Weinsbergs –  damals eine Stadt mit 1500 Einwohnern – wurde mitverantwortlich gemacht für den Tod des Grafen. Weinsberg wurde am 21. Mai 1525 durch das Heer des Schwäbischen Bundes niedergebrannt und verlor für viele Jahre seine Rechte. Jäcklein Rohrbach wurde in Neckargartach bei lebendigem Leib verbrannt. Martin Luther, der zunächst ein gewisses Verständnis für die Bauern aufbrachte, forderte den Adel nach der Weinsberger Bluttat zu unnachgiebiger Härte auf.   

Manche Veranstaltungen werden mehrmals angeboten. Der Flyer mit allen Terminen liegt an verschiedenen Stellen in Weinsberg und im Weinsberger Tal aus. Er ist auch auf der Homepage der Stadt einsehbar, wo unter dem Menüpunkt „500 Jahre Bauernkrieg – Weinsberger Blutostern“ weitere Infos zum historischen Hintergrund oder Literaturtipps abrufbar sind. Bei Kulturamtsleiterin Maria Wagner und Stadtarchivarin Stephanie Klein laufen die Fäden für die Organisation rund um das Gedenkjahr zusammen. Die vielen Veranstaltungen sind aber nicht zu stemmen ohne zahlreiche Menschen, die sich ehrenamtlich und mit großem Einsatz einbringen. Nur so ist es möglich, dass nahezu alle Ideen, die es im Vorfeld gab, auch tatsächlich umgesetzt werden können.Zwei weitere Besonderheiten: Die Bäckerei Hönnige backt im Gedenkjahr ein Brot, das „1525“ heißt. Sechs Weinbaubetriebe haben jeweils einen Wein aus ihrem Sortiment ausgewählt und ihn mit einem gemeinsamen Etikett „1525“ ausgestattet. 

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