Bewerbungen für Ausbildung bei Stadtverwaltungen und Behörden steigen stark

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Berufsmesse am Samstag in der Harmonie zeigt: Viele Schulabgänger wollen aufgrund der heiklen Wirtschaftslage einen sicheren Job. Angst vor KI ist verbreitet.

Von aho, son
Etienne Oestmann (19) und sein Vater Dirk im Gespräch mit Matthias Kohlschreiber, Ausbildungsleiter beim Heilbronner Amtsgericht.
Etienne Oestmann (19) und sein Vater Dirk im Gespräch mit Matthias Kohlschreiber, Ausbildungsleiter beim Heilbronner Amtsgericht.  Foto: Hoffmann, Adrian

Ausbildungsplätze bei Stadtverwaltungen und Behörden im Allgemeinen erfreuen sich offenbar zunehmender Beliebtheit. Diesen Eindruck bestätigen Sprecher von Gemeinden und Ämtern aus der Region. Zum einen beschreiben Behörden ihre Stellenangebote für Ausbildungen als besonders attraktiv. Zum anderen scheint für Berufseinsteiger der Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz an Bedeutung zu gewinnen. Das wurde auch bei einer Berufsmesse für Abiturienten am Samstag in der Heilbronner Harmonie deutlich.

Gute Situation für die Arbeitgeber im Öffentlichen Dienst 

„Wir hatten Jahre, da haben wir uns auf Messen die Füße in den Bauch gestanden“, sagt Matthias Kohlschreiber, Rechtspfleger und Ausbildungsleiter beim Amtsgericht Heilbronn. Neuerdings: die jungen Leute stünden Schlange. Die unsichere Wirtschaftslage „spielt uns in die Karten“. Selbst wenn die Schulabsolventen einen sicheren Arbeitsplatz nicht immer als ausschlaggebendes Kriterium sehen, „stehen die Eltern daneben“. Und für diese sei dieser Aspekt mitunter sehr wichtig – ebenso wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Im Öffentlichen Dienst habe man das verstanden. „Es ist eine ganz gute Situation für uns, dass wir auch mal auswählen können zwischen Bewerbern“, so Kohlschreiber.

Etienne Oestmann denkt darüber nach, bei Gericht einen Ausbildungsgang zu beginnen. Er habe ein starkes Gerechtigkeitsempfinden, erklärt er seine Motivation. Dass er mit der Entscheidung für das Gericht dem Öffentlichen Dienst angehören würde, empfindet der 19-Jährige aus Bad Rappenau-Bonfeld als positive Begleiterscheinung. Es sei nicht entscheidend für ihn, ihm gefalle aber die Perspektive, verbeamtet zu werden. „Klar, das ist ein sicherer Arbeitgeber“, sagt sein Vater Dirk Oestmann, der selbst im Öffentlichen Dienst arbeitet. „Wenn du die goldene Gabel nicht klaust, bist du eigentlich safe.“

Stadt Heilbronn hat vergangenes Jahr 65 Prozent mehr Bewerber verzeichnet 

Die Stadt Heilbronn verkündete vor wenigen Tagen, dass die Bewerbungszahlen für Ausbildungsplätze im Vorjahr um 65 Prozent gestiegen seien. Im Hohenlohekreis berichtet man von ähnlichen Erfahrungen. „Es gingen in Summe deutlich mehr Bewerbungen ein“, sagt Pia Schmitt, Sprecherin des Landratsamts Hohenlohekreis. In anderen Ämtern ist eher von einem kontinuierlichen Anstieg die Rede, zum Beispiel im Landratsamt Heilbronn. So seien bei ihnen die Zahlen von 2025 auf 2026 um 22 Prozent gestiegen, sagt Sprecher Andreas Zwingmann. Einen ähnlichen Zuwachs habe man auch 2025 im Vergleich zu 2024 verzeichnen können.

Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel wird in der Pressemitteilung der Stadt mit den Worten zitiert, die Entwicklung zeige „Vertrauen in die Stabilität und in langfristige Perspektiven bei der Stadtverwaltung“. Die Stadt sei „nicht nur eine der größten Arbeitgeberinnen in der Region, sondern auch attraktiv“.

Lauffens Bürgermeisterin sieht wirtschaftliche Situation als ausschlaggebend

Lauffens Bürgermeisterin Sarina Pfründer berichtet ebenfalls von einem Anstieg der Bewerberzahlen auf Ausbildungsplätze, und insgesamt von deinem deutlichen Anstieg der Bewerbungen auf Stellen im Rathaus. „Ich will die Euphorie der Stadt Heilbronn nicht schmälern“, sagt Pfründer in Bezug auf deren Darstellung, Ausbildungen bei städtischen Verwaltungen seien besonders attraktiv. Aber aus ihrer Sicht ist es „die wirtschaftliche Entwicklung“, die Menschen zur Verwaltung treibe. Ein Job bei der Stadt „bietet Sicherheit.“ Derzeit habe man 30 Bewerber auf eine Stelle.

Auf das Motiv „sicherer Job angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung“ angesprochen, sagt auch Andreas Zwingmann, Sprecher des Landratsamts Heilbronn: „Konkret belegbar ist das nicht. Aber dass der Aspekt mitspielt, nehmen wir durchaus wahr.“

Auch Lena Krell und Suel Cetinkaya haben sich in der Berufsmesse beim Öffentlichen Dienst informiert. Sie seien unentschlossen, sagt Krell. Ein sicherer Arbeitsplatz sei für sie insofern ein Thema, dass eine „KI-Angst“ mitschwinge – insgesamt bei vielen Schülern derzeit. Sie stelle sich die Frage, welchen Beruf es auch noch in ein paar Jahren geben werde, sagt Cetinkaya.

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