Besuch eines Kindergartens in Sierra Leone rührt Rainer Höpfer aus Weinsberg zu Tränen
Rainer Höpfer aus Weinsberg fasst nach einem Aufenthalt in Afrika einen Entschluss. Er will die Lernbedingungen von Kindern in Sierra Leone verbessern. In der Region erfährt er Unterstütz

Rainer Höpfer wirkt wie ein Mann der Tat. Er ist außerdem ein unterhaltsamer Erzähler. Wenn der 66-Jährige von seinen Erlebnissen in Sierra Leone in Westafrika berichtet, sprudeln die Worte aus ihm heraus. Der Rentner aus Weinsberg brennt für sein Projekt und dem damit verbundenen Verein „Direkte Hilfe für Tane“, dessen Vorsitzender er ist.Tane sei vergleichbar mit einem Landkreis und liege mitten im Dschungel. Kein Strom, kein Wasser. Die schlichten Häuser bestünden überwiegend aus Lehm. Nur eine Straße führe von der Küsten-Metropole Freetown nach Tane. Kinder und Erwachsene liefen rechts und links auf der Straße, in der Mitte fahren Autos.
Rainer Höpfer macht sich in Tane selbst ein Bild von Schule und Kindergarten
Eine Begegnung mit einem etwa zwölfjährigen Jungen ist Höpfer noch gut in Erinnerung. Die Badelatschen an dessen Füßen seien viel zu groß gewesen. „Da hat man die Sohle einfach hinten abgeschnitten.“ Warum er nicht in der Schule sei, habe er das Kind gefragt. Die Antwort: Das Schulgeld sei zu teuer. Dabei betrage es umgerechnet etwa zwei Euro im Monat.
Einen Tag später besucht Höpfer selbst eine Schule und einen Kindergarten. Im Kindergarten hätte die Kleinen in ihrer Uniform auf einem großen Tuch auf dem Boden gesessen. „Kein Spielzeug, kein Plüschtier. Nichts.“ Er sei raus und habe geweint. Sein Besuch in Schule und Kindergarten machen ihn von einem Tag auf den anderen in Tane bekannt. „Die Kinder haben zu Hause von mir erzählt.“
Vereinsvorsitzender Höpfer war ehrenamtlicher Schöffe und DRK-Jugendleiter
Dass Höpfer 2023 überhaupt nach Sierra Leone reist, geht aufs Konto eines Freundes aus Heilbronn-Sontheim, der dort geschäftlich zu tun hat. „Du bist Rentner, du hast Zeit“, habe der ihn ermuntert mitzukommen. Als Höpfer von der Reise zurückkehrt, liegt er erst mal mit Malaria im Krankenhaus. Der Entschluss, die Lernbedingungen von Kindern zu verbessern, steht da längst fest. Geplant ist eine überdachte Schulküche mit Wasseranschluss und ein wettergeschützter Essbereich. „Ich kenne so viele Leute hier“, sagt der 66-Jährige. Ihm sei klar gewesen, dass er hilft.Sich einzubringen liegt dem gebürtigen Heilbronner. Höpfer war zuletzt Berufskraftfahrer. In seiner Freizeit war er unter anderem Jugendleiter beim Deutschen Roten Kreuz in Heilbronn und ehrenamtlich als Schöffe beim Jugendgericht tätig. Nun also das Projekt direkte Hilfe für Tane. Die sieben Gründungsmitglieder des Vereins dachten sich zunächst, sie suchen zuerst weitere Mitstreiter, erzählt Höpfer. „Aber dafür hatten wir gar keine Zeit, es ging gleich los.“
Örtliche Firmen unterstützen das Vorhaben in Tane
Der Weinsberger lässt seine Kontakte spielen, sammelt Spielzeug, Besteck, Töpfe – alles, was die Situation von Schülern und Kindergartenkindern verbessert. Höpfer klappert Firmen ab, besorgt beispielsweise Solarmodule. Die sollen die Gebäude mit Energie versorgen. Fischer-Zander in Erlenbach und Stiegele in Obersulm gehören Höpfer zufolge zu den Unterstützern. Das DRK Neuenstadt habe Tragen für eine Erste-Hilfe-Station gespendet.
Die Kisten mit den Spenden stapeln sich auf Höpfers Dachboden und im Keller. In Obersulm stehe ein 15 Meter langer Container. Das Material soll demnächst nach Tane gebracht werden. Der Container werde im September mit einem Frachtschiff nach Sierra Leone geliefert. Der Weinsberger wird hinfliegen und sich vor Ort um die Verteilung der Güter kümmern, kündigt er an. Lokale Verantwortliche und ein Pfarrer unterstützten ihn.
Die Menschen in Sierra Leone seien so herzlich, das könne er mit Worten nicht beschreiben, sagt Rainer Höpfer. „Das muss man erleben.“ In dem armen Land seien viele Ältere zwar frustriert, so sein Eindruck. Die Jüngeren aber seien motiviert, sie wollten etwas aufbauen. Der Aufenthalt in Afrika habe ihn verändert. „Man kann mit wenig glücklich sein.“
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