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Beilsteiner Familie beginnt ein neues Leben im Kinderdorf

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Vanessa und Daniel Allig ziehen mit ihren vier Kindern von Beilstein ins Waldenburger Albert-Schweitzer-Kinderdorf. Dort wollen sie bis zu sieben weiteren Kindern ein neues Zuhause geben.

Familie Allig an ihrem neuen Wohn- und Wirkungsort, dem Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Waldenburg.
Familie Allig an ihrem neuen Wohn- und Wirkungsort, dem Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Waldenburg.  Foto: privat

„Die Lage und der Ort haben uns gleich angesprochen“, erinnert sich Daniel Allig an die Zeit vor sechs Jahren, als er mit seiner Frau Vanessa und Tochter Elina für seine Stelle als Lehrer am Herzog-Christoph-Gymnasium (HCG) nach Beilstein gezogen ist. Drei weitere Kinder wurden geboren. Das Ehepaar hat sich gut vernetzt, sich kommunalpolitisch, in Vereinen, kirchlich und sozial engagiert. „Aber es war nicht sinnstiftend genug“, beschreibt Daniel Allig, was das Paar umgetrieben hat. „Auf der Suche nach Lebensgemeinschaften, naturnahem Wohnen oder Herzensprojekten sind wir auf das Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Waldenburg gestoßen.“ Nach einigen Hospitanzen wurde deutlich: das passt.

Großes Haus mitten im Wald bei Waldenburg

Der Umzug ist geschafft. Die Aussicht von ihrem Wohnhaus auf die Burg Hohenbeilstein haben Daniel und Vanessa Allig mit einem Leben als Kinderdorf-Eltern mitten im Wald getauscht. „Da laufen die Rehe vorbei“, erzählt Vanessa Allig. Eine ideale Umgebung für Elina (6), Nelia (5), Janno (3) und Niko (1). Und für ihre künftigen Wahl-Geschwister.

Bis zu sieben Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren können die Alligs ab den Sommerferien nach und nach aufnehmen. Tagsüber werden sie dabei von Erzieherinnen und Erziehern im Schichtbetrieb unterstützt. Die 32 Jahre alte Erzieherin Vanessa Allig ist schon im Kinderdorf angestellt. Ihr Mann hat sein Amt als Stadtrat der Initiative Beilstein niedergelegt, unterrichtet aber weiterhin am HCG Physik, Sport, Religion und NwT und ist quasi der ehrenamtliche Elternteil im Kinderdorf. „Es ist unser gemeinsames Projekt. Das ganze Leben wird umgestellt, wenn man dort wohnt.“ Das ist ihm bewusst.

Begeistert von Leitbild, Werten und von dem Konzept des Kinderdorfs

Vanessa und Daniel Allig sind begeistert vom Leitbild, den Werten und dem Konzept des Kinderdorfs. „Die Kinder werden dort nicht nur betreut. Sie werden gehört und gesehen, begleitet und gefördert, bis sie ein selbstständiges Leben führen können“, erklärt Daniel Allig. Und, was nicht selbstverständlich ist: Geschwisterkinder dürfen zusammenbleiben. 

Mädchen und Jungen aus problematischen Verhältnissen sollen eine Ersatzfamilie finden. Gerade laufen die Auswahlgespräche mit den Jugendämtern, die Aktendurchsicht. Wer könnte zu den Alligs passen? „Das Kennenlernen folgt erst recht spät, damit der emotionale Faktor nicht zu sehr beeinflusst“, erklärt Vanessa Allig. In den Sommerferien zieht das erste Kind bei ihnen ein. „Da bin ich zu Hause und kann den Eingewöhnungsprozess gut unterstützen“, sagt Daniel Allig. Bis Weihnachten könnten schon fünf Schützlinge mit ihnen unter einem Dach leben.

Im Albert–Schweitzer-Kinderdorf zeigen, wie Familie sein kann

„Familie hat für uns einen sehr hohen Stellenwert“, betont der 35-Jährige, der in Neu-Ulm selbst mit vier Geschwistern aufgewachsen ist. Genau das möchten er und seine Frau ihren Pflegekindern, die das so nicht kennen, auch vermitteln: „Wie Familie sein kann.“

Die wichtigste Überlegung vor dem Umzug ins Kinderdorf galt aber zunächst dem eigenen Nachwuchs: „Es ist ein guter Zeitpunkt, sie sind noch nicht in der Schule“, findet Daniel Allig. Und Vanessa Allig ergänzt: „Wir denken, dass es ein gutes und bereicherndes Leben für sie ist. Das wollen wir ihnen mitgeben: dass Gemeinschaft und Diversität etwas Schönes sind.“

Der Kinderdorfverein wurde 1957 von Margarete Gutöhrlein aus Schwäbisch Hall in Waldenburg gegründet. Ende 1959 begann der Bau der ersten drei Häuser. 1960 zogen die ersten Kinder ein. Heute sind die Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke mit eigenständigen Vereinen in zehn Bundesländern von der Küste bis zu den Alpen vertreten.

Auf dem 2,5 Hektar großen Gelände am Ortsrand von Waldenburg leben sieben Kinderdorffamilien in jeweils einem großen Haus mit Garten in einer Art Dorfgemeinschaft. Außerdem befinden sich die pädagogische und wirtschaftliche Verwaltung des Vereins, die vollstationäre Mädchenwohngruppe, der Kindergarten Waldpiraten, ein Haus für Gäste, ein Backhaus, der Sportplatz und ein Bewegungsgarten auf dem Gelände. Das Kinderdorf beschäftigt rund 180 Mitarbeiter.

Die Grundversorgung der Kinder wird durch die Pflegesätze der Jugendämter finanziert, außerdem durch Spenden, Mitgliedsbeiträge, Bußgeldzuweisungen und Vermächtnisse.

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