Bei Wüteria zeichnet sich ein Stabwechsel ab
Die Wüteria Mineralquellen GmbH & Co. KG löst die Nachfolge an der Spitze in der eigenen Familie. So hat es Tradition: Auch die derzeitige Geschäftsführerin Anke Völkel übernahm den Betrieb einst von den Eltern. Ihr Mann Joachim scheidet im Januar aus. Sie selbst übergibt in spätestens zwei Jahren an die Söhne Manuel und Daniel Völkel.

Als Roland Wüterich Mitte der 1950er-Jahre mit Hilfe eines Wünschelrutengängers und eines Geologen auf eine Mineralwasser-Quelle stieß, lag der Fundort noch außerhalb der bebauten Fläche. Die Eltern Adolf und Paula Wüterich hatten dort seit 1928 schon einen Küferei-Betrieb, in dem später auch Brausen in den Geschmacksrichtungen Waldmeister und Himbeere produziert wurden. Heute liegt die Wüteria Mineralquellen GmbH & Co. KG mitten im Ort. Die Firma sei gewachsen, wie Gemmingen gewachsen sei, sagt das Ehepaar Anke und Joachim Völkel.
Die drei Wüteria-Mineralquellen liegen heute mitten in Gemmingen
Sie ist eine geborene Wüterich und leitet die Geschäfte. Er ist Außendienstler. Ihn kennt man. „Aber die eigentliche Chefin ist sie“, betont er voller Respekt und nennt sie so auch innerhalb der Familie.
Der 67-Jährige geht im Januar in den Ruhestand. Anke Völkel wird als Geschäftsführerin den Übergang in die nächste Generation noch zwei Jahre begleiten. Spätestens dann will sie die Verantwortung in die Hände ihrer Söhne Manuel (36) und Daniel (39) legen. „Es ist ein gutes Gefühl, dass es bei uns so weitergeht“, sagt sie, „aber ich wünsche mir auch, dass es so weitergeht, wie es sich die beiden vorstellen.“
Kostensteigerungen: Die Mineralwasser-Branche ist hart umkämpft
Der Mineralwassermarkt ist umkämpft. Qualität, Geschmack und ein vernünftiger Preis würden über die Zukunft mit entschieden, meint Daniel Völkel. Und die Nachwuchsarbeit: Erstmals bildet der Abfüller gleich zwei Azubis zu Lebensmitteltechnikern aus. Vergleicht man Wüteria mit Branchenriesen wie Gerolsteiner, „dann sind wir mit 200 000 Füllungen am Tag ein eher kleiner Stern am Himmel“, sagt Daniel Völkel. Regional hat das Unternehmen mit seinen gut 30 Mitarbeitern aber einen bedeutenden Namen.
Bei den langjährigen Handelspartnern gilt der Mineralwasserabfüller aus dem Kraichgau als verlässlicher Partner. Durch Investitionen in ein eigenes Blockheizkraftwerk, Photovoltaik auf dem Dach und eine Lkw-Flotte sieht sich der Abfüller der Marken Schlossbrunnen, Heiligenquelle und Gemminger Mineralquelle gut aufgestellt. Die Recyclingquote bei Glas, PET und Verschlüssen sei hoch. Die Familie unterstützt zahlreiche Vereine im Ort und in der näheren Umgebung.
In den 1980er-Jahren wurde Wüteria zu dem Unternehmen, das es heute ist
Die Blütezeit des Unternehmens, erzählt Anke Völkel, war Anfang der 1980-er Jahre, nachdem Wüteria endlich expandieren konnte. Nachbarschaftseinsprüche hatten die Entwicklung jahrelang gehemmt. Doch wegziehen war keine Option: „Wir sind ja an unsere Quellen gebunden“, sagt Joachim Völkel.
2003 kam die PET-Anlage dazu, die Halle wurde erweitert. Seniorchefin Irmgard, die den Betrieb nach dem frühen Tod ihres Mannes Roland 1991 weitergeführt hatte, übergab förmlich an ihre Tochter Anke. Es sei der Wunsch der Eltern gewesen, dass die Kinder ins Unternehmen einsteigen, sagt diese. Umgekehrt musste sie ihre Söhne nicht lange überreden: „Seit ich jung war, wollte ich mitarbeiten“, sagt Manuel Völkel: „Einfach, weil Mineralwasser ein tolles Produkt ist.“
Wüteria investiert in den Betrieb - und in die Nachwuchsarbeit
Der heute 36-Jährige ist seit 13 Jahren dabei. Er kümmert sich unter anderem ums Marketing und um die Roh- und Hilfsstoffbeschaffung für die Limonaden, Schorlen und Fitnessgetränke. Sein Bruder Daniel ist Betriebswirt und war bis September 2023 bei der Volksbank Kraichgau tätig. „Ob ich es schon bereut habe“, würde er manchmal von Freunden gefragt. Nein, hat er nicht. Auch wenn ein rauer Wind in der Branche weht. „Die Einkaufsverhandlungen sind hart. Die Kosten sind massiv gestiegen.“ Und nicht immer sei der Handel bereit, die Steigerungen mitzugehen.
Eingeleitet worden ist der Generationenwechsel bei Wüteria bereits 2017, als Manuel und Daniel Völkel die Anteile ihres Onkels, dem langjährigen Prokuristen Karl Wüterich übernehmen konnten. „Die sind hier reingewachsen“, sagt Joachim Völkel vertrauensvoll. „Beide sind Generalisten, die ihre Probleme auch selbst lösen können.“
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