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Bei Bäcker Hörtling gibt´s bald wieder frische Brezeln

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Bad Friedrichshaller Bäckerei will noch im März wiedereröffnen.  Bürokratie sorgte nach dem Brand für Verzögerungen auf der Baustelle

Oliver (links) und Bernd Hörtling planen, im März die Familienbäckerei mit Laden wiederzueröffnen. Nach einem Brand 2023 haben sie alles wieder aufgebaut.
Oliver (links) und Bernd Hörtling planen, im März die Familienbäckerei mit Laden wiederzueröffnen. Nach einem Brand 2023 haben sie alles wieder aufgebaut.  Foto: Seidel, Ralf

Mit der Wiedereröffnung in der Weihnachtszeit hat es bei der Bäckerei Hörtling in Bad Friedrichshall leider nicht geklappt. „Wir haben keine Baufreigabe bekommen“, sagt Oliver Hörtling, der ältere von zwei Brüdern, die das Familien-Unternehmen nach einem Brand im Oktober 2023 wieder aufbauen. Das Paradoxe: Die Sanierungsarbeiten sind fast fertig. „Das ist die deutsche Bürokratie“, ärgert sich Oliver Hörtling. Inzwischen habe er den „roten Punkt“. Nun fehle noch die Schlussabnahme, für die das städtische Bauamt zuständig ist. Erst dann könne eröffnet werden. Die Familie hofft, dass es Ende März so weit ist. 

Wo früher ein Wohnhaus stand, hat die Familie Tiny-Houses aufgestellt. Seit ein paar Monaten wohnt sie in ihren neuen Mini-Heimen hinter der Backstube.
Wo früher ein Wohnhaus stand, hat die Familie Tiny-Houses aufgestellt. Seit ein paar Monaten wohnt sie in ihren neuen Mini-Heimen hinter der Backstube.  Foto: Seidel, Ralf

„Ich muss noch drei Formulare nachreichen und Stellplätze nachweisen“, erläutert Oliver Hörtling die Vorgaben, die ihm kürzlich nach einem Ortstermin mitgeteilt wurden. Vor dem Brand hätten zum Beispiel acht Stellplätze gereicht. Heute müssten es zehn sein. Der 58-Jährige ist aber zuversichtlich, dass das kurzfristig erledigt ist. „Wenn es gut läuft, wollen wir zwischen dem 25. und 28. März eröffnen.“ 

Das gehe aber nicht von heute auf morgen. Denn die Produkte der Bäckerei Hörtling werden „so wie früher hergestellt“, erklärt er. Das bedeutet: lange Garzeiten. Rund fünf Tage Vorarbeit seien nötig, bis gebacken werden kann. Dann gebe es endlich wieder Brezeln und andere Spezialitäten aus eigener Herstellung.

„Viele Leute warten auf unsere Laugensachen“, sagt Oliver Hörtling

„Viele Menschen sagen uns, dass sie auf unsere Laugensachen sehnsüchtig warten“, freut sich Oliver Hörtling. Er kümmere sich künftig zwar viel um die Verwaltung und den Verkauf, helfe aber auch am Backofen mit. Das Hauptgeschäft in der Backstube werden jedoch Bruder Bernd Hörtling und dessen Stiefsohn Fabian Sosko haben. Sosko möchte vom Fachmann für Lagerlogistik auf Bäcker umschulen und geht bald bei Bernd Hörtling in die Lehre. Sohn Lukas plant, ebenfalls nach der Schule Bäcker zu werden. „Das ist dann die fünfte Generation“, sagt Oliver Hörtling. Das Familienunternehmen gibt es seit 126 Jahren.  

Bevor es losgehen kann, muss noch der Garraum fertig werden, den Bernd Hörtling die „Sauna für meine Brezeln“ nennt. Ansonsten sei baulich alles fertig. Einmal habe er den Ofen schon angeschmissen, um ihn auszuprobieren. „Alles geht“, sagt der Bäckermeister. Ein richtiger Probelauf fehle aber noch. Das komme alles nach der Schlussabnahme. 

Auch das Ladengeschäft ist komplett neu gestaltet. Nun könne niemand mehr von veralteter Einrichtung sprechen, wie einmal in einer Online-Bewertung kritisiert worden sei, sagt Bernd Hörtling. Ein Foto für die Zeitung soll aber noch nicht gemacht werden. „Das ist eine Überraschung.“  Außerdem müssten noch Bilder sowie Meisterbriefe, die der Brand verschont hat, aufgehängt werden.  

Die Hörtlings sind keine Männer von großen Worten, wenn es um ihre Gefühle geht. Trotzdem spürt man im Gespräch die Vorfreude auf die Eröffnung deutlich. Darauf endlich wieder den geliebten Beruf ausüben zu können und darauf, die schwierige Zeit ein Stück weit hinter sich zu lassen. „Ich will einfach wieder vor meinem Backofen sitzen und Brezeln backen“, sagt Oliver Hörtling und hinter dem üppigen Bart spitzelt ein breites Grinsen durch. 

Apropos Bart: „Der kommt zur Eröffnung ab“, verrät er. „Wenn er dann wieder so lang ist wie heute, gehe ich in Rente.“ Das dauere circa drei Jahre. 

Die Familie hat vier neue Mini-Heime bezogen und hat endlich wieder ein Zuhause

Ein Lächeln blitzt auch dann in Oliver Hörtlings Gesicht auf, wenn er von seinem Tiny House erzählt. Vier solcher Mini-Heime hat die Familie auf dem Grundstück hinter der Bäckerei aufgestellt.

Dort stand früher das Wohnhaus, das nach dem Brand am 14. Oktober 2023 abgerissen werden musste. Ein Neubau hätte vor allem aufgrund von Genehmigungsverfahren zu lange gedauert, hatte Bernd Hörtling bei einem früheren Besuch auf der Baustelle erklärt. So entstand die Idee mit den Tiny-Houses. Die Bäckerei musste nicht abgerissen werden, eine Kernsanierung war jedoch notwendig.

Produktion in der Otto-Hahn-Straße könnte am 20. März starten

Wenn diese abgeschlossen und vom Bauamt abgenommen ist, plant die Familie die Eröffnung. „Was genau wir machen, ist noch nicht klar“, sagt Oliver Hörtling. Ab dem 20. März werde es in der Otto-Hahn-Straße aber hoffentlich wieder nach Backwaren durften. Denn ab da könnte die Produktion starten.

Zwischen den Häuschen, in denen die Familie inzwischen wohnt, fehlen noch Wege, auch ein Garten soll angelegt werden. „Jetzt müssen wir aber erstmal Geld verdienen“, erklärt Oliver Hörtling.

Am 14. Oktober 2023 ist abends ein Brand im Lager der Bäckerei Hörtling ausgebrochen. Das Feuer breitete sich auch auf das angrenzende Wohnhaus aus und zerstörte es. Die Bäckerei Hörtling in Bad Friedrichshall hatte im vergangenen Jahr 125-Jahre-Jubiläum. Diese Feier soll aber nicht nachgeholt werden, sagt Oliver Hörtling. Bernd Hörtling hatte die Bäckerei in vierter Generation übernommen, als sein Vater schwer krank wurde. Dieser hatte die Backstube mit Verkaufsraum im Jahr 1987 errichtet. Früher gab es auch eine Filiale in Altkochendorf.

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