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Bauerntag des KBV Heilbronn-Ludwigsburg: Seelenbalsam in der Krise

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Wie können sich Landwirte angesichts niedriger Erlöse, steigender Arbeitsbelastung und teilweise schlechtem Image motivieren? Das war das Thema des Bauerntags des KBV Heilbronn-Ludwigsburg. Eine Blitzumfrage geriet zur Selbstvergewisserung einer Branche in ambivalenten Zeiten.

Großes Interesse: Zum Bauerntag des KBV Heilbronn-Ludwigsburg am 6. Februar in Möglingen sind viele Landwirte aus der Region angereist.
Großes Interesse: Zum Bauerntag des KBV Heilbronn-Ludwigsburg am 6. Februar in Möglingen sind viele Landwirte aus der Region angereist.  Foto: Jörg Kühl

Raus aus der Opferrolle, mehr Selbstbewusstsein, die Dinge in die Hand nehmen, wo es nicht läuft, das Gute im Beruf sehen, anstatt nur das Schlechte beklagen: Der diesjährige Bauerntag des Kreisverbades Heilbronn-Ludwigsburg machte seinen Mitgliedern Mut. Stellenweise fühlte sich die Versammlung wie ein Motivationsseminar an.

Der obligatorische Fachvortrag trug den Titel „Motiviert in die Zukunft in herausfordernden Zeiten“. Referent war Dr. Ralf Schaab von der Andreas-Hermes-Akademie, an der unter anderem der Deutsche Bauernverband Mitglied ist. Schaab hob vor allem die positiven Attribute, mit denen die Landwirtschaft verbunden sind, hervor. Dazu zählen die sichere Versorgung mit regionalen Lebensmitteln, die Rolle als Partner für Maßnahmen im Naturschutz und die Attraktivität der Kulturlandschaften für Urlaub und Erholung.

Bauerntag des KBV Heilbronn-Ludwigsburg am 6. Februar in Möglingen: Vorsitzender Stefan Kerner fordert eine bessere Vermarktung der eigenen Produkte. "Made im Ländle" stehe für die besten und sichersten Lebensmittel.
Bauerntag des KBV Heilbronn-Ludwigsburg am 6. Februar in Möglingen: Vorsitzender Stefan Kerner fordert eine bessere Vermarktung der eigenen Produkte. "Made im Ländle" stehe für die besten und sichersten Lebensmittel.  Foto: Jörg Kühl

Das war der stärkste Moment beim Bauerntag des KBV Heilbronn-Ludwigsburg

Den stärksten Moment erlebte der Bauerntag, als der Referent eine Blitzumfrage startete, warum sich die anwesenden Landwirte für den bäuerlichen Beruf entschieden haben und was sie ihm an positiven Dingen abgewinnen können. Nach anfänglichem Zögern ging dann doch der ein oder andere an Mikrofon.

Bernd Angelbeger, Bad Wimpfen: "Ich fahre für mein Leben gerne Schlepper. Wenn man an einem Wintermorgen bei Raureif über das Feld fährt..."
Bernd Angelbeger, Bad Wimpfen: "Ich fahre für mein Leben gerne Schlepper. Wenn man an einem Wintermorgen bei Raureif über das Feld fährt..."  Foto: Jörg Kühl

Markus Angelberger aus Bad Wimpfen würdigte den sinnstiftenden Aspekt seiner Arbeit in und mit der Natur. „Zu sehen, wie sich Leben immer wieder vermehrt“, so der 30-Jährige. Hermann Zürn aus Möckmühl zeigte sich erfreut, dass die Betriebsübergabe an seine Töchter geglückt ist. Als Kreisgärtnermeister habe er nur zu oft erleben müssen, dass Betriebe mangels Nachfolge aufgegeben werden mussten. „Der grüne Beruf ist der schönste, den es gibt“, so der 68-Jährige.

Hermann Zürn aus Möckmühl zeigte sich erfreut, dass die Betriebsübergabe an seine Töchter geglückt ist. Als Kreisgärtnermeister habe er nur zu oft erleben müssen, dass Betriebe mangels Nachfolge aufgegeben werden musste.
Hermann Zürn aus Möckmühl zeigte sich erfreut, dass die Betriebsübergabe an seine Töchter geglückt ist. Als Kreisgärtnermeister habe er nur zu oft erleben müssen, dass Betriebe mangels Nachfolge aufgegeben werden musste.  Foto: Jörg Kühl

Familienbetrieb: individueller Einsatz, gemeinsamer Erfolg

Florian Weidelich aus Gemmingen würdigte die generationenübergreifende Zusammenarbeit im Familienbetrieb. „Jeder kann zum Erfolg ganz individuell beitragen“, so der 33-Jährige. In einem Bürojob sei der Mitarbeiter eher eine Nummer. Prälat Ralf Albrecht aus Heilbronn betonte die Bedeutung der Landwirtschaft für die Christen: Bauer sei der erste und wichtigste Beruf in der Bibel.

Bernd Angelberger aus Bad Wimpfen bekannte zur Freude des Publikums, er fahre für sein Leben gerne Schlepper: Wenn man an einem Wintermorgen bei Raureif übers Feld fährt…“, schwärmte der 57-Jährige. Dieter Boger aus Massenbach zeigt sich erfüllt darüber, dass es seiner Tochter gelungen ist, aus dem ehemaligen Milchviehbetrieb eine moderne Pferdepension und gleichzeitig einen „Lernort Bauernhof“ zu schaffen.  

Prälat Ralf Albrecht: "Bauer ist in der Bibel der erste und wichtigste Beruf."
Prälat Ralf Albrecht: "Bauer ist in der Bibel der erste und wichtigste Beruf."  Foto: Jörg Kühl

Warum die Sicherung durchbrennen kann und was der Verband dagegen unternimmt

Motivierende Worte sind für den Bauernverband aktueller denn je. Schließlich werden die Belastungen in den Bauernfamilien immer stärker, wie der KBV-Vorsitzende Stefan Kerner betonte: „Suizid und Burnout sind ein Riesenthema.“ Die Lage sei schwieriger und kritischer denn je. Die scheinbar aussichtslose finanzielle Lage und der Arbeitsdruck könne dazu führen, dass die Sicherung durchbrennt. Der Bauernverband habe durchgesetzt, dass fünf „Kümmererstellen“ geschaffen werden.

Familien, die mit der Landwirtschaft verbunden sind, seien in der Gesellschaft nur noch zu 1,5 Prozent vertreten. Entsprechend gering sei deren gesellschaftliche Lobby. „Es gilt, unsere Marktmacht immer stärker auf die Straße zu kriegen“, rief der Erlenbacher Landwirt ins Publikum: „Wir haben die besten und sichersten Lebensmittel“, damit müsse noch deutlicher geworben werden: „Made im Ländle.“

Marcus Angelberger aus Bad Wimpfen freut an seinem Beruf die Arbeit in und mit der Natur, und: "wie sich Leben immer wieder vermehrt."
Marcus Angelberger aus Bad Wimpfen freut an seinem Beruf die Arbeit in und mit der Natur, und: "wie sich Leben immer wieder vermehrt."  Foto: Jörg Kühl

Kein unerlaubter Pflanzenschutz und Antibiotika durch die Hintertür

Kerner ging auf die vom Wein- und Obstbau geprägt Branche in seinem Verbandsgebiet ein. Mercosur böte bei allen Risken auch Chancen für den Export hochwertiger Erzeugnisse. Umgekehrt gelte: Bei der Vermarktung von Lebensmitteln aus Südamerika müsse auf eine konsequente Herkunftsbezeichnung geachtet werden. „Sonst bekommen wir durch die Hintertür die schlechtere Ware, die wir ja nicht mehr wollen“, so Kerner. Als Stichworte nannte der Vorsitzende bei uns verbotene Pflanzenschutzmittel und Antibiotika.

Florian Weidelich aus Gemmingen zur Arbeit im Familienbetrieb: "Jeder kann sich individuell einbringen und trägt zum gemeinsamen Erfolg bei."
Florian Weidelich aus Gemmingen zur Arbeit im Familienbetrieb: "Jeder kann sich individuell einbringen und trägt zum gemeinsamen Erfolg bei."  Foto: Jörg Kühl

Im Heilbronner Teil des Kreisbauernverband Heilbronn-Ludwigsburg ist Getreide die wichtigste Kultur mir einer Anbaufläche von 41 Prozent. Gleich dahinter liegen die Dauerkulturen, zu denen der Wein zählt. Innerhalb der Sonderkulturen entfallen etwa 9500 Hektar auf Rebflächen. Die Tendenz ist allerdings seit einigen Jahren rückläufig. Gemüse und Küchenkräuter werden auf 1000 Hektar angebaut. Im Bereich der Tierhaltung ist die Arbeit mit Rindern dominierend. Die Zahl der Milchviehwirte ist in der vergangenen Dekade von 185 auf 138 zurückgegangen.

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