Bauern-Proteste bei Lidl: Das sagen Abgeordnete aus dem Raum Heilbronn zur Aktion
Die Landtagsabgeordneten aus der Region zeigen parteiübergreifend Verständnis für die Protest-Aktion der Bauern bei Lidl in Bad Wimpfen. Ihre Forderungen, was daraus folgen soll, unterscheiden sich jedoch.
Am Montag demonstrieren Bauern vor der Lidl-Zentrale in Bad Wimpfen. Auslöser war die erhebliche Preissenkung des Discounters bei Butter. Die Landtagsabgeordneten aus der Region zeigen Verständnis für den Protest.
FDP-Abgeordneter Heitlinger sieht Verantwortung nicht beim Handel
Der FDP-Abgeordnete Georg Heitlinger ist selbst Landwirt und erklärt, er habe für das Anliegen „vollstes Verständnis“. „Tatsächlich steht die eher kleinstrukturierte regionale Landwirtschaft im Südwesten unter enormem Druck. Die heutige Demonstration trifft aber die falschen: Der Lebensmitteleinzelhandel ist für die aktuell hohe Milchmenge am Markt und den daher fallenden Preisen nicht verantwortlich“, erklärt Heitlinger auf Anfrage.
Um ein wirtschaftliches Auskommen der Betriebe zu ermöglichen, müssten Auflagen, Vorgaben und Belastungen reduziert werden. Das betreffe besonders Berichts- und Dokumentationspflichten. Auch eine Vereinfachung der nationalen und europäischen Zulassungsverfahren biologischer wie konventioneller Pflanzenschutzmittel sowie den Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte müssten in den Blick genommen werden.
SPD-Abgeordneter Klaus Ranger fordert Stopp von Subventionen für „prekäre Geschäftsmodelle“
Auch der SPD-Abgeordnete Klaus Ranger aus Neckarsulm versteht die Not der Bauern. Er habe familiäre Verbindungen zur Landwirtschaft und „kenne die Sorgen aus erster Hand“. Wichtig sei, „dieses berechtigte Anliegen zu nutzen, um ernsthaft über faire Preise zu sprechen, statt Frust nur vor den Zentrallagern abzuladen“. Die Abhängigkeit vom konzerndominierten Handel müsse sinken, Subventionen sollten gezielt Umwelt-, Klima- und Tierschutzleistungen honorieren, „nicht prekäre Geschäftsmodelle subventionieren“.
Grünen-Abgeordnete Gudula Achterberg will Handel deutlich mehr in die Pflicht nehmen
Der Heilbronner Grünen-Abgeordneten Gudula Achterberg ist „gerade nach den Erfahrungen aus dem vergangenen Winter wichtig, dass die Proteste friedlich verlaufen“. Es sei klar, dass der Lebensmitteleinzelhandel stärker in die Pflicht genommen werden müsse – unter anderem, indem sie regionale Erzeuger besser unterstützen, um ihre wirtschaftliche Grundlage zu sichern. „Regionale Ware muss besser bezahlt werden als Importprodukte – aber eben nicht von den Verbrauchern, sondern vom Lebensmitteleinzelhandel.“ So würde die Gewinnspanne zwar kleiner werden, aber regionale Erzeuger würden profitieren, und die wolle man erhalten und unterstützen.
CDU-Abgeordneter Michael Preusch: CDU stehe hinter „unseren Landwirten“
Der CDU-Abgeordnete Michael Preusch betont, die CDU stehe hinter „unseren Landwirten“. Am Beispiel Butter werde deutlich, „dass mit dem Rohstoff Milch und dem Veredelungsprodukt Butter die Landwirte missbraucht werden, um die Verbraucher in die Läden zu locken“. Ein wichtiger Schritt zur Unterstützung der Landwirte sei die Wiedereinführung des Agrardiesels gewesen. Außerdem wolle man die Entbürokratisierung weiter fortführen.
Auch Dennis Klecker von der AfD findet die Proteste „verständlich". „Discounter bestimmen die Preise.“ Man müsse schauen, dass bei Bauern mehr Geld hängen bleibe. Er blickt mit Sorge darauf, dass immer mehr Bauern aufhören. Er sieht darin eine Gefahr: Es würden dadurch immer weniger Lebensmittel hier angebaut, um die Nachfrage der Verbraucher zu bedienen.“
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Kommentare
Günther Knapp am 16.12.2025 13:39 Uhr
Selbstverständlich ist es das Recht der "Bauern" zu demonstrieren! Bei manchen Ursachen für einen Preisverfall von landwirtschaftlichen Produkten sit aber auch zu berücksichtigen, wie manche Betriebe ihr Produkte und deren Erzeugung über "Jahrzehnte" steuerten. Gab es Bereiche mit denen man Geld verdienen konnte, wurde der Betrieb auf diese Produkte umstrukturiert. So war zu sehen, ein landwirtschaftlicher Erzeuger verdiente mit Schweinezucht Geld, steuerten in der selben zu viele auf diese Einnahmequelle um und drückten selbst die Verkaufspreise. So ist es auch in anderen Sparten, wie Geflügel, Eier, Milch oder Feldanbau (Weinbau). Überproduktionen drücken selkbstverständlich auch die Verkaufspreise. Wer im Handwerk würd am selben einen Handwerksbetrieb öffnen, wenn schon eine Vielzahl anderer das selbe Produkt herstellt? Den "kleiner Bauern", der im ländlichen Gebiet in Orten angesiedelt war, gibt es ohnehin schon lange nicht mehr!