Rausschmiss des Bahnchefs reicht nicht aus – Kritik aus Heilbronn und Hohenlohe
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) entlässt Bahnchef Richard Lutz. Für regionale Vertreter des VCD und Pro Bahn aus Heilbronn und Hohenlohe ist allein mit dieser Entscheidung nichts gewonnen.
Regionale Interessenvertreter des Schienenverkehrs versprechen sich von der Personalentscheidung des Bundesverkehrsministers Patrick Schnieder (CDU) keine Verbesserung im Schienenverkehr. „Ein Bahnchef hat zwar Leitungsfunktion“, sagt Hans-Martin Sauter, Vorstandsmitglied des Regionalverbands Hall-Heilbronn-Hohenlohe beim Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Aus seiner Sicht befindet sich aber der „das komplette Management im Bahnvorstand in einem desolaten Zustand“. Lauf dem VCD-Vorstandsmitglied müssten „mehrere Vorstandsmitglieder entlassen und durch Fachleute ersetzt werden“.
Knackpunkt für den maroden Zustand der Bahn sei die Reform Mitte der 90er Jahre. Damals sei die Bundesbahn in mehrere Geschäftsbereiche aufgespalten worden, die jede für sich vor sich hin wurstele, ohne einen funktionierenden Schienenverkehr im Blick zu haben. Maßgebliches Ziel sei es, dass jeder für sich schwarze Zahlen schreibe. Oft zu Lasten eines anderen Geschäftsbereich innerhalb des Konzerns.
Vertreter von Pro Bahn: Was der Bund der Bahn angetan hat, ist eine Katastrophe
Auch für Oliver Paul, Vorsitzender der Regionalgruppe Hohenlohe beim Fahrgastverband Pro Bahn, ist der momentane Zustand der Deutschen Bahn das Ergebnis von mindestens 20 Jahre verfehlter Politik. „Was der Bund der Bahn angetan hat, ist eine Katastrophe“, so Paul. Der Pro-Bahn-Vertreter erkennt zwar an, „dass das Land Baden-Württemberg mit Verkehrsminister Wilfried Hermann tut, was es kann“. Aber wenn der Bund als Eigentümer der Bahn sich zu wenig interessiere, könne auch das Land nicht viel erreichen.

Auch in der Region Hohenlohe werde nicht in Stellwerke, Personal, neue Schienen und Fahrzeuge investiert. „Wir haben aktuell Stellwerke aus den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts“, sagt Paul. Darüber hinaus fehle auf der Strecke Heilbronn-Würzburg der dringend benötigte zweigleisige Ausbau bei Möckmühl. In der Folge fielen immer wieder Züge aus. Oft in Tagesrandlage. Die Folge seien verärgerte Kunden, die dann nicht mehr mit der Bahn fahren. „Das ist ein Desaster“, so Paul.
VCD-Vertreter fordert eine langfristige Kostenstrategie über die Legislatur hinaus
Um den riesigen Investitionsstau bei der Deutschen Bahn überhaupt noch abbauen zu können, fordert Paul einen umfassenden Bürokratieabbau, eine damit verbundene Beschleunigung der Planungsprozesse, so dass „Investitionsmöglichkeiten geschaffen werden“. Der Vertreter von Pro Bahn befürchtet aber, dass auch der neue Bundesverkehrsminister den Schienenverkehr weiter „kaputtsparen“ werde, indem Strecken stillgelegt und Züge gestrichen würden.
Auch der Heilbronner Vertreter des VCD hat nicht viel Hoffnung auf eine grundlegende Besserung. Solange die Geschäftsbereiche der Deutschen Bahn nebeneinander her arbeiteten anstatt ein gemeinsames Konzept zu verfolgen, würde die Situation eher noch schlimmer. Sauter fordert deshalb, dass der Bund eine Kostenstrategie entwickelt, die sich nicht an der Legislaturperiode im Bundestag orientiert, sondern den Blick auf die kommenden 20 Jahre und länger richtet. „Kurze Zusagen können eine Infrastruktur nicht aufrechterhalten.“
Qualitätsbeauftragter der NVBW: Nur schwarze Zahlen ist keine tragfähige Strategie
Auch Matthias Lieb, Qualitätsbeauftragter der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW), verspricht sich von dem personellen Wechsel an der Spitze der Bahn keine Verbesserung. Entscheidend ist aus seiner Sicht, dass sich der Bund zu seinem Eigentum Deutsche Bahn bekenne und endlich eine klare Strategie entwickle.
Für Ende September hat der Bundesverkehrsminister eine Strategie für die Schiene angekündigt. Diese dürfe sich aus Sicht des Qualitätsbeauftragten des NVBW nicht darauf beschränken, schwarze Zahlen zu schreiben. Notwendig sei vielmehr, eine langfristig angelegte Modernisierung mit Finanzmitteln auszustatten und dabei die Priorisierung so festzulegen, dass Engpässe beseitigt würden.
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