Im Bad Wimpfener Hotel und Restaurant „Neues Tor“: Azubis übernehmen für einen Abend die Regie
Von der Planung bis zur Rechnung: Anfang März können sich Gäste im Hotel und Restaurant „Neues Tor“ in Bad Wimpfen zu einem Abend anmelden, an dem die Azubis das Regiment übernehmen. Die Ausgelernten und Geschäftsführer müssen sich zurücknehmen.

Im Bad Wimpfener Hotel und Restaurant „Neues Tor“ geht man gerne neue Wege. Und Auszubildende sollen auch dadurch lernen, „dass sie mal Verantwortung übernehmen und sich beweisen können“, sagt Gastronomieleiter Julian Knuth (54). Daher sei man auf die Idee gekommen, einen Abend auszurichten, an dem die Regie in der Küche ausschließlich bei den Azubis liegt. „Alles nur von uns“, heißt es in einem Flyer, in dem der besondere Abend von den Azubis angekündigt wird. Man könne live erleben, „was unser Nachwuchs kann“.

Seit Wochen schon planen die Nachwuchs-Köche nun auf das Event hin, genauso wie das Servicepersonal in Ausbildung. In einer eigens dafür gegründeten WhatsApp-Gruppe werden Details besprochen. Die Kochlehrlinge haben sich auf ein dreigängiges Menü geeinigt. Nils Maier (24) aus Flein berichtet, die Idee sei, dass sie als Azubis das Menü mit ihrer Kindheit verknüpften und mit ihren unterschiedlichen Herkunftsländern in Europa. Der angehende Koch im dritten Lehrjahr verrät: Die Vorspeise soll die vor allem in Osteuropa und Russland bekannte Suppe Borschtsch sein, als Hauptspeise wird es „klassisch deutsch“ Schweinefilet mit handgeschabten Spätzle geben und als Dessert Künefe, ein türkisches warmes Dessert mit Quark und Engelshaar.
Gesunde Nervosität vor dem Abend in Eigenverantwortung: „Küchenstress“ sei immer da, sagt Azubi Paul Geiger
Die Azubis blicken mit Vorfreude auf den Abend, wenngleich sie zugeben, etwas nervös zu sein. Aber der „Küchenstress“, der sei ja immer da, auch im Alltagsbetrieb, sagt Paul Geiger (18) aus Ilsfeld, Koch im ersten Lehrjahr. Da man im Neuen Tor Wert legt auf eine intensive Vorplanung, kann das Selbstbewusstsein aber schon vor dem eigentlichen Event wachsen. Das Menü wird testgekocht. Um am Azubi-Abend „das größte Desaster zu vermeiden“, sagt Paul Geiger und lacht.
Es wird von Azubis ausgeklügelte Apéritifs geben, und auch die Weinempfehlung stammt von ihnen. Im Restaurant gibt es eine Art Eventraum mit offener Küche, die sogenannte Brunnenstube, dort wird der Abend ablaufen. „Es wird so ein bisschen sein wie bei einer Tim-Mälzer-Liveshow“, sagt Julian Knuth. Die Gäste werden alle gemeinsam an einem langen Tisch sitzen. Die Azubis werden sich und ihre Ideen vorstellen, und es wird sogar einen Conférencier geben, der am Freitag, 6. März, locker durch den Abend führt. 26 Gäste finden maximal Platz, die Hälfte der Plätze sei schon reserviert, sagt Azubi Maier. Es gehe so gegen 18 Uhr los „bis Open End“. An ungewöhnliche Arbeitszeiten seien sie ja schon gewöhnt, berichten die Lehrlinge.

Angehender Koch Nils Maier: Einfach toll, „dass man was umsetzen kann, was man sich hier in zweieinhalb Jahren erarbeitet hat“
„Das ganze Ding liegt in eigener Verantwortung unserer Auszubildenden“, sagt Geschäftsführer Knut-Philip Möller (54). „Es ist das allererste Mal für sie ohne Einfluss von außen.“ Bei einer Koch- und Restaurantfach-Ausbildung sei es ein bisschen wie bei der Führerscheinprüfung. „Man braucht Fahrstunden, um dann irgendwann mal seinen Lappen zu bekommen.“ Azubi Maier schätzt es, dass ihnen Verantwortung übertragen wird. Es sei einfach toll, „dass man was umsetzen kann, was man sich hier in zweieinhalb Jahren erarbeitet hat“.
Gastronomieleiter Knuth und Geschäftsführer Möller betonen, welchen Wert sie auf eine gute Ausbildung legen. Die Azubis erhalten zahlreiche Möglichkeiten zu Fortbildungen, besuchen Messen, haben im Anschluss an ihre Lehrjahre viele Optionen. Nils Maier zum Beispiel hat die Sterneküche im Blick.

Die Idee im Neuen Tor: Nach der Ausbildung gerne mal vom Nest hinaus in die weite Welt
Julian Knuth sagt: „Ich bin der Typ, der Azubis gerne aus dem Nest rauswirft.“ Nach der Ausbildung steht ihnen die Welt offen. Der Nachwuchs sehe dann auch, wie es andernorts zugehe. Der Ton in der Küche ist im Allgemeinen rau. „Wir in Bad Wimpfen sind da die Netten“, sagt Knuth. Derzeit beschäftigen sie in Hotel und Restaurant neun Auszubildende, die sich optional Zusatzqualifikationen wie Hotel- und Restaurantmanagement erarbeiten oder sich im Bereich der Küche auf etwas spezialisieren können, wie zum Beispiel auf vegane Küche. Man hätte gerne noch mehr Azubis, sagt Knuth - aber nicht für jeden ist das etwas. Manche springen ab. „Viele finden sich schnell in der Realität wieder.“
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