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Traditionelles Salmenmahl

Bad Wimpfen pflegt beim Salmenmahl Tradition und Austausch

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Beim traditionellen Salmenmahl in Bad Wimpfen spricht Festredner Steffen Jäger, Präsident des Gemeindetags Baden-Württemberg, über Verantwortung, Realismus und Zusammenhalt – und über Kommunen, die zwischen steigenden Aufgaben und knappen Ressourcen stehen.

von Ute Plückthun
Bürgermeister Andreas Zaffran hatte Gemeindetagspräsident Steffen Jäger (rechts) als Festredner zum zwölften Salmenmahl eingeladen.
Bürgermeister Andreas Zaffran hatte Gemeindetagspräsident Steffen Jäger (rechts) als Festredner zum zwölften Salmenmahl eingeladen.  Foto: Ute Plückthun

Bei einem guten Essen den Horizont erweitern: Zum Salmenmahl kamen erneut „in festlicher Runde Persönlichkeiten, die sich Bad Wimpfen verbunden fühlen und für die Stadt eine besondere Bedeutung haben, zum Austausch bei einem Essen zusammen“. So erklärte es Bürgermeister Andreas Zaffran zur zwölften Auflage des traditionellen Treffens. 

In einem Ratsprotokoll vom 28. Juni 1624 wurde das Treffen, zu dem die Räte der Reichsstadt Wimpfen zusammengekommen waren, zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Der seinerzeit im Neckar weit verbreitete Lachs, auch Salm genannt, kam von den mit den Fischereirechten ausgestatteten Apostelfischern.

Bad Wimpfener Salmenmahl soll besondere reichsstädtische Tradition pflegen

Beim gemeinsamen Speisen soll auch der Horizont erweitert werden. „Mit dem Salmenmahl wollen wir die besondere reichsstädtische Tradition pflegen: Selbstbewusstsein, Selbstverantwortung, Demokratieverständnis, Verantwortungsbewusstsein für das kulturelle und kulturhistorische Erbe und damit nicht zuletzt Motivation für das dringend erforderliche Engagement zur Stärkung der Stadt“, spannte Zaffran den Bogen zu Festredner Steffen Jäger, seit 2021 Präsident des Gemeindetags Baden-Württemberg.

Der Gemeindetag, so Zaffran, sei „die Interessensvertretung der Kommunen in allen Belangen“ und Steffen Jäger der „Chefdiplomat und Chefmahner, der den Finger in die Wunde legt, wenn die Schere zwischen Aufgaben und Finanzen zu weit auseinandergeht“.

In Städten und Gemeinden „wird Politik konkret“

In Zeiten immer erdrückenderer Herausforderungen sei er  ein „Verteidiger der kommunalen Selbstverwaltung und ein Brückenbauer, der es versteht, die komplexen Nöte und Sorgen der Städte und Gemeinden in klare politische Forderungen zu übersetzen“.

Jäger selbst stellte seine Rede unter den Titel „Verantwortung, Realismus, Zusammenhalt – Kommunen in herausfordernden Zeiten“. Städte und Gemeinden kennzeichnete er als „eigentliche Orte der Wahrheit, weil sie Orte der Wirklichkeit sind“. Hier werde Politik konkret. „Nur wenn dort erfolgreich umgesetzt werden kann, was im Gesetzbuch angelegt ist, wird unser Staatswesen in der Wirklichkeit der Menschen auch als erfolgreich wahrgenommen.“

Keine Verbesserung ohne grundlegende Änderungen

Ihre Wirklichkeit bei politischen Entscheidungen mitzudenken, sei deshalb unabdingbar. Fakt sei aber, dass die Kommunen von der Substanz lebten, Investitionen verschoben und Rücklagen aufgebraucht würden, der Investitionsspielraum spürbar enger werde. Ohne grundlegende Veränderungen verbessere sich die Lage nicht.

„Zu kleinteilig, zu misstrauisch, zu langsam“: 22 Prozent der Arbeitszeit flössen in Berichtspflicht oder Formulare. Auch humorvolle Beispiele fehlten nicht: das frühere Ankreuz-Kästchen, bei dem ein Antragsteller versichern musste, kein Terrorist zu sein, oder der Hinweis, dass PV-Pflicht für unterirdische Bauten nicht bestehe. „Bürokratie ist aber nicht das alleinige Übel“, merkte Jäger an. Ohne mehr Geld und Personal „muss man über Prioritäten sprechen“.

„Demokratie ist kein Bestellshop“

Nachdenklich stimme, wenn in keinem Land so wenig gearbeitet werde wie in Deutschland, sagte Jäger. Wichtig seien Verantwortung, Eigenverantwortung und mehr Bewusstsein dafür, dass jeder zum Gelingen der Gemeinschaft das beitrage, was er zu leisten imstande sei. Wohlstand sei durch Leistung und Arbeit, nicht durch eine Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich, erarbeitet worden. „Die Demokratie ist kein Bestellshop“, machte er klar. „Ein funktionierendes Gemeinwesen lebt davon, dass Verantwortung geteilt wird zwischen Staat und Bürgern, zwischen Politik und Gesellschaft.“

Dies gelte besonders vor Ort in den Kommunen, die den Löwenanteil an Daseinsvorsorge leisten würden, verwies Jäger unter anderem auf die Wasserversorgung und das Straßennetz, aber auch auf Schulen, Kitas, Kultur- und Sportstätten. „Starke Kommunen sind unersetzliche Fundamente für eine gute gemeinsame Demokratie“, unterstrich er. Dazu gehöre, den Verantwortungsträgern mehr zu vertrauen als denen, die nur dagegen sind, und ein Land zu sein, „in dem der Wille zur Lösung größer ist als die Freude zur Empörung“.

Bürgermeister Andreas Zaffran hatte Gemeindetagspräsident Steffen Jäger (rechts) als Festredner zum zwölften Salmenmahl eingeladen.
Bürgermeister Andreas Zaffran hatte Gemeindetagspräsident Steffen Jäger (rechts) als Festredner zum zwölften Salmenmahl eingeladen.  Foto: Ute Plückthun
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