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Führung auf der Burg Stettenfels
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Aus der mittelalterlichen Burg Stettenfels wurde ein Renaissance-Schloss

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Die Burg von Untergruppenbach hatte im Laufe der Jahrhunderte viele Besitzer, die viel veränderten. Ortshistoriker Friedrich Eisenmann zeigt beim Rundgang auch die Kapelle und den Sturmfederturm.

Die Teilnehmer des Lesersommers genießen den Ausblick in die Landschaft und auf die anderen Burgen im Schozach- und Bottwartal.
Die Teilnehmer des Lesersommers genießen den Ausblick in die Landschaft und auf die anderen Burgen im Schozach- und Bottwartal.  Foto: Ralf Seidel

Das Panorama ist beeindruckend: Der Blick weitet sich in eine sattgrüne Landschaft in der Spätnachmittagssonne. Zu sehen sind neben den Ortschaften der Wunnenstein und die Burgen im Schozach- und Bottwartal, nicht weit voneinander entfernt: Lichtenberg in Oberstenfeld, Langhans in Beilstein, Ruine Helfenberg und Wildeck in Abstatt. In den Löwensteiner Bergen bilden die Zeugen der Moderne, die Windräder, einen Kontrast zu den historischen Bauten. Zu diesen zählt die Burg Stettenfels in Untergruppenbach, auf der sich knapp 30 Teilnehmer am Freitag zu einer Führung beim Lesesommer der Heilbronner Stimme versammeln. Höhepunkte sind die fast Rundum-Ausblicke aus den Sälen, dem Turm oder eben von der Terrasse. Da werden eifrig die Smartphones gezückt.

„Ich war in Räumen, in denen ich sonst noch nie war“, zieht nicht nur Reiner Bahm ein positives Fazit nach den eineinhalb Stunden, in denen es mit Friedrich Eisenmann, dem Untergruppenbacher Ortshistoriker, treppauf und treppab, durch kleine und große Bogentüren geht. Unbekanntes Terrain für Bahm aus Stockheim ist neben der Kapelle auch der Sturmfederturm, benannt nach Burkhard Sturmfeder, der 1356 das Anwesen von zwei Heilbronner Bürgern kaufte. Das war die erste urkundliche Erwähnung der Stettenfels.


Das Angstloch führte ins Gefängnis

Über den Besuchern befinden sich zwei weitere Etagen, unter der Erde ebenfalls. Die unterste Etage war das Gefängnis. „Da ging keine Tür hinein, nur das Angstloch“, weiß Eisenmann.

Was erstaunt, ist, dass nur die Burggräben und deren Mauern, die aus den ausgebuddelten Steinen errichtet wurden, aus dem Mittelalter stammen. Der 80-jährige Ortshistoriker weist darauf hin, dass viele der Besitzer auf der langen Liste die Stettenfels, die auf der Bergspitze thront, nach ihrem Gusto umbauten oder so einrichteten, wie sie sich das Mittelalter vorstellten. „Überraschend war das Flickwerk“, meint denn auch Rudibert Echtenacher aus Schwaigern. „Man weiß einfach zu wenig“, merkt Eisenmann immer wieder an.

„Hier haben wir geheiratet“, stellt Andreas Sieß aus Bad Rappenau fest, als es in den Herzogsaal geht. Für seine Frau Corinna Sieß-Grunert ist die Burg ein Ort ihrer Kindheit, stammt sie doch aus Untergruppenbach, wo sie in der Schule Friedrich Eisenmann als Musiklehrer hatte. Dieser freut sich über diese überraschende Begegnung und klärt auf, dass der Herzogsaal die „Garage“ gewesen sei. Denn typisch für ein Renaissance-Schloss, in das die Burg unter den Fuggern im 16. Jahrhundert verwandelt wurde, seien die befahrbaren Räume im Erdgeschoss gewesen. Der zweite Bogen über der heutigen Tür verdeutlicht die ursprüngliche Einfahrt für Kutschen.

Blick in einer der Gärten an der Burgmauer. Heute blühen hier Rosen, in der Zeit der Fugger war dies der Tulpengarten des Schlosses.
Blick in einer der Gärten an der Burgmauer. Heute blühen hier Rosen, in der Zeit der Fugger war dies der Tulpengarten des Schlosses.  Foto: Ralf Seidel

Tulpen waren wertvoller als Rosen

Heute blühen Rosen in einem der gepflegten Gärten. Unter den Fuggern sei das jedoch der Tulpengarten gewesen. „Die waren damals wesentlich wertvoller“, sagt Eisenmann, der Vorsitzender des Untergruppenbacher Heimatvereins ist.

Über die repräsentative Barock-Treppe geht es hinauf in die herrschaftlichen Räume, vorbei am Porträt von Anton Fugger, in den Fuggersaal. Diese letzte echte Adelsfamilie unter den Besitzern, so Eisenmann, habe das Schloss reichhaltig ausgestattet, etwa mit seidenen Teppichen. Und sie habe alles mitgenommen, als 1747 Herzog Carl Eugen von Württemberg die Herrschaft kaufte. Deckenmalereien sucht man vergeblich in den Räumlichkeiten. Aber es gibt sie. Über der Kassettendecke im Fuggersaal sei eine zweite, bemalte Decke versteckt, berichtet der kundige Führer. Er erzählt auch, dass die US-Amerikaner, die nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 die Vermögensverwaltung inne hatten, angeblich die Holzböden im eiskalten Winter 1945/46 in den Kaminen verfeuert hätten.

Zum Innenhof über schmale Renaissance-Wendeltreppe

Zurück zum Ausgangspunkt, dem Innenhof mit dem Brunnen, geht es über die schmale Renaissance-Wendeltreppe, die nach dem Umbau zum Schloss der einzige Auf- und Abgang in den ersten Stock gewesen sei. „Ein gutes Maß an Details“, bescheinigt Andreas Sieß der kurzweiligen Führung. „Es war wunderschön, wie alle Veranstaltungen der Heilbronner Stimme“, lobt Charlotte Rohlik aus Leingarten.

Bildergalerie www.stimme.de

Die Burg Stettenfels war am längsten im Besitz der Fuggers, fast zwei Jahrhunderte lang von Mitte des 16. bis Mitte des 18. Jahrhunderts. 1994 erwarb Roland Weimar aus Flein die Stettenfels. Heute ist sie ein Ort der Kultur mit Konzerten, Märkten und den Burgfestspielen sowie ein Ort der Events mit Hochzeiten. 

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