So unterscheidet sich Tapinoma magnum von der WegameiseDie Tapinoma magnum hat einen glänzenden, schwarzen Körper und gilt mit einer Größe von circa 3,5 Millimetern als nicht besonders groß. Besonders auffällig ist, dass sie in großer Anzahl auftritt und die Tiere sich sehr schnell bewegen, erklärt Biologe Dieter Veile. Das unterscheide die Art neben Details im Körperbau – wie zum Beispiel eine Kerbe an der Vorderseite des Kopfschildes – von der heimischen Wegameise. Eine weitere Eigenschaft der Tapinoma magnum ist der unangenehme Geruch nach ranziger Butter, den das Insekt absondert, wenn es sich bedroht fühlt oder wenn man es zerreibt. Laut Regierungspräsidium Stuttgart unterliegt die Art nicht der "Invasive Arten Verordnung der Europäischen Union" (EU-VO 1143/2014). Die Art werde aber vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) als „potentiell invasiv“ eingestuft und auf der Beobachtungsliste der gebietsfremden Arten geführt.
Invasiv-Ameise verursacht große Probleme – Tapinoma magnum erreicht offenbar Raum Heilbronn
In Kehl verursachte sie bereits Strom- und Internetausfälle. Der Kampf gegen die invasive Ameisenart Tapinoma magnum scheint aussichtslos zu sein. Einen Fund gibt es wohl auch im Raum Heilbronn.
Im badischen Kehl sorgt ein kleines Tier bereits seit einem Jahr für große Probleme: Die Ameisen der Art Tapinoma magnum drangen bereits in Häuser ein, lösten Ausfälle von Strom und Internet aus, zerstörten Fugen von Gartenmauern und bevölkerten Spielplätze. Die Schäden im öffentlichen Raum, aber auch bei Privatleuten sind der Stadt Kehl zufolge beträchtlich.
Ameisenplage in Kehl: Superkolonie mit Millionen von Insekten
Die Bekämpfung der ursprünglich aus Nordafrika stammenden Art gestaltet sich schwierig und kostspielig. Der Grund: Die Ameisen bilden Zusammenschlüsse einzelner Kolonien. Diese sogenannten Superkolonien mit Millionen von Tieren können sich über mehrere Quadratkilometer erstrecken.
Die Stadt Kehl bekämpft die Ameisen bereits seit vergangenen Herbst – zunächst mit maisstärkehaltigem Heißschaum. Doch diese Maßnahme zeigte kaum Wirkung – die Ameisen vermehrten sich weiter explosionsartig.
In Kehl-Marlen gibt es auf einer Fläche von mehreren Hektaren eine Superkolonie. Die Nester befinden sich bis zu einem Meter tief in der Erde, was die Bekämpfung schwierig macht. Erst vor wenigen Wochen musste die Verwaltung einen Spielplatz im Stadtteil sperren, nachdem die Krabbeltiere die Flächen und Geräte in Beschlag genommen und sich der Pflasterbelag wegen Unterhöhlungen gesenkt hatte. Auch auf einem Spielplatz im Stadtteil Neumühl haben sich die Ameisen ausgebreitet.
Kampf gegen lästige Ameise: Gerät pumpt kochend heißes Wasser in Bauten
Inzwischen hat die Stadt ein eigenes Gerät zur Bekämpfung der Plagegeister angeschafft, nachdem zuvor ein Schädlingsbekämpfer aus Darmstadt beauftragt worden sei, berichtet Pressesprecherin Annette Lipowsky. Mit dem Gerät werde zum Teil mehrmals wöchentlich kochend heißes Wasser in die Nester eingeleitet. Die Maßnahme scheint die weitere Ausbreitung zumindest eingedämmt zu haben, berichtet sie.
Die Stadt fühlt sich mit der Ameisenplage alleingelassen und bemängelt das Fehlen einer gemeinsamen und nachhaltigen Strategie zur Bekämpfung. "Jeder geht nach dem Prinzip Trial and Error vor."

Ameisenart bereits mehrfach in Baden-Württemberg nachgewiesen
Die invasive Ameisenart ist in der Vergangenheit bereits andernorts nachgewiesen worden. Laut dem baden-württembergischen Umweltministerium ist Tapinoma magnum im Südwesten seit 2009 an verschiedenen Orten dokumentiert. Das Staatliche Museum für Naturkunde Karlsruhe führt demnach Funde in Weinheim (Jahr: 2016), Lörrach-Hagen (2017), Karlsruhe (2018), Heidelberg und Ketsch (2020) und Nähe Stuttgart (2022) auf. Zudem gebe es ein Vorkommen in Schutterwald (Ortenaukreis). Der jüngste bekannte Nachweis erfolgte nun in der Gemeinde Kämpfelbach (nordwestlich von Pforzheim) im Enzkreis, wie die Deutsche Presseagentur am Dienstag berichtete.
Auch in Rheinland-Pfalz sorgt Tapinoma magnum für Ärger. Im Sommer sah sich die Verbandsgemeinde Herxheim mit der massiven Ausbreitung der Ameise konfrontiert. Laut einem Fachgutachten habe sich in der Ortsmitte eine Superkolonie gebildet, berichtete die Kommune im Sommer auf ihrer Webseite.
Siedelt sich Tapinoma magnum auch in der Region Heilbronn an?
Unterdessen könnte ein Fund das Vorkommen der Ameise im Landkreis Heilbronn belegen. Der Diplom-Biologe Dieter Veile hat im Weinsberger Tal Exemplare gesichtet und ist überzeugt davon, dass es sich um die Art Tapinoma magnum handelt. Wo genau der mögliche Fundort war, möchte der Obersulmer, der beruflich artenschutzrechtliche Gutachten erstellt, nicht sagen.
Um seinen Fund zu belegen, hatte er zur Abklärung ein Foto der Ameise an das Landratsamt Heilbronn geschickt. Die Behörde leitete die Nahaufnahme an das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) weiter, das für invasive Arten zuständig ist. Das RP betraute über das Umweltministerium Baden-Württemberg den Ameisenexperten Dr. Manfred Verhaagh vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe mit der Prüfung. Nach Sichtung der Aufnahme kommt der Insektenforscher zum Schluss, dass es sich um die Gattung Tapinoma handelt, teilte die Pressestelle des RP auf Stimme-Nachfrage mit.
Um die Art zweifelsfrei identifizieren zu können, sei allerdings noch eine Frontalansicht des Kopfes notwendig. "Der Fundort und die Expertise des Biologen deuten aber darauf hin, dass es sich vermutlich um Tapinoma magnum handelt", so das RP. Das wäre ein Novum, denn die eingewanderte Art wurde in der Vergangenheit weder in Stadt- und Landkreis Heilbronn noch im Hohenlohekreis gesichert nachgewiesen.
Tapinoma magnum: Biologe aus Obersulm befürchtet Aussterben anderer Arten
Veile glaubt, dass Tapinoma magnum große Schäden im Ökosystem hinterlassen kann. Vor allem für heimische Insekten sieht der 64-Jährige eine Bedrohung, die sogar lokal zum Aussterben einzelner Arten führen könne.
Nach bisherigem Kenntnisstand des RP verdrängt Tapinoma magnum andere heimische Ameisenarten. Da die Art bisher nur innerhalb bebauter Gebiete auftrete, werde die Beeinträchtigung der heimischen Ameisenfauna noch als gering angesehen. Superkolonien hätten aber einen hohen Nahrungsbedarf, so dass davon auszugehen sei, dass zahlreiche heimische Insektenarten, die ins Beutespektrum fallen, erbeutet werden. Welche Auswirkungen dies auf die Populationen einzelner heimischer Arten in bebauten Gebieten hat, ist dem RP bisher nicht bekannt.
Invasive Ameise: Nur sofortige Bekämpfung kann Ausbreitung stoppen
Tapinoma magnum wird über die Erde in mediterranen Topfpflanzen eingeschleppt. Laut RP erfolgen erste Nachweise meist im Umfeld von Gartencentern oder Gärtnereien. Bisher gebe es keine Hinweise darauf, dass sich die Art im Bereich außerhalb von Wohnsiedlungen etabliert. Initialvorkommen wie vermutlich im Weinsberger Tal sollten jedoch – sofern sie überhaupt entdeckt werden – umgehend bekämpft werden, denn dann bestehe noch eine Chance auf eine vollständige Beseitigung. Haben sich wie in Kehl Superkolonien auf mehreren Hektar etabliert, gäbe es bislang keine Möglichkeiten, diese wieder nachhaltig und dauerhaft zu beseitigen.
Von den Maßnahmen zur Bekämpfung der Ameisen in Kehl ist Veile nicht überzeugt. "Das ist wie Gitftköder hier in der Kanalisation auszulegen, und zu meinen, dass Ratten in Stuttgart daran sterben." Der Biologe glaubt, dass die Eindringlinge unter Mithilfe der Bevölkerung erfolgreich bekämpft werden können. Wie seine Methode im Detail aussieht, will er noch für sich behalten. Ein möglicher Testversuch könnte im Weinsberger Tal stattfinden, sollte sich das Tier dort ausbreiten.
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