Am Bächle in Happenbach entsteht neuer Lebensraum für Natur und Mensch

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Die Renaturierung des Happenbachs im gleichnamigen Abstatter Teilort ist so gut wie abgeschlossen. 400.000 Euro kostet die Ausgleichsmaßnahme fürs Wohngebiet.

Die Landschaftsarchitekten Jochen Roos (links) und Lara Heinisch freuen sich gemeinsam mit Abstatts Bauamtsleiter Tm Breitenöder über die gelungene Renaturierung des Happenbachs.
Die Landschaftsarchitekten Jochen Roos (links) und Lara Heinisch freuen sich gemeinsam mit Abstatts Bauamtsleiter Tm Breitenöder über die gelungene Renaturierung des Happenbachs.  Foto: Claudia Kostner

„Für eine Ortsmitte ist es außergewöhnlich, dass man so ein kleines Bächle renaturieren kann. Meistens ist zu wenig Platz“, sagt Jochen Roos. Deshalb freut sich der Chef des Büros Roosplan aus Backnang ganz besonders darüber, dass der Happenbach im gleichnamigen Abstatter Teilort auf 400 Metern Länge jetzt nicht mehr schnurgerade und zugewuchert vor sich hinfließt. „Der Happenbach ist jetzt wieder sicht- und erlebbar“, ist auch Bauamtsleiter Tim Breitenöder zufrieden.

400.000 Euro kostet die Renaturierung, die als Ausgleichsmaßnahme für die Wohnbebauung im Geltungsbereich des Bebauungsplans „Ortsmitte Happenbach, südlich der Hauptstraße“ seit November 2024 umgesetzt wird. „Das Bächle war gradlinig, dicht am Weg, hatte steile Uferabbrüche und war stark belastet“, beschreibt Jochen Roos die Ausgangslage. 

Die jüngsten Anwohner haben den Happenbach schon als Erlebnisraum für sich erobert.
Die jüngsten Anwohner haben den Happenbach schon als Erlebnisraum für sich erobert.  Foto: Claudia Kostner

Uferaue des Happenbachs als Vernetzungselement und Pufferzone

„Beim Bach denkt man immer nur ans Wasser, aber es geht auch um die Uferaue“, so der Landschaftsarchitekt und Stadtplaner. Gewässerrandstreifen müssen innerorts eigentlich fünf Meter, außerorts zehn Meter breit sein. „Diese haben wichtige Filter- und Pufferfunktionen für Pestizide aus der Landwirtschaft.“ Sie seien aber auch ein Vernetzungselement für die Natur, Wanderkorridor für Tiere und natürlicher Erlebnisraum für Menschen.

Durchgängig war das beim Happenbach aus Platzgründen zwar nicht möglich, „aber wir haben rausgeholt, was ging, und ihn fast überall mäandrieren lassen“, erklärt Jochen Roos. Verabschieden musste er sich beispielsweise von der Idee, den Durchlass von der Enten- zur Bachstraße zu erneuern und mit natürlichen Sohlsubstrat aufzufüllen, um Fischen ein besseres Durchwandern zu ermöglichen. „Bei den Bauarbeiten hat sich gezeigt, dass dort unten sehr viele Leitungsstränge für Abwasser, Glasfaser oder Strom liegen“, sagt Tim Breitenöder.

Mitarbeiter der Firma Benignus GmbH aus Backnang erledigen letzte Arbeiten. Das Ablaufgitter dient dem Hochwasserschutz.
Mitarbeiter der Firma Benignus GmbH aus Backnang erledigen letzte Arbeiten. Das Ablaufgitter dient dem Hochwasserschutz.  Foto: Claudia Kostner

Stabilität durch Muschelkalksteine und Wurzelstuppen

„Im Vorfeld musste jede Menge Gehölz entfernt werden, auch standortfremdes“, blickt Roosplan-Mitarbeiterin Lara Heinisch zurück. Ein Vielfaches sei dafür neu gepflanzt worden – natürlich heimische Gewächse. Mit Samen einer Ufersaum-Feuchtwiesenmischung soll eine Hochstaudenflur entstehen. Schwarzerlen, Feldahorn, Haselnuss, Blutweiderich oder Mädesüß werden künftig am Bachufer zu finden sein.

Für Stabilität des neuen Bachverlaufs sorgen Strukturelemente wie kleine Mauern aus Muschelkalksteinen oder Wurzelstuppen, die auch Fischen – bisher lebt im Happenbach nur der Dreistachlige Stichling – oder kleinen Säugetieren als Unterschlupf dienen können, erklärt Lara Heinisch. 

Aber nicht nur an die Natur, auch an den Hochwasserschutz haben Planer und Gemeinde gedacht. Immer wieder wurden in der Vergangenheit Keller überflutet, wenn bei Starkregen Wasser und Schlamm von den Meisenäckern über die Hauptstraße (L1111) in die Bachstraße geflossen sind. Eine Rinne und eine kleine Erhöhung am Eingang zur Bachstraße sollen Abhilfe schaffen, auf der anderen Seite nahe des Bolzplatzes wurde ein kleiner Erdwall aufgeschüttet.

„Jetzt könnte der nächste Abschnitt kommen“, wünscht sich Jochen Roos. „Erklärtes Ziel der EU ist es, Gewässerdurchgängigkeit wieder herzustellen, damit die Fische von oben nach unten wandern können.“

Der Bebauungsplan „Ortsmitte Happenbach, südlich der Hauptstraße“ stammt aus dem Jahr 2002. Eines der Ziele war es, im Bereich des Happenbachs eine möglichst große und zusammenhängende Grünfläche schaffen und sichern zu können. Der größte Teil davon sollte dazu dienen, dem Bach wieder einen natürlicheren Verlauf zu ermöglichen, ihn in seiner Ausdehnung wieder in den Ort zu integrieren und erlebbar zu machen.  

Das Gebiet hat insgesamt eine Größe von 4,59 Hektar. Der größte Teil des Geltungsbereichs war zum damaligen Zeitpunkt bereits bebaut (2,32 Hektar). Lediglich zwei Bereiche im Wiesenweg und in der Entenstraße (0,88 Hektar) wurden in den vergangenen fünf Jahren neu erschlossen. Dabei sind etwa 18 neue Bauplätze entstanden. Die Restfläche teilt sich auf in Verkehrsanlagen und Grünflächen.

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