Zustimmung zur Nutzungsänderung in Eberstadt war alternativlos

  
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Alles andere als ein Ja des Eberstädter Gemeinderates zur WG-Nutzungsänderung wäre unsinnig gewesen, findet unsere Autorin.

Trauben werden weiterhin am WG-Standort in Eberstadt angenommen und verarbeitet. Aber das Areal soll verkauft werden. Die Weingärtnergenossenschaft wird dann Mieter, so der Plan.
Trauben werden weiterhin am WG-Standort in Eberstadt angenommen und verarbeitet. Aber das Areal soll verkauft werden. Die Weingärtnergenossenschaft wird dann Mieter, so der Plan.  Foto: Kunz, Christiana

Ein großes WG-Areal mit viel Nutzfläche nahe der Wohnbebauung soll verkauft werden – nachvollziehbar, dass die Gemeinde ein Auge darauf hat, was dort möglich ist, und dass Bürgermeister und Bauamtsleiter nicht müde werden, öffentlichkeitswirksam auf die Planungshoheit der Kommune zu verweisen. Andererseits hatte der Gemeinderat bei Lichte betrachtet gar keine andere Wahl, als einer Nutzungsänderung zuzustimmen, die eine Grundlage für den Verkauf der Liegenschaft ist. Hätte sich das Gremium verweigert, hätte es den Winzern vom Weinsberger Tal die Zukunft verbaut. Es hilft nichts, bei diesem nicht nur nutzungsrechtlich relevanten, sondern auch hochemotional besetzten Thema dem Gestern hinterherzutrauern, wenn die Not im Weinbau groß ist und eine der wenigen Überlebenschancen in der Konzentration liegt. Und: Man muss froh sein, dass überhaupt jemand Kaufabsichten hat. Investoren stehen in diesen flauen Zeiten nicht gerade Schlange.

Im Ratsrund wird befürchtet, dass Eberstadt mit dem Verkauf des WG-Standortes seinen Charakter als Weinbauort verliert. Wirklich nachvollziehbar ist diese Angst nicht. Es wird ja weiterhin Wein in Eberstadt produziert, nur dass das Areal einem anderen gehört. Wenn die Gemeinde das Gelände gekauft hätte, wäre es nicht anders gewesen – hätte man dann auch von Identitätsverlust gesprochen?

Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, wie es im Weinbau weitergeht: Mehr und mehr Nebenerwerbs- und Kleinbetriebe werden aufgeben. Für die größeren wird es nicht lukrativ sein, freie Flächen zu übernehmen. Insofern wird sich die Identität Eberstadts als Wengerterdorf in der Tat ändern – aber nicht, weil eine Liegenschaft den Besitzer wechselt, sondern weil eine Kulturlandschaft zu verbuschen droht.

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