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Weniger Umsatz in Gastronomie: „Januar ist schlechtester Monat im Jahr“

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Zu Jahresbeginn trinken die Menschen weniger Alkohol. Das bekommen Getränkehändler, Weinbaubetriebe und Bierbrauer zu spüren. Woran das liegt und welche Rolle der „Dry January“ spielt.


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Viele Menschen nehmen sich gute Vorsätze für das neue Jahr vor: Gesünder leben, weniger Alkohol, weniger Fleisch, weniger Süßigkeiten und mehr Bewegung. Die Rede ist dann von einem „Dry January“ oder „Veganuary“. Was ein Suchtexperte von dem guten Vorsatz hält, hat die Heilbronner Stimme bereits berichtet. 

Machen sich Getränkebranche und Gastronomie Sorgen wegen eines möglicherweise geringeren Absatzes?

Geschäftsführerin der Winery Heilbronn: Zurückhaltung nicht überraschend

„Es ist völlig normal, dass sich die Menschen im Januar zurückhalten mit Alkohol“, sagt Sonja Löffelhardt. Das sei nicht überraschend. Denn man sei von der Festtagszeit im Dezember übersättigt. Da kommen nun eher Tee und Glühwein auf den Tisch, oder mit den ersten Sonnenstrahlen mal ein Prosecco, meint die Geschäftsführerin der Winery Heilbronn.

Der erste Monat des Jahres sei für die Menschen eine Zeit, in der sie sich wieder neu sortieren. Und für die Geschäftsführerin ist es wirtschaftlich jeweils der schwächste Monat innerhalb eines Jahres. Selbstverständlich hat sie auch ein alkoholfreies Segment in ihrem Sortiment. Doch an ihrer Angebotspalette habe sich nichts geändert.

WG Lauffen setzt auch auf entalkoholisierten Wein 

„Wir können nicht davon reden, dass alle Leute inzwischen Dry January machen“, sagt Marian Kopp. „Entalkoholisierter Wein hat einen Anteil von einem Prozent am nationalen Weinmarkt“, ordnet der Geschäftsführer der Weingärtnergenossenschaft Lauffen die Größenordnung ein. „Allerdings zeigt diese Nische eine klare Tendenz.“ Und die zeigt deutlich nach oben. Denn: „Der Weinmarkt ändert sich“, so Kopp. Daher hat sich die WG Lauffen angepasst. „Wir haben 2023 begonnen, entalkoholisierten Wein anzubieten“, so Marian Kopp. Und in diesem Bereich habe man ein Absatzwachstum, jedoch auf kleinstem Niveau.

Laut Nielsen IQ, einem Unternehmen, das das Kaufverhalten von Verbrauchern untersucht, gab es im Jahr 2023 bundesweit 30 Prozent mehr Käufer in diesem Segment als 2022, die Ausgaben sind demnach sogar um rund 50 Prozent gestiegen. Für 2024 liegen allerdings noch keine Zahlen vor.

Erweitert man das Zeitfenster und beobachtet die vier Jahre von 2020 bis einschließlich 2023, dann ist der Umsatz um mehr als 200 Prozent gestiegen, während sich die Käuferreichweite mehr als verdoppelt hat.

Heilbronner Gastronom Aurich: Im Januar halten Leute eher ihr Geld fest

Der Heilbronner Gastronom Thomas Aurich, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Heilbronn Stadt, sieht ebenfalls keine Anzeichen dafür, dass die Menschen im Januar weniger Alkohol trinken würden. „Bei uns in der Branche sieht man das jedenfalls nicht.“

Allerdings spricht Aurich von gewissen „Verschiebungen im Tagesablauf“. Demnach trinken Akademiker inzwischen eher zum Mittagessen mal einen Wein als abends. Insgesamt würden die Leute jedoch im Januar eher „ihr Geld festhalten“. Dies alles seien jedoch lediglich Einzelbeobachtungen. „Wir haben dazu kein wissenschaftliches Material.“

Prokurist der Palmbräu-Brauerei in Eppingen: Absatzzahlen gehen generell zurück

Auch Oliver Kohler, Prokurist der Palmbräu-Brauerei in Eppingen, stimmt in den allgemeinen Kanon der Branche ein. „Die Absatzzahlen gehen generell zurück. Das ist bei uns auch so.“ Die Gründe dafür seien offen. Er weiß, dass die Winzer ähnliche Probleme haben. „Die Leute schauen halt aufs Geld und nutzen vermehrt Sonderangebote beim Bier.

„Der Januar ist für uns grundsätzlich der schlechteste Monat im ganzen Jahr.“ Diese Entwicklung hält laut Kohler auch noch bis in die Faschingszeit an.

Während die Weinbranche also von einem Prozent entalkoholisierten Wein am Gesamtumsatz spricht, ist es in der Bierbranche ein wenig mehr. „Bei uns dürfte der Anteil rund zwei bis drei Prozent ausmachen“, so Oliver Kohler. 

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