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Abstatt im Jahr 2045: Bürger dürfen mitreden

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Neuer Gemeindeentwicklungsplan befasst sich mit der Zukunft der 5000-Einwohner-Gemeinde. Im Mittelpunkt steht die Definition von Leitprojekten. Das Konzept dient als Grundlage für den Antrag auf Fördergelder. 

Wie sollen sich Abstatt und seine Teilorte mittel- und langfristig weiterentwickeln? Darum geht es in einem offenen Prozess mit Bürgerbeteiligung.
Wie sollen sich Abstatt und seine Teilorte mittel- und langfristig weiterentwickeln? Darum geht es in einem offenen Prozess mit Bürgerbeteiligung.  Foto: Mario Berger

„Die Einweihung der ,Neuen Ortsmitte’ Ende September 2025 war eine Zäsur und gleichzeitig der Abschluss des Gemeindeentwicklungskonzepts 2004“, sagt Abstatts Bürgermeister Klaus Zenth. Der Bürgerpark, der Gebäudekomplex Beilsteiner Straße mit seniorengerechten Wohnungen, Cap-Markt und Metzgerei, die neue Kita „Ortsmitte“, die sanierte Kita „Hinter der Kirche“, die sanierte Ortsdurchfahrt sowie die Neugestaltung von Place de Léhon und Kirchplatz haben Lebensqualität und Optik der 5000-Einwohner-Gemeinde deutlich aufgewertet. Das bedeutet aber nicht, dass künftig Stillstand herrscht. Der Gemeinderat hat jetzt das Gemeindeentwicklungskonzept „Abstatt 2045“ auf den Weg gebracht.

Ausgangspunkt waren die Überlegungen zu einem möglichen Sanierungsgebiet im Teilort Happenbach. Schnell wurde deutlich, dass die Aussicht auf Fördergelder nur mit einem Gesamtkonzept erfolgversprechend sein würde. „Für eine fundierte Entscheidung und mögliche Antragstellungen für andere Bereiche ist eine übergeordnete strategische Grundlage mit Blick auf die Gesamtgemeinde erforderlich“, sagt Bauamtsleiter Tim Breitenöder.

Abstatter Gemeinderat vergibt Auftrag für rund 70.000 Euro an Planer aus Stuttgart

Wie soll sich Abstatt mittel- und langfristig weiterentwickeln? Das ist die zentrale Frage des Gemeindeentwicklungskonzepts „Abstatt 2045“, das unter der Ägide von Thomas Sippel vom Stuttgarter Büro Netzwerk für Planung und Kommunikation für rund 70.000 Euro erstellt werden soll. Themen sind Wohnen, Arbeiten, Verkehr, soziale Infrastruktur und Freiraum. Als Zeitraum ist ein Jahr vorgesehen.

„Wesentlicher Bestandteil dieses offenen Prozesses ist die Bürgerbeteiligung“, so Breitenöder. Nicht nur in Form von Bürgerversammlungen, sondern vor allem digital. Geworben wird über einen QR-Code, den sich jeder auf sein Smartphone oder seinen Rechner herunterladen kann. Auf der Homepage gelandet, gibt es einen Fragebogen mit 20 bis 25 geschlossenen und offenen Fragen und die Möglichkeit, auf dem Ortsplan eigene PINs mit Projektvorschlägen zu setzen. Auch Kommentare und Likes dürfen abgegeben werden. Ergänzend sollen soziale Medien wie Whatsapp, Instagram und Facebook eingesetzt werden, um unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen und die Beteiligungsmöglichkeit niederschwellig bekannt zu machen.

Entstehungsprozess mit „Zukunftsteam“, Workshop und Spaziergängen

„Als weiterer Schritt werden besondere Zielgruppen wie Grundschüler, Konfirmanden oder Senioren einbezogen. Wie stellen sie sich Abstatt im Jahr 2045 vor? Vertreter von Verwaltung, Gemeinderatsfraktionen, Handel und Gewerbe, Wohnungswirtschaft, Landwirtschaft, Naturschutz, Jugend, Vereinen und sozialen Institutionen werden zum „Zukunftsteam“ und arbeiten am runden Tisch weitere Ideen aus. In einem Workshop wird sich der Gemeinderat mit sämtlichen Vorschlägen auseinandersetzen, bevor sich bei Spaziergängen vor Ort nochmal alle ein Bild von der aktuellen Situation machen können.

„Für eine so kleine Kommune ist Abstatt super ausgestattet“, findet Tim Breitenöder. Neue Herausforderungen gebe es aber immer, ergänzt Klaus Zenth und nennt als Beispiel die Situation des Seniorenlandhauses Fridericke. „Momentan gibt es dort 39 Pflegeplätze, bis 2029 dürfen es aber nur noch 32 sein. Damit ist das Haus am Rande der Wirtschaftlichkeit.“ Grund sei die Landesheimbauverordnung, die für alle Bewohner Einzelzimmer vorschreibt. „Da müssen wir uns über einen neuen Standort Gedanken machen“, so Zenth.

Das Gemeindeentwicklungskonzept soll als strategischer Entwicklungsplan wichtige Leitprojekte wie dieses bis 2045 definieren. Klaus Zenth: „Natürlich werden sich nicht alle Wünsche umsetzen lassen, schon aus finanziellen Gründen, aber wir können Prioritäten setzen.“

Die "Neue Ortsmitte" wurde im September 2025 eingeweiht. Grundlage für die zahlreichen Projekte war der Gemeindeentwicklungsplan aus dem Jahr 2004.
Die "Neue Ortsmitte" wurde im September 2025 eingeweiht. Grundlage für die zahlreichen Projekte war der Gemeindeentwicklungsplan aus dem Jahr 2004.  Foto: Oliver Schwarz/Gemeinde Abstatt

Vorbildfunktion

„Vom Leerstand zum lebendigen Zentrum“ ist die Überschrift eines Artikels im Magazin „die:gemeinde“ des Gemeindetags Baden-Württemberg. Darin wird die Schaffung der „Neuen Ortsmitte“ im urprünglichen Straßendorf Abstatt als Leuchtturmprojekt hervorgehoben. „Es stärkt Lebensqualität, Nahversorgung und sozialen Zusammenhalt dauerhaft und dient als Vorbild für andere Kommunen“, schreibt Wolfgang Mielitz, Seniorprojektleiter der Landsiedlung Baden-Württemberg. Der Autor verschweigt nicht, dass die Gemeinde während der Bauphase durch pandemiebedingte Turbulenzen, Lieferengpässe und Preissteigerungen im Bausektor sowie aufgrund massiver Grundwasserprobleme „manch ernüchternden Rückschlag„ hinnehmen musste.  

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