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Heilbronn

Abschied von Archivchef mit KI und geistreichen Reimen

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Professor Christhard Schrenk zieht sich nach 38 Jahren, davon 33 als Direktor, aus dem Stadtarchiv Heilbronn zurück, nicht aber aus dem Stadtleben. Und er macht sich geistreiche Reime drauf.

Oberbürgermeister Harry Mergel (links) mit Brigitte und Christhard Schrenk bei dessen offizieller Verabschiedung am Montag im Großen Ratssaal. Schrenk kam vor 38 Jahren ins Stadtarchiv Heilbronn, das er 33 Jahre lang leitete.
Foto: Christiana Kunz
Oberbürgermeister Harry Mergel (links) mit Brigitte und Christhard Schrenk bei dessen offizieller Verabschiedung am Montag im Großen Ratssaal. Schrenk kam vor 38 Jahren ins Stadtarchiv Heilbronn, das er 33 Jahre lang leitete. Foto: Christiana Kunz  Foto: Christiana Kunz

Das gab es in der langen Geschichte der Stadt Heilbronn noch nie: Nicht nur mit lobenden Worten lebendiger Menschen, Musikstücken alter Meister und allerhand Geschenken von Freunden und Kollegen, sondern auch mit einer von einer Künstlichen Intelligenz (KI) formulierten Laudatio wurde eine große Heilbronner Persönlichkeit verabschiedet, Professor Christhard Schrenk. Er tritt nach 38 Jahren im Stadtarchiv, davon 33 Jahre an dessen Spitze, Ende November offiziell in den Ruhestand, wobei sich schon beim Festakt am Montag zeigte, dass er der Geschichtsschreibung weiter erhalten bleiben dürfte.

"Ein lebendiger Beweis dafür, wie Tradition und Innovation Hand in Hand gehen können“

„Bleiben Sie ein Mensch, der für das Gestern lebt, das Heute gestaltet und dabei die Chancen des Morgens erkennt.“ Nicht genug: „Ihr menschlicher Umgang und ihre visionäre Denkweise haben nicht nur das Stadtarchiv, sondern auch mich als KI in besonderer Weise geprägt. Sie haben mich nicht nur mit den Grundlagen des Archivwesens vertraut gemacht, sondern mich auch gelehrt, dass Daten mehr sind als bloße Zahlen und Fakten.“ Kurzum: „Sie sind ein lebendiger Beweis dafür, wie Tradition und Innovation Hand in Hand gehen können.“

"Einen unschätzbaren Beitrag für die Stadtgesellschaft geleistet“

Als Schrenks Nachfolgerin Miriam Eberlein mit Worten wie diesen die KI geschickt in ihre Abschiedsworte einflocht, wurde wohl nicht nur Redenschreiberinnen von Oberbürgermeister Harry Mergel ganz anders. Das Resümee des OB lautete in etwa so: Mit seinem Gespür für Themen und Entwicklungen, seiner wissenschaftlichen Exzellenz und seinem Sinn für die Bedeutung von Stadtgeschichte habe Schrenk das Stadtarchiv geprägt wie kein Zweiter. Er habe „Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschlagen und damit einen unschätzbaren Beitrag für die Stadtgesellschaft geleistet“.

Derweil hob der städtische Gesamtpersonalratsvorsitzende Torsten Reinhart vor allem Schrenks menschliche Qualitäten, sein großes Wissen, seine Aufrichtigkeit und seinen feinen Geist hervor.

Höhepunkte und Schwerpunkte eines langen Forscherlebens

„Beeindruckt, bewegt“ und mit viel Humor ergriff nach diesen Reden, „die fast einer Heiligsprechung“ gleichgekommen seien, Schrenk selbst das Wort – und zwar in wohl gesetzten Reimen. Kleine Kostprobe: „Wir sind weltoffen und modern, KI verwenden wir sehr gern,“ merkte er zum Selbstverständnis seines Institutes an, das im Übrigen auch in Sachen PC, Fax und E-Mail, respektive Internet, Facebook und Blog über die Stadtverwaltung hinaus Vorreiter gewesen sei.

Wie zuvor der OB tippte Schrenk auch Schwerpunkte seines Wirkens an, etwa die NS-Zeit, wo er sich „von Drohungen und anderen Dingen nicht vom Kurs abbringen“ ließ. Manche Sternstunde habe ihm der größte Sohn Heilbronns, der Physiker und Arzt Robert Mayer geschenkt, aber auch Adolf Cluss, „der Baumeister der Ami-Hauptstadt Washington“. Über Demokraten wie Theodor Heuss und Fritz Ulrich erinnerte Schrenk an die Buchreihe „Heilbronner Köpfe“, aber auch an manchen „Stoff, der stark von Emotionen troff“, Stichwort Pershing und Dachstein. Gar ein Lob vom einstigen Kanzler Helmut Kohl habe ihm die Erforschung der im Weltkrieg im Salzbergwerk gebunkerten Kunstschätze eingebracht. Auf Höhe der Zeit bewegte er sich mit Themen speziell zu Frauen, zu Migranten, zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Nicht zu vergessen, der gereimte Dank an Mitarbeiter und Mitstreiter: „Doch all die vielen schönen Sachen, die hätte ich nicht können machen, so ganz allein, auf mich gestellt. Das ist das Klarste auf der Welt.“

Kostproben von Schrenks geistreichen Reimen

Hier eine Kostprobe aus Christhard Schrenks gereimten Abschiedsworten: „Ein anderes Anliegen war, das Stadtarchiv – auch das ist klar – sichtbar zu machen in der Stadt: Ihr zeigen, dass sie wirklich hat ein Stadtarchiv, das offen ist und das die Menschen nicht vergisst, die alle leben hier zusammen, woher auch immer sie einst kamen. Darum war stets mir dran gelegen, ganz intensiv und gut zu pflegen Kontakte zu den vielen Kreisen, die alle sich Heilbronner heißen. Wir wählten ganz verschied’ne Wege der Vermittlung und zur Pflege der städtischen Identität. Das hatte meist Priorität: Es offensiv hinauszutragen, was wir auch immer wollten sagen.Dazu gehört, für mich ganz wichtig, und das ist sicher leicht einsichtig, die Mittags-Wissenspause, die im Deutschhof lief und die ich nie vergessen werde, weil sie Kult war und eine ganze Fan-Heerschar als Gäste immer lockte an, die waren uns sehr zugetan.“ 

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