Instagram, Facebook und Co.: Wie Kommunen im Raum Heilbronn Social Media nutzen
Aktuelle Informationen, Veranstaltungshinweise, Austausch mit Bürgern: Es gibt vielfältige Gründe, aus denen Kommunen in der Region Heilbronn heutzutage Präsenz in den Sozialen Netzwerken zeigen. Auch Bürgermeister schätzen die persönliche Art der Kommunikation.
Was früher die Tageszeitung war, sind heute die Sozialen Netzwerke. Nur wenige junge Menschen leisten sich heute noch ein Abonnement, für das sie bezahlen müssen. Stattdessen haben sie Profile auf Social-Media-Kanälen, oft gleich mehrere: Instagram, Facebook, LinkedIn oder Tiktok gehören zu den prominentesten.
Unternehmen und Institutionen jeglicher Art haben längst erkannt, dass das die Orte sind, wo sie ihre Zielgruppen erreichen können. Das gilt auch für Kommunen, Verwaltungen und ihre Vertreter in der Region Heilbronn.
Kommunen in der Region Heilbronn nutzen Soziale Netzwerke für moderne Bürgerkommunikation
„Soziale Netzwerke sind heute ein unverzichtbarer Bestandteil der städtischen Kommunikation“, erklärt Suse Bucher-Pinell, Pressesprecherin der Stadt Heilbronn. Sie hat eine Onlineredaktion, bestehend aus zweieinhalb Stellen, die für den Internetauftritt zuständig sind. Neben den Webseiten, Newslettern und dem Markenmanagement bespielen sie auch die Social-Media-Kanäle. „Die Inhalte variieren je nach Kanal und Zielgruppe“, so Bucher-Pinell.
Auf der Kurzvideo-Plattform Tiktok würden beispielsweise Inhalte rund um Ausbildungen bei der Stadt geteilt, bei Instagram und Facebook gehe es eher um aktuelle Informationen und Veranstaltungshinweise. Die Sozialen Netzwerke ermöglichten eine zeitgemäße und zielgruppengerechte Öffentlichkeitsarbeit, meint Bucher-Pinell. Informationen könnten direkt und breit gestreut werden. „Im Vergleich zu klassischen Kommunikationsmitteln sind sie zudem oft schneller, direkter und interaktiver.“
Bis zu 100.000 Aufrufe generiere die Stadt Heilbronn mit einzelnen Themen. Bucher-Pinell spricht von Reichweiten, „die analoge Kommunikationsmittel heute kaum leisten können“. Bürger könnten unkompliziert Fragen stellen, Anliegen äußern oder auf Missstände hinweisen. Insbesondere bei kurzfristigen Informationen wie Baustellen oder Krisenkommunikation könne die Stadt sofort mit der Öffentlichkeit in Kontakt treten. „Diese Form der digitalen Interaktion fördert Transparenz, Dialogbereitschaft und Bürgernähe“, schlussfolgert Bucher-Pinell.
Persönlicher Kontakt auf Social Media: Das schätzen Bürgermeisterinnen aus der Region Heilbronn
In der Region Heilbronn sind auch so manche Bürgermeister in den Sozialen Netzwerken vertreten. Diana Danner aus Zaberfeld nutzt aktiv Instagram und Facebook, wo sie beispielsweise Baustellen-Updates oder Veranstaltungshinweise teilt, manchmal auch „persönliche Eindrücke aus meinem Arbeitsalltag – gern auch mal mit einem Augenzwinkern“. WhatsApp nutzt sie für den direkten Austausch mit Bürgern, und LinkedIn eher für fachlichen Austausch mit anderen Vertretern der Kommunalpolitik. Besonders erfolgreich liefen auch Stellenausschreibungen über die Plattform. Danner: „Die letzten Stellenbesetzungen haben wir allesamt über LinkedIn erfolgreich abgeschlossen. Dies alles vollkommen kostenlos und mit wirklich überragendem Erfolg.“
Auch Sarina Pfründer betreibt persönliche Accounts auf Instagram und Facebook, zudem bespielt die Stadt Lauffen separate Kanäle auf diesen Plattformen. Informationen und Veranstaltungshinweise werden dort geteilt. „Da manche Lauffener Gruppen mehrere tausend Mitglieder haben, ist dies eine gute Werbemöglichkeit“, erklärt Pfründer. Die transparente Verwaltungsarbeit komme bei den Anwohnern gut an. Herkömmliche Kanäle haben aber nicht an Wichtigkeit verloren. „Dadurch, dass wir alle Online-Themen auch im Lauffener Boten drucken, werden alle Generationen gleichermaßen informiert“, betont Pfründer.
Kommunen im Raum Heilbronn erreichen auf Social Media vor allem junge Leute
Für Diana Danner hat ihre Präsent in den Sozialen Medien etwas mit Nahbarkeit und Präsenz zu tun. „Wir müssen die Kanäle nutzen, auf denen die Bürgerinnen und Bürger ohnehin schon unterwegs sind“, erklärt die Bürgermeisterin der 4200-Seelen-Gemeinde Zaberfeld. „Gerade junge Menschen erreichen wir oft nur noch über digitale Kanäle – und das klappt wunderbar.“
Der persönliche Kontakt werde durchweg positiv aufgenommen. „Diese Form des Dialogs wird sehr geschätzt“, erklärt Danner. „Die Hürde, mich anzusprechen, ist deutlich gesunken.“ Viele Menschen kämen auf sie zu und sprächen sie auf die Inhalte an, die sie postet. „Der persönliche Kontakt hat also nicht abgenommen, sondern sich erweitert und intensiviert“, schlussfolgert sie.
„Nicht mehr wegzudenken“: Bedeutung von Social Media auch für Kommunen groß
Andreas Bracht, Pressesprecher der Stadt Neckarsulm, erklärt, die Sozialen Netzwerke seien „zu einem unverzichtbaren Bestandteil der modernen Stadtkommunikation geworden, der herkömmliche Kanäle nicht ersetzt, aber maßgeblich ergänzt und deren Wirkung verstärkt“. Er spricht von einem „Kommunikationsmix“, aus dem die Plattformen „nicht mehr wegzudenken“ wären. „Ihre Bedeutung ist stark gewachsen und übertrifft in vielen Bereichen die Reichweite und Schnelligkeit herkömmlicher Kanäle.“
Aus diesem Grund betreibt die Stadt verschiedene Kanäle mit angepassten Inhalten. Facebook sei die zentrale Plattform für allgemeine Informationen. Bei Instagram liege der Fokus auf visuellen Inhalten wie Fotos und Videos. Tiefergehende Einblicke gibt es in längeren Videos auf Youtube. LinkedIn sei ein vergleichsweise neuer Kanal, mit dem die Stadt sich als moderner Arbeitgeber präsentieren wolle.
Auch Oberbürgermeister Steffen Hertwig ist auf Instagram, Facebook und LinkedIn vertreten. Die Auftritte dort würden allein von ihm selbst administriert, betont Bracht. Er nutze die Profile etwa für den persönlichen Austausch mit Bürgern, Einblicke in seine Arbeit, aber auch, um aktuelle Informationen zu teilen oder zu aktuellen Themen Stellung zu nehmen.
Hass, Sexismus und Co.: Social Media hat auch Schattenseiten für Kommunen
Wie alles hat die Nutzung von Sozialen Netzwerken aber auch Schattenseiten. Ein Großteil der Nutzer sei zwar freundlich und konstruktiv. „Gleichzeitig beobachtet die Stadt – wie viele öffentliche Stellen – eine zunehmende Verrohung der Sprache in bestimmten Netzwerken“, kritisiert Bucher-Pinell. Vereinzelt käme es zu unsachlichen und beleidigenden Kommentaren bis hin zu Hass. Mit klaren Moderationsrichtlinien und Community Management (deutsch: Führung einer Gemeinschaft) greife das zuständige Team konsequent ein.
Die Stadt Neckarsulm hat für den Austausch auf den Sozialen Netzwerken eine Netiquette veröffentlicht. Man reagiere auf sachliche und konstruktive Kritik. Gleichzeitig kämen auch problematische Inhalte vor, die eine Moderation erfordern. Daher gebe es Regeln für den Umgang mit Beleidigungen, Drohungen, Hassrede, Sexismus, Rassismus, Spam und Fake-Profilen.
„Bei bestimmten Themen gibt es Einzelfälle, die eine unschöne Diskussion im Netz auslösen“, berichtet auch Sarina Pfründer. Hier kämen die Sozialen Medien an ihre Grenzen. Die Stadt wolle neutral und überparteilich informieren. Grundsätzlich sei die Rückmeldung der Bürger aber überwiegend positiv.
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