Jubiläumsfeier auf Monrepos

200 Jahre Weinbauverband Württemberg: Wengerter fragen nach dem Woher und Wohin

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Allerhand Denkanstöße beim Jubiläum 200 Jahre Weinbauverband Württemberg auf Schloss Monrepos bei Ludwigsburg. Und: Hermann Hohl bekommt posthum zwei besondere Ehrungen.

Auf Schloss Monrepos bei Ludwigsburg feierte der Weinbauverband sein 200-jähriges Bestehen. Der Herzog von Württemberg stellte es den Wengertern aus alter Verbundenheit zur Verfügung.
Fotos: Kilian Krauth
Auf Schloss Monrepos bei Ludwigsburg feierte der Weinbauverband sein 200-jähriges Bestehen. Der Herzog von Württemberg stellte es den Wengertern aus alter Verbundenheit zur Verfügung. Fotos: Kilian Krauth  Foto: Krauth, Kilian

Der Rahmen passte zum Jubiläum, zur Lage der Wengerter – zumindest auf den ersten Blick – weniger: Auf Schloss Monrepos bei Ludwigsburg feierte der Weinbauverband Württemberg (WVW) mit Reden, Wein und Speisen sein 200-jähriges Bestehen. Der zauberhafte Ort war mit Bedacht gewählt, denn die Initiative zur Gründung der damaligen „Weinverbesserungsanstalt“ war 1825 von König Wilhelm I. von Württemberg ausgegangen, der damit den Wengertern aus der Not helfen wollte.

So hob zur Begrüßung von 120 geladenen Gästen Michael Herzog von Württemberg die stets enge Verbindung seiner Familie zur Landwirtschaft hervor. Doch „Monrepos“, was „meine Ruhe“ heißt, sei alles andere als programmatisch zu verstehen, schließlich stehe man vor großen Herausforderungen.

Präsident Rembold: „Wir müssen alles auf den Kopf stellen und hinterfragen“

Wirtschaftlichkeit der Betriebe und Resilienz der 10 500 Mitglieder: So brachte Weinbaupräsident Dietrich Rembold die aktuellen Ziele des WVW auf den Punkt. Die Zeit der „Lagerbildung“ zwischen Gütern und Genossenschaften sei vorbei, was nicht zuletzt die Besetzung aller Verbands-Ehrenämter zeige. Das Jubiläum nehme man zum Anlass, „gemeinsam“ nach dem Woher zu fragen, aber auch nach dem Wohin. „Wir müssen alles auf den Kopf stellen und hinterfragen“: von der Produktion über Strukturen bis hin zu Rebsorten und Vermarktung.

Stoßen mit Sekt aufs Jubiläum an (von links): Michael Herzog von Württemberg, Dr. Eberhard  Fritz, Kim Weißflog, Dietrich Rembold und Hermann Morast.
Stoßen mit Sekt aufs Jubiläum an (von links): Michael Herzog von Württemberg, Dr. Eberhard Fritz, Kim Weißflog, Dietrich Rembold und Hermann Morast.  Foto: Krauth, Kilian

Während Weinkönigin Kim Weißflog mit erfrischenden Worten von einem „würdigen Rückblick und kraftvollen Ausblick“ sprach, rückte Agrarminister Peter Hauk zunächst Königin Katharina I. ins Blickfeld, die mit ihrem Ehemann Wilhelm I. zwischen 1816 und 1819 wesentliche Weichen für den Aufschwung Württembergs stellte. Heute hätten die Wengerter zwar nicht mit Hunger zu kämpfen, aber teils tatsächlich mit existenziellen Sorgen.

Beim Abhilfe schaffen nahm Hauk vor allem die Verbraucher in die Pflicht. Angesichts immer mehr Brachen sagte er: „Wer unsere Weinberge auch in Zukunft will, muss Württemberger Wein trinken!“. Beim „Kampf um Konsumenten“ müsse die Branche „viele Baustellen anpacken“: Kosten senken, genossenschaftliche Strukturen hinterfragen, mit neuen Sorten Wetterrisiken minimieren oder etwa Export und Tourismus ausbauen. Die Voraussetzungen seien bestens: Böden, Produkte, Produzenten und potenzielle Käufer nannte Hauk durch die Bank alle „toll“.

Neben schwäbischen Häppchen wurde zur Feier Württemberger Wein gereicht.
Neben schwäbischen Häppchen wurde zur Feier Württemberger Wein gereicht.  Foto: Krauth, Kilian

Hauptproblem: Wirtschaftliche Schieflage und Verunsicherung der Kunden

Als aktuelles Hauptproblem nannte Klaus Schneider als Präsident des Deutschen Weinbauverbandes die allgemeine wirtschaftliche Schieflage und die daraus resultierende Verunsicherung der Kunden. „Bitte sorgen Sie als Politiker hier für Abhilfe“, rief der Pfälzer den Volksvertretern zu. Mit Blick auf die gute Vernetzung, auf Innovationen, die Ausbildung und „die handelnden Personen“ habe er keine Sorge um Württembergs Zukunft.

Anlass zur Verbandsgründung im 19.Jahrhundert waren große Krisen

Zurück in die Gründerzeit des WVW blickte Dr. Eberhard Fritz. Auch damals steckten die Winzer in der Krise. Ihre dünnen, saueren Weinchen seien – anders als heute – mit „Rachenputzer“ noch milde umschrieben. In dieser Situation hätten Theoretiker, Pfarrer und Beamte, mit Rückendeckung des Königs die „Weinverbesserungsanstalt“ gegründet, wobei sich die verarmten Wengerter die Maßnahmen zur Qualitätssteigerung kaum leisten konnten. Wie es laufen kann, zeigten neben dem königlichen Weingut Vordenker wie Sektmacher Kessler oder Weinbauschulleiter Dornfeld, aber auch WG-Gründer. Doch Reblaus, Pilzkrankheiten, Fachkräftemangel im Zuge der Industrialisierung und zwei Weltkriege brachten den Weinbau immer wieder schier zum Erliegen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es lange aufwärts

Nach der Neugründung des Verbandes 1947 sei es in den Wirtschaftswunderjahren bergauf gegangen. Nach Flurbereinigungen sei heute Umweltschutz angesagt, statt Masse Qualität. Als größte Herausforderungen nannte Fritz neben dem Klimawandel den Preisdruck, aber auch den Anti-Alkohol-Trend. Wie sich die Branche den vielfältigen Herausforderungen stellt, zeigt auch eine Festschrift auf, die beim WVW erhältlich ist.

Hermann Hohl (1955-2024) wurde zum Ehrenpräsidenten des Weinbauverbandes ernannt.
Hermann Hohl (1955-2024) wurde zum Ehrenpräsidenten des Weinbauverbandes ernannt.  Foto: Claudia Fy www.claudiafy.de

Hermann Hohl posthum zum Ehrenpräsidenten des Weinbauverbandes ernannt

Der Weinbauverband Württemberg nahm sein Jubiläum zum Anlass, seinen langjährigen Präsidenten Hermann Hohl (1955-2024) aus Obersulm zum Ehrenpräsidenten zu ernennen. Gleichzeitig kündigte Landtagsabgeordneter Nico Weinmann in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Bürgervereins „Wir für Heilbronn“ an, am Wein-Panorama-Weg auf dem Wartberg mit dem WVW ein Wengerthäuschen zu bauen: „den Hermann-Hohl-Ausblick – für einen Mann mit Weitblick, ein Ort der Begegnung, des Innehaltens, der Wertschätzung.“ „Völlig überwältigt“ davon war Heidrun Hohl, die sich auch im Namen ihrer Kinder Markus und Sabrina für die Wertschätzung ihres Mannes und dessen „Herzenssache und Lebensaufgabe“ bedankte. 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben